Durch HBO-Serie „Chernobyl“: Touris strömen für Selfies in Sperrzone

Offenbar aufgrund des Erfolgs der Serie Chernobyl reisen mehr Besucher*innen in die Nordukraine. Manche kommen aber nicht, um sich über die Nuklearkatastrophe zu informieren, sondern für hübsche Bilder.

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Ein Tourist macht in Pripyat ein Foto. Foto: GENYA SAVILOV/AFP/Getty Images

Kurz nach dem Ende von Game of Thrones hat der US-Sender HBO den nächsten Serienhit geliefert. Chernobyl erzählt von den Folgen der Nuklearkatastrophe im Frühling 1986 in der Ukraine. Zurzeit ist die HBO-Produktion die am besten von Nutzer*innen bewertete Serie der Filmdatenbank IMDb – und sorgt offenbar dafür, dass immer mehr Menschen die Sperrzone in Tschernobyl besuchen. Laut Guardian wurden im Vergleich zum Vorjahr 40 Prozent mehr Besucher*innenführungen gebucht, bei denen man den Ort der Katastrophe besichtigen kann.

Alles für die Likes

Doch die Tourist*innen bereiten sowohl Einheimischen als auch den Produzent*innen der HBO-Serie Sorgen. Denn vielen Besucher*innen reicht es nicht aus, mehr über die Geschichte Tschernobyls zu lernen und die Atmosphäre der Sperrzone zu erleben. Stattdessen posten sie Fotos auf Instagram, auf denen sie cool an ausgebrannten Autowracks lehnen, lasziv vor dem Riesenrad der Stadt Prypjat posieren oder in der Gruppe vor dem Ortseingangsschild stehen. Einige der Bilder, die online in die Kritik gerieten, wurden inzwischen von den Nutzer*innen entfernt.

Auch an den Macher*innen der Serie gingen diese Bilder nicht vorbei. Craig Mazin, Drehbuchautor von Chernobyl, schrieb auf Twitter, er habe die Posts auf Instagram zur Kenntnis genommen. Die Tatsache, dass die Serie den Tourismus in der Sperrzone belebt hätte, nannte er „wundervoll“. Doch er ermahnte die Besucher*innen, nicht zu vergessen, dass sie den Schauplatz einer schreckliche Tragödie besuchten und bat sie, sich respektvoll zu verhalten.

Chernobyl wird übrigens nicht in der Ukraine gedreht. Die meisten Szenen entstehen in einem Vorort von Vilnius in Litauen.

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