Ebow, Fatoni und Moop Mama: So klingt der Sommer in München

Musikalisch hat München wenig zu bieten? Von wegen. Wir haben die spannendste Musik aus oder über München in eine Playlist gepackt.

Wir haben euch eine Playlist mit der besten Musik aus oder über München erstellt.

Wir haben euch eine Playlist mit der besten Musik aus oder über München erstellt. Foto: Kinga Cichewicz / Unsplash | CC0

Aus München kommen nur schwer erträgliche Dinge, wie Weißwürste, Tracht und Markus Söder? Quatsch. Aus der bayerischen Landeshauptstadt kommt zum Beispiel auch sehr gute Musik – gemacht von Künstler*innen, die aus der Stadt stammen, dort eine gewisse Zeit gelebt haben oder zumindest mal da waren und der Stadt ein Lied gewidmet haben. Wir haben euch die Créme de la créme in einer Playlist zusammengefasst.

Mit dabei sind bundesweite Bekanntheiten wie Moop Mama, Jesper Munk oder Fatoni, aber auch unbekanntere Bands und Künstler*innen wie PAUL, Endlich Rudern, Roger Rekless, Die Sauna, Umme Block, Liann, BETA, Hadern im Sternenhagel oder Lakedaimon.

Fatoni: Meister des Raps mit Hirn

Okay, zugegeben, in Sachen Electro Ghetto Rap hat München wenig zu bieten. Dafür kommt aus der Stadt einer der Meister des Raps mit Hirn: Fatoni. Erst im Juni erschien sein neuestes Album Andorra. Darauf: Lieder mit klugen, gesellschaftskritischen Texten. In Nein Nein Nein Nein Nein Nein erzählt er von seiner Jugend, von Bongrauchen, Che Guevara, Systemkritik und die Leichtigkeit simpler Weltbilder. Und er erzählt davon, dass Älterwerden bedeutet, zu begreifen, dass die Welt deutlich komplizierter ist, als man sie sich mit 17 vorgestellt hat: „Ich würde lieber glauben, alles wird von denen kontrolliert, als zugeben zu müssen, nicht genau zu wissen, wie unser Wirtschaftssystem funktioniert.“

Ebow: Gegen Rassismus, für offene Grenzen

Die 29-Jährige Rapperin ist in München geboren, wohnt mittlerweile allerdings in Wien. Sie ist eine der politischsten Stimmen des deutschen Raps. In ihren Texten bekämpft sie immer wieder Rassismus, Homophobie, Sexismus, antimuslimische Hetze oder kulturelle Aneignung. Über ihre Kindheit in München sagt sie in einem Interview mit Vice: „Einerseits habe ich sehr schöne Erinnerungen, da München eine tolle Stadt ist. Andererseits musste ich viele rassistische Erfahrungen machen. München ist eine sehr weiße Stadt. Ich hatte stark mit rassistischen Lehrern zu kämpfen.“

Drunken Masters: Könige des Abriss

Johannes Gehring und Christopher Rabai fungieren quasi als offizielle Partyaußenminister Münchens. Okay, also eigentlich stammen die beiden DJs aus Kempten im Allgäu und nicht aus München, aber da leben sie mittlerweile und für die meisten Nicht-Bayer*innen ist alles südlich von Leipzig eh München. Das Produzentenduo ist bekannt dafür, live für wilde Moshpits mit ausgeprägtem Ellenbogen- und Sprungbeineinsatz zu sorgen. Momentan touren sie mit dem Rapper FELLY durch die Republik – ebenfalls aus München, ebenfalls auf der Playlist. Wer Bock auf extremes Schwitzen hat, sollte dringend bei einem Gig vorbei schauen.

Die Goldenen Zitronen: Der Anti-München-Sound

1996 veröffentlichte die Hamburger Band Die Goldenen Zitronen ihren Song Munich, der mit beißendem Sarkasmus über die Landeshauptstadt berichtet. Inhaltlich wird ein weiter Bogen von der Münchner Räterepublik über mangelnde protestantische Vernunft bis hin zu Uschi Glas gespannt – für was München eben so bundesweit bekannt ist. Das Lied ist eher nichts für bedingungslose Lokalpatriot*innen, dafür eine Hymne für alle, die München auf eine kritische Art und Weise lieben.

Mola: Popmusik mit Mittelfingerattitude

Frontsängerin Isabella singt mit nach Zigaretten klingender Stimme über klassische Popmusikinhalte: Herzschmerz, Saufen, Feiern, sich ins Nirvana schießen. Mola macht dennoch keinen Zuckerwattepop, sondern Musik, die nach ausgestrecktem Mittelfinger und drängendem Existenzialismus klingt. Produziert wird das Ganze von Markus Harbauer, der auch Teil des gitarrenlastigen Rapensembles BETA und Bassist der Indieband Exclusive ist – die beide ebenfalls nicht auf einer vernünftigen München-Playlist fehlen dürfen.

