Edeka-Werbespot zum Muttertag: „Auf so vielen Ebenen falsch“

Edeka hat mit einem Werbevideo die Wut vieler Menschen auf sich gezogen. Auch unsere Feminismus-Gruppe auf Facebook hat den Spot diskutiert.

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Der neue Edeka-Spot löste einen Shitstorm aus. Screenshot: Edeka / YouTube

Ein neues Werbevideo der Einzelhandelskette Edeka zum Muttertag empört derzeit die Internetuser*innen. Das etwa eine Minute lange Video zeigt verschiedene Alltagsszenen von Vätern und ihren Kindern. Ein junger Vater verzweifelt beim Füttern des Kleinkindes. Ein Vater platzt ins Zimmer, während sein Sohn masturbiert. Ein Vater scheitert daran, den Mixer oben zu verschließen, sodass Brei in alle Richtungen spritzt.

Auf die Bilder sprechen Kinderstimmen Danke-Sätze: „Du bist mein Vorbild und förderst mich, wo du nur kannst“, „Ich kann dir immer alles erzählen“, „Du hast ein Gefühl für den richtigen Moment“. Am Ende des in schwarz-weiß gehaltenen Spots ist eine Familie auf dem Sofa zu sehen, das Mädchen lehnt sich zu ihrer Mutter – und es wird aufgelöst, dass die Lobeshymnen nicht an die offensichtlich unfähigen Väter, sondern an die Mütter gerichtet sind. „Danke Mama, dass du nicht Papa bist“ steht auf dem letzten Bild.

Auf YouTube beschweren sich Nutzer*innen, das Video, das die Werbeagentur Jung von Matt konzipiert und produziert hat, sei beleidigend gegenüber Vätern. Auf Twitter brach ebenfalls ein Shitