Drei Zoophile reden über ihre Beziehungen zu Tieren

Michael, MEO und Komet sagen, sie würden Beziehungen mit einem Tier führen. Hier erzählen sie, welchen Anfeindungen sie ausgesetzt sind. Drei Protokolle

Michael ist mit einer Hündin zusammen, MEO und Komet mit einem Hund. Alle drei haben irgendwann im Laufe ihres Lebens gemerkt, dass sie sich, emotional und sexuell, zu Tieren hingezogen fühlen. Schnell haben sie auch gemerkt: In der Gesellschaft, in der sie leben, wird das nicht geduldet.

Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet die sexuelle Präferenz für Tiere als „Störung der Sexualpräferenz“. Seit Juli 2013 ist es in Deutschland verboten, „ein Tier für eigene sexuelle Handlungen zu nutzen oder für sexuelle Handlungen Dritter abzurichten oder zur Verfügung zu stellen und dadurch zu artwidrigem Verhalten zu zwingen“ (Paragraf 3 Satz 1 Nummer 13 des Tierschutzgesetzes). Ein Verstoß wird als Ordnungswidrigkeit verfolgt.

Michael, MEO und Komet sind Anfeindungen gewohnt, sie hatten teils schon wütende Schläger und Demonstrationen vor ihrer eigenen Haustür. Aus dem Grund wollen MEO und Komet auch anonym bleiben. Bei vielen Zoophilen, berichten sie, wissen nicht einmal Freund*innen und Familie von ihrer Sexualpräferenz. Deren Beziehung findet dann, wenn überhaupt, in den eigenen vier Wänden statt.

Michael, MEO und Komet haben sich im Internet kennengelernt. Sie sind Mitglied im Verein Zoophiles Engagement für Toleranz und Aufklärung, kurz ZETA. Vieles zu ihren eigenen Beziehungen müssen die drei immer wieder erklären. Über den Chatdienst Discord haben die drei mit ze.tt über ihre Beziehung zu einem Tier, die große Frage der Einvernehmlichkeit und Anfeindungen gesprochen.

Michael: „Es wäre schön, wenn man mit Leuten reden kann, ohne dass sie das Bild des bösen Tierfickers vor sich haben“

Du kannst im Prinzip nicht nach außen nachweisen, dass du mit deinem Tier mit dessen Einverständnis irgendwas machst. Das bleibt immer dir überlassen. Die Frage ist dann: Woran merkt man, ob das Tier mag, was man macht, oder ob es das eben nicht mag? Ich sage immer: Du merkst auf jeden Fall, wenn der Hund rausgehen will, wenn er was zu fressen haben will, wenn er in die Badewanne will. Bei einer Katze merkst du es auch. Und wenn du bei einem Pferd etwas machst, was es absolut nicht mag, wirst du schon sehen, was du davon hast. Aber du wirst es nach außen nicht nachweisen können. Es sei denn, du stellst eine Kamera auf und filmst dich dabei. Dann hast du in unserem Fall vielleicht nachgewiesen, dass es Konsens war, kommst aber trotzdem ins Kittchen wegen der Verbreitung pornografischer Bilder.

Nicht allen, die sich von Tieren angesprochen fühlen, ist Konsens wichtig. Da gibt es unterschiedliche Leute. Die Unterscheidung zwischen Zoophilie und Zoosadismus ist die einzig harte. Zoosadisten nehmen sich ein Tier her, um es zu quälen und daraus eine – möglicherweise sexuelle – Befriedigung zu ziehen. Da eigentlich alle – auch die, die nicht mit einem Tier in einer Lebensgemeinschaft leben – das weder nachvollziehen noch gutheißen, sind Zoosadisten ziemlich verhasst. Es ist die einzig harte Grenze zu diesem Spektrum. Die Zoophilen sind das eine Ende des Spektrums. Das andere ist irgendwo da, wo das Tier nicht gezwungen oder ihm wehgetan wird, aber wo es auch nicht Lebenspartner ist, sondern Mittel zum Zweck.

In anderen Bereichen als der Sexualität wird Konsens in der Gesellschaft viel weniger eingehalten. Guck dir mal die ganzen Nutztiere an.

Michael

In anderen Bereichen als der Sexualität wird Konsens in der Gesellschaft viel weniger eingehalten. Guck dir mal die ganzen Nutztiere an. Da fragt keiner nach irgendeinem Konsens. Das ist einer der Widersprüche unserer Gesellschaft: Einerseits hat man ein Haustier und das gehört zur Familie, andererseits holt man sich ein Steak im Supermarkt. Es ist natürlich praktisch, da nicht weiterzudenken. Aber das sollte man. Wir Zoos machen so viel, wie vom Gesetzgeber an dominantem Verhalten gegenüber dem Tier gefordert wird. Aber wir versuchen, dem Tier so viele Freiheiten wie möglich zu lassen, damit es sich in seiner Art entwickeln und entfalten kann.

Mein erster Hund und ich, wir kamen zusammen, da war ich 38 Jahre alt. Er starb irgendwann an Krebs, danach ging bei mir erstmal gar nichts. Als sich das wieder änderte, habe ich mir gedacht: Vielleicht doch eher eine Hündin, die kloppt sich nicht so viel. Sie hatte an Sex mit mir dann leider gar kein Interesse, das hat sie mir auch so gezeigt, wie sie es einem anderen Rüden zeigen würde. Das war scheiße. Wenn man jetzt kein Zoo wäre, würde man sagen: Ab ins Tierheim mit dir, ich hol mir die nächste. Aber ich würde das so nicht machen. Eifersucht ist für mich auch kein Thema. Meine Hündin kann sich jeden Rüden schnappen, den sie haben will. Andersrum wird allerdings doch oft ein Schuh draus, wenn ich mit jemand anderem kuschle.

Es wäre ein Anfang, wenn man in einem vorurteilslosen Kontext mit den Leuten reden kann, ohne dass sie gleich das Bild des böswilligen Tierfickers vor sich haben. Weil man dann eine Basis hat, auf der man diskutieren kann, ohne Schimpfwörter als Antwort zu bekommen. Bei einem von uns standen mal ein paar Leute mit Baseballschlägern vor der Tür, das Haus wurde beschmiert. In meiner Nachbarschaft und auf der Arbeit wurden mal Zettel verteilt, auf denen stand, was für ein Schwein ich doch wäre. Die Menschen sollten erst mal zuhören und dann meckern.

MEO: „Bevor du andere Zoophile triffst, bist du alleine mit den Gefühlen, du denkst, du bist verrückt“

Wenn wir können, arbeiten wir liebend gerne mit Wissenschaftlern zusammen. Letztens zum Beispiel haben wir mit einer japanischen Anthropologin gearbeitet, die darüber jetzt ein Buch rausbringt. Was den aktuellen Stand der Wissenschaft angeht, so wird immer bekannter, dass Tiere eine Willensäußerung kundtun können. Ich denke mal, den Konsens wird jeder verstehen, der selbst ein Tier hat. Dass ein Tier zeigen kann, wenn es zum Beispiel Hunger hat. Unsere Gegner meinen allerdings, das Tier sei trotzdem in einem Abhängigkeitsverhältnis zu uns und würde nie zeigen, wenn es etwas nicht mag.

Wir sprechen im Verein auch über kritische Berichterstattung. Wir haben eine Quellenliste bei uns auf der Webseite, wo wir sämtliche wissenschaftliche Veröffentlichungen aufgeführt haben. Positive wie negative. Wir sind der Meinung, man muss Wissenschaft auch kritisch hinterfragen dürfen. Was zum Beispiel immer wieder gegen uns ins Feld geführt wird, ist eine wissenschaftliche Arbeit, die aus den 80er Jahren der USA stammt. Dort hatte man Gefängnisinsassen befragt, die wegen Kinderpornografie und Kindsvergewaltigung drangekommen sind, ob sie jemals etwas mit Tieren hatten. Und die sagten: Ja. Unsere Gegner ziehen daraus den Schluss, dass jeder, der mit Tieren sexuellen Kontakt hatte, folgerichtig irgendwann auf Kinder zugreift. Das ist Blödsinn. Wenn wir einen vorgefertigten statistischen Pool nehmen, hier Gefängnisinsassen, also Straftäter, können wir nicht sagen, dass alle, die diese Vorliebe haben, Straftäter sind.

Ich bin Menschen gegenüber bisexuell und Tieren gegenüber heterosexuell und kann mir durchaus vorstellen, eine weibliche tierische Partnerin und einen männlichen menschlichen Partner zu haben.

MEO

Der unumstößliche Beweis, dass es bei uns wirklich um die Beziehung geht und nicht vorwiegend um den Sex, sind die Zoophilen, die keinen sexuellen Kontakt zu ihren Partnern haben. Das ist wichtig, denn in der Öffentlichkeit werden wir oft auf den Sex reduziert. Dabei geht es im Vordergrund um die Partnerschaft, das wird vollkommen vernachlässigt. Es gibt die Zooexklusiven, die nur eine Partnerschaft zum Tier wollen, manche sogar zu einer bestimmte Rasse oder nur einem bestimmten tierischen Individuum. Und es gibt welche, die sich vorstellen können, etwas mit einem Menschen zu haben – sei es eine hetero- oder homosexuelle Beziehung. Genauso bezogen aufs Tier. Ich bin Menschen gegenüber bisexuell und Tieren gegenüber heterosexuell und kann mir durchaus vorstellen, eine weibliche tierische Partnerin und einen männlichen menschlichen Partner zu haben.

Man wächst in das Stigma hinein. Ich denke, jeder von uns hatte am Anfang arge Probleme. Bevor du andere triffst, bist du alleine mit den Gefühlen, du denkst, du bist verrückt. Dann lernst du Leute kennen, die genauso sind wie du. Viele, die niemanden treffen, fallen leider in eine Depression. Teilweise geht das bis hin zu Versuchen, sich anzupassen, was in einem psychischen Trauma enden kann. Ich kenne einen Bekannten, der hat sich sein Leben lang korrigieren wollen und ist dabei seelisch kaputtgegangen.

Unser Outing läuft im Prinzip nicht anders als bei Schwulen und Lesben: Wir führen die Leute meistens langsam an das Thema heran und gucken, wie sie grundsätzlich dazu stehen. Dann kann man abschätzen: Okay, derjenige ist geistig so weit, dass er mit dem Thema überhaupt agieren kann, oder man stößt gleich auf Ablehnung. Dann braucht man kein Gespräch führen. Ich würde mir wünschen, dass man in der Diskussion in der Gesellschaft versucht, keine Sachen zu vermischen. Dass man zum Beispiel Zoosadismus nicht absichtlich mit Zoophilie vermischt, um Totschlagargumente zu haben. Wir haben oft mit Anfeindungen zu kämpfen: Bei Michael zum Beispiel standen die Antis schon vor der Tür und haben dort eine Kundgebung samt Demo gemacht.

Komet: „Um sicher zu sein, dass es eine Einvernehmlichkeit zwischen Mensch und Tier gibt, hilft Empathie. Es ist wichtig, zu jedem Zeitpunkt auf den Partner zu achten“

Gegen mich läuft ein Fahndungsaufruf. Wenn ich jetzt aber persönlich mit einem Anwalt dagegen vorgehen würde, hätte die Gegenseite die Möglichkeit, über einen Anwalt Akteneinsicht zu kriegen, und dann hätten sie sofort meinen Namen und meine Adresse. Sobald die einmal draußen sind, kriegst du sie nicht mehr zurückgeholt. Das macht es für uns ziemlich schwierig, uns gegen solche Anfeindungen zu wehren. Deswegen trauen die sich das auch.