Moop Mama: Urban Brass

Die Brassband Moop Mama gehört neben Blumentopf wohl zu den bekanntesten Münchner Bands. Mit dem Song Stadt die immer schläft haben sie der Landeshauptstadt eine Hymne geschrieben, die vermutlich jede*r nachvollziehen kann, die*der ein kompliziertes Beziehungsverhältnis zu München hat – der Hauptstadt „der begrenzten Unmöglichkeiten“.

KYTES: Feinster Münchner Indiepop

Nun kommen wir zu wirklichen Lokalmatadoren: den KYTES. Die Indieband existiert schon gefühlt ewig, früher spielten sie unter dem Namen Blind Freddy zusammen. Münchens Indieszene ist nicht besonders groß, man trifft sich immer in denselben Clubs wieder – und jede*r saß schonmal rauchend auf dem Bordstein vor dem Atomic Café (RIP) oder dem Cord Club neben einem der Jungs und hat einen Sticker in die Hand gedrückt bekommen.

Fiva: Nostalgische Lyrik

Die wunderbare Fiva ist nicht nur Rapperin sondern auch Moderatorin und Autorin. Ihr Song Einen Sommer lang nur tanzen malt ein Lebensgefühl, das vermutlich viele Münchner*innen ihrer Generation nachempfinden können. Er erinnert sich wehmütig an die Zeiten, in denen man mit der Clique den ganzen Sommer lang im Freibad oder dem Stammpark abhing, statt am Bürotisch zu sitzen und bauzusparen. Der Song löst Sehnsucht nach dem hedonistischen Münchner Sommergefühl aus: lauwarmes Dosenbier und Nächte durchtanzen, Radfahren und Pommes aus zu altem Frittierfett.

King of Cons: Die Tausendsassa

Auch Franko van Lankeren und Lennart Stolpmann, die zusammen das Duo King of Cons X Lil’L bilden, sind bekannte Gesichter der Münchner Musikszene. Sie spielten bereits in der Band Talking Pets zusammen, in eines ihrer Mitglieder jedes Münchner Indiemädchen mindestens einmal verknallt war, die sich aber mittlerweile aufgelöst haben. Stolpmann war außerdem Drummer in der Formation Swallow Tailed, verantwortlich für den schlimmen Ohrwurm Oak, und trommelt regelmäßig bei den Fancy-Footwork-Partys im Milla. Ihre Musik bezeichnen die beiden als Munich Soul – gezimmert wird das Ganze aus Drum-Pad-Beats, E-Gitarren-Gezupfe, atmosphärische Synthieflächen und einem Hauch Singer-Songwriter-Feels.

Ami Warning: Musik zum Träumen

Ami Warning singt auf deutsch und englisch, in ihrer Musik verbinden sich Soul-, Raggae- und Folkelemente. Ami ist übrigens die Tochter von Willy Warning: ein Urgestein der Münchner Raggae-Szene.

Frittenbude: Antideutscher Elektropunk

Die Frittenbude-Mitglieder sind inzwischen von München nach Berlin gezogen. Die Band beweist, dass linke und antideutsche Texte auch bayerische Wurzeln haben können. Ihr neuestes Album heißt Rote Sonne – wie der legendäre Münchner Elektroclub, in dem die Band auch ihre Releaseparty feierte. Aus diesem Grund verdient Frittenbude einen Platz in der München Playlist.

Schlachthofbronx: Bass für die Welt

Das DJ-Duo gründete sich 2008 im Münchner Schlachthofviertel – daher auch der Name. Ihr Genre nennen sie Munich Bass: eine Mischung aus Weltmusik und elektronischen Klängen. Ab und an findet man aber auch Dancehall-Elemente, Dub, Hiphop, Raggae oder gar bayerische Volksmusik.

Blumentopf: Kiffen im Park

Blumentopf ist der Klassiker unter den Münchner Musikschaffenden und Vorzeigebeispiel, wenn es um den angeblich verweichtlichten Feel-Good-Hiphop aus Süddeutschland geht. Aber mal ehrlich: Wer seine Jugend in München verbracht hat und nicht mindestens einmal kiffend im Park oder auf dem Sofa Blumentopf gehört hat, lügt doch.

Noch mehr Musik aus München oder von Münchner*innen findet ihr in unserer München Playlist auf Spotify.

Du hast ein Lied, das unbedingt auf diese Playlist muss? Dann schick mir gerne eine E-Mail.

(P.S.: Ohne Dich von Münchner Freiheit wird es niemals auf diese Playlist schaffen.)

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