Du denkst noch an deine*n Ex? Das bedeutet nichts

Auch Jahre später schweifen die Gedanken immer mal wieder zurück zum*zur Ex? Ein schlechtes Gewissen ist unnötig – meistens jedenfalls.

Es ist nicht schlimm, wenn du manchmal an deine*n Ex denkst.

Es ist nicht schlimm, wenn du manchmal an deine*n Ex denkst. Foto: Brooke Cagle / Unsplash | CC0

Nichtsahnend gehst du so dem Alltag nach, putzt das Bad oder erledigst ähnliche Profanitäten – und plötzlich taucht das Gesicht deines*deiner Ex vor deinem geistigen Auge auf. Egal, ob es ein Lied ist, ein Film, eine Redewendung oder schlicht ein gedankenverloren umherstreifendes Gehirn – eine Winzigkeit reicht und schon ist die Erinnerung an die alte Liebe wieder da.

Was dann folgt, ist oft ein kurzer Schreck, ein bisschen Scham, ein paar vereinzelte Schuldgefühle und ein Wölkchen Ärger. Unabhängig davon, ob du mittlerweile wieder in einer neuen Beziehung bist oder single, denn niemand gibt gern zu, noch an der Vergangenheit zu hängen; schon gar nicht vor sich selbst und besonders dann nicht, wenn die ganze Sache nicht so richtig rund ausgegangen ist. Dabei ist all die Selbstzerfleischung gar nicht nötig.

Wichtige Menschen bleiben im Kopf

Denn auch lange nach der Trennung noch an den*die Ex zu denken, ist im Grunde nicht außergewöhnlich. „Dass man an einen Ex-Partner denkt, ist vollkommen normal, wenn es gelegentliche Gedanken sind oder welche, die nicht mit Schmerz oder Sehnsucht verbunden sind. Immerhin war das mal ein wichtiger Mensch im eigenen Leben und dafür gab es sicher gute Gründe“, erklärt die Beziehungsexpertin und Buchautorin Elena Sohn.

Also kein Grund zur Panik. Nur, weil die Erinnerung dich ab und zu einholt, heißt das nicht zwangsläufig, dass du dich nach der vergangenen Beziehung zurücksehnst und dich noch immer glühend nach deinem*deiner Verflossenen verzehrst. Allerdings lohnt es sich durchaus, genauer hinzuschauen, in welchem Zusammenhang du dich an den*die Ex erinnerst.

Mangel an Alternativen

Da gibt es zum Beispiel harmlose Auslöser, die mit konkreten Erlebnissen verknüpft sind; also alles, was im weitesten Sinne in die Kategorie „Schatz, sie spielen unser Lied“ fällt: Eine bestimmte Straßenecke, ein gemeinsames Lieblingsessen, der Ort des ersten Liebesurlaubs, der Vorname der Schwiegermutter. Die Erinnerungen daran werden oft begleitet von nostalgischen Gefühlen – guten oder schlechten – die nach kurzer Zeit wieder verfliegen.

Es kann aber auch am Mangel an echten Alternativen liegen. Wenn deine letzte intensive Beziehung schon länger her ist und du seitdem niemanden wahrhaft spannend gefunden hast, kehrt dein Kopf im Romantikkontext automatisch zur letzten verfügbaren emotionalen Erfahrung zurück. Auch das ist ganz normal und nicht außergewöhnlich.

Ob das der Fall ist, lässt sich leicht überprüfen. Und zwar mit der Frage: Würdest du auch noch an ihn*sie denken, wenn du dich für jemand Neues interessieren würdest? „Lautet die Antwort ja, dann geht es meist mehr um die Sehnsucht nach einer Partnerschaft im Allgemeinen als um die konkrete Person“, sagt die Beziehungsexpertin.

Bloß ein Song oder Sehnsucht?

Allerdings gibt es da auch noch die nicht verarbeitete Trennung. „Natürlich ist es etwas anderes, ob man ab und zu mal an denjenigen denkt, weil zum Beispiel ein Song daran erinnert, oder ob man regelmäßig und eher sehnsüchtig an diese Person zurückdenkt“, sagt auch Elena Sohn.

Wichtig ist also die aufrichtige Frage danach, woher die Gedanken an den*die Ex wirklich kommen. „Hier gilt es, ehrlich zu sein – dem anderen gegenüber, aber auch sich selbst“, sagt die Expertin. „Denn wenn die Gefühle für den Ex noch groß sind, ist es sinnvoll, entweder um ihn oder sie zu kämpfen oder die Gründe für das Scheitern der Beziehung noch einmal in Ruhe aufzuarbeiten, um sie dann endgültig akzeptieren und loslassen zu können.“

Vorsicht vor dem Früher

Zum Problem kann das mit der Erinnerung an den*die Ex aber auch dann werden, wenn die Vergangenheit dem Glück der Gegenwart im Weg steht. „Zum Beispiel, wenn man single ist und die ständigen Gedanken an den Ex einen davon abhalten, sich etwas Neuem zu öffnen“, sagt Elena Sohn.

Auch Menschen in einer Beziehung denken noch manchmal an den*die Ex und auch das ist total normal und okay. Es sei denn, sie stellen dabei Vergleiche an und wünschen sich insgeheim zurück. Elena Sohn: „Dann kann es sein, dass man nur beim neuen Partner bleibt, weil man sich beim Ex keine Chancen mehr ausrechnet. Und das ist unfair.“ Denn niemand hat es verdient, nur eine ablenkende, herzschmerzlindernde Rebound-Romanze zweiter Wahl zu sein.

Manche Menschen vergisst du nie

Außerdem, das muss an dieser Stelle mal klar gesagt werden, gibt es im Leben eben Menschen, die du nicht vergessen kannst. Weil die Gefühle so intensiv waren, weil zum Zeitpunkt der Beziehung einschneidende Dinge in deinem Leben passiert sind oder einfach, weil ihr so viel Zeit miteinander verbracht habt. Elena Sohn: „Wenn jemand beispielsweise 20 Jahre mit jemandem liiert war, ist dieser Mensch nun mal ein großer Bestandteil der Biografie.“

Das heißt aber noch lange nicht, dass diese Person auch einen Platz in deinem echten, aktuellen Leben verdient hat. Manche Leute sind hinten links im Herzen und in der Erinnerung sehr gut aufbewahrt.

Und auch die Menschen, die dir das Herz aus der Brust gerissen, es zerfetzt, aufgefressen, ausgekotzt und anschließend angezündet haben, bleiben ungünstigerweise besonders lange im Gedächtnis. „Oft ist es so, dass besonders schwierige, schmerzhafte Beziehungen uns länger beschäftigen als eine, die sehr entspannt war“, weiß die Expertin.

Es bedeutet nichts

Wenn also das nächste Mal beim Putzen oder Spazierengehen das Gesicht deines*deiner Ex in deinem Kopf auftaucht – durchatmen, locker bleiben. „An gute alte Freunde denkt man auch öfter mal und empfindet es als ganz normal“, sagt Beziehungsexpertin Elena Sohn.

Solange dir dabei nicht vor lauter Schluchzen der Schrubber aus der Hand fällt oder du wimmernd den nächsten Baum umarmst, bedeutet die Erinnerung an den*die Ex nichts. Außer, dass du mal eine innige Verbindung mit einem anderen Menschen hattest und diese Erfahrung nun mal Teil deiner Lebensgeschichte ist. Und das ist – Herzschmerz hin oder her – im Grunde eine gute Sache.

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