Um sicher zu sein, dass es eine Einvernehmlichkeit zwischen Mensch und Tier gibt, hilft Empathie. Es ist wichtig, zu jedem Zeitpunkt darauf zu achten: Verhält mein Partner sich ruhig oder gibt es erste Anzeichen, dass er lieber weggehen möchte? Bei Tieren gibt es drei Stufen von einfachen, körpersprachlichen Signalen: Die erste Stufe ist ein vorsichtiges ‚Ich möchte nicht‘, die zweite ist eine Warnung und bei der dritten gibt’s auf die Fresse. Das gilt bei einem Pferd, das nach hinten austritt und einen lebensgefährlich verletzen kann, genauso wie bei einer Hündin, die dann anfängt, zu beißen. In der Hinsicht können sich Tiere wehren, wenn sie es müssen. Bei uns kommen sie gar nicht erst in diese Situation, schon die ersten gegenteiligen Signale muss man aber zulassen. Und nicht sagen: Ich möchte jetzt aber. Und es dann erzwingen. Sondern eben diese Empathie für den Partner haben. Wenn das Vertrauen zwischen Mensch und Tier bricht, ist auch in Zukunft kein vertrauensvoller Umgang mehr möglich.

Mein Hund ist der erste Partner, den ich habe.

Komet

Dabei kommt es nicht nur auf den Moment vor einer Handlung an – ganz unabhängig davon, ob es eine sexuelle Handlung ist –, sondern auch während der Handlung und hinterher. Es geht um die Frage: Möchte die Person – oder das Tier – an der Handlung teilhaben, fühlt sie sich während der Handlung wohl und würde sie eine solche Handlung wieder eingehen? Diese drei Momente kann man bei einem Tier eigentlich klar erkennen. In dem Moment, wo mein Partner merkt, dass ich jetzt Lust habe, oder er mir zeigt, dass er Lust hat und ich darauf eingehe, wird er ungeduldig und hektisch. Er geht nicht weg. Ich merke auch hinterher nicht, dass er irgendwie auf Distanz geht. In dem Moment, in dem die Handlung stattfindet, gibt es – zumindest bei einem Rüden – überhaupt keinen Zweifel, dass er das möchte. Diese drei Aspekte zu betrachten, finde ich sinnvoll, auch insgesamt für das Konzept von Einvernehmlichkeit.

Mein Hund ist der erste Partner, den ich habe. Da war ich am Anfang, auch was Hundeerziehung angeht, sehr unerfahren und habe viel schleifen lassen. Dadurch hat er einen sehr eigenen Kopf entwickelt, beim Gassigehen ist es eigentlich eher so, dass er mit mir Gassi geht als umgekehrt. Zu Hause gibt es eigentlich keine besondere Regel, die ich ihm beigebracht habe. Nichts, was er groß einhalten müsste. Nur, wenn es Futter gibt, mache ich mit ihm vorher eine kleine Übung, so was wie Pfote geben. Sachen, die ich vielleicht dann beim Gassigehen auch mal gebrauchen kann, damit ich bestimmte Situationen im Vorhinein entschärfen kann. Das kommt eher aus Verantwortung dafür, dass mein Hund sich eben in einer menschlichen Gesellschaft zurechtfinden muss. Und weniger, um den Hund komplett zu kontrollieren. Das finde ich Quatsch.

Mutmaßlich resultiert dieses Überlegenheitsgefühl des Menschen aus der christlichen Religion, in der es ja heißt: Machet euch die Erde Untertan. Und daraus, dass im christlichen oder auch im gottgläubigen Weltbild, der Mensch die Krönung der Schöpfung ist. Ich weiß, dass es früher schon Debatten gab. Bei den alten Griechen gab es den ein oder anderen, der Tieren eine Seele zugesprochen hat. In der Industriellen Revolution haben dann manche gesagt, das seien biologische Maschinen. Diese Diskrepanz, dass wir Menschen eigentlich keine Tiere seien, das ist in unserer Gesellschaft fest drin. Ich glaube, dass ein Teil der heftigen Reaktionen auf Zoophile auch von diesem Selbstbild kommt und dem Eindruck: Oh, da begibt sich einer auf die Ebene eines Tieres herab.