Edeka testet eine neue Strategie, um Plastikmüll zu reduzieren – und die Idee ist super

Die Supermarktkette testet an Wurst- und Käsetheken den Verkauf von Waren in Mehrwegdosen. Hoffentlich ziehen noch mehr Märkte nach. Ein Kommentar

Edeka testet an Wurst- und Käsetheken den Verkauf von Waren in Mehrweg-Dosen.

Edeka testet an Wurst- und Käsetheken den Verkauf von Waren in Mehrwegdosen. Foto: Armin Weigel/dpa

Eine der obersten Regeln für alle, die Müll vermeiden wollen, lautet: Bring dein eigenes Behältnis mit, wenn du einkaufen gehst. Klar, eine Stofftasche hat jede*r von uns fix eingesteckt, kleine Obst- und Gemüsenetze ebenfalls, aber bei Brotdosen für Frischwaren wie Käse und Wurst stößt man schnell an Grenzen. Nicht nur, weil es erst einmal Überwindung kostet, überhaupt danach zu fragen, ob die Ware denn umgefüllt werden könnte. Das Problem liegt auch im System.

Viele Supermarktfilialen haben heutzutage gar keine dieser Frischetheken mehr, an denen nette Verkäufer*innen Wurstscheibchen an Kinder verteilen. Da hilft auch die beste Brotdose nichts. Problem zwei: Selbst wenn eine Fleisch- und Käsetheke vorhanden ist, wird dort nicht unbedingt das mitgebrachte Behältnis akzeptiert, aus hygienischen Gründen. Beides ist frustrierend.

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Dass das Verpackung sparen auf Wochenmärkten und in Unverpackt-Läden besser funktioniert, ist ja schön und gut. Aber damit die breite Masse auf Mehrweg-Behältnisse umsteigt (Hallo, Bequemlichkeit!), muss auch in den konventionellen Supermärkten etwas passieren – und offensichtlich verändert sich dort endlich etwas.

Mehrwegdosen statt Einwegverpackung

Wie Edeka jetzt mitgeteilt hat, testet der Konzern zusammen mit der Umweltschutzorganisation WWF in einem Pilotmarkt in Büsum, Schleswig-Holstein, dass Kund*innen an der Bedientheke mit einer Mehrwegdose einkaufen können. Bereits zuvor hatten verschiedene Märkte an einzelnen Lösungen zur Verpackungsvermeidung getüftelt, das aktuelle Konzept soll für den breiten Einsatz geeignet sein: Die Tupperdosen erhalten die Käufer*innen direkt beim Einkauf, bezahlen sie einmalig an der Kasse, bringen sie beim nächsten Mal wieder mit und schmeißen sie in eine Sammelbox. Die gesammelten Dosen werden im Markt gereinigt und können anschließend wieder verwendet werden. Kund*innen können aber auch weiterhin Einwegverpackungen wählen, wenn sie das möchten, wie unter anderem der rbb berichet.

Aus Nachhaltigkeitssicht bedeutet das Konzept schon mal einen großen Schritt nach vorne. Wenn man kritisch sein möchte, könnte man natürlich darauf verweisen, dass Dosen aus Glas oder Edelstahl noch umweltfreundlicher wären; dass – würde die Supermarktkette wirklich konsequent sein wollen – auch keine Einwegverpackungen mehr zur Verfügung stehen dürften; dass es noch wünschenswerter wäre, wenn die Dosen auch Supermarkt-übergreifend, also auch bei Filialen anderer Anbieter, genutzt und zurückgegeben werden könnten. So wie es etwa bei Recup, dem Mehrweg-Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher in Cafés möglich ist.

Und jetzt alle mitmachen!

Auf den ersten Blick überwiegen aber klar die Vorteile. Wenn sich das Modell bundesweit durchsetzt, sensibilisiert es zum einen noch mehr Verbraucher*innen für die Vermeidung von Plastikmüll und etabliert auch ein größeres Selbstverständnis dafür, dass es nicht immer das Einwegbehältnis sein muss. Zudem könnte es unser Kaufverhalten verändern, indem wir wieder mehr nach Bedarf, statt nach Angebot einkaufen. Denn wer direkt an der Frischetheke bestellt, kann genau angeben, wie viel Käse oder Wurst er*sie kaufen möchte. Davon abgesehen wird die Konkurrenz nicht lange schlafen. Bestenfalls ziehen auch Rewe und Co bald mit einem solchen Angebot nach.

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Es bleibt abzuwarten, wie viele Läden die Idee für ihren Standort übernehmen. Da die Edeka-Kaufleute selbständig sind, können sie selbst entscheiden, ob und wie sie Mehrweg-Boxen anbieten wollen, erklärte eine Sprecherin des Konzerns. Hoffentlich setzt sich das Modell durch – und dann bleiben ja immer noch genügend andere Baustellen, um die sich die Supermärkte in Sachen Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung dringend kümmern müssen. Aber das ist noch einmal ein Thema für sich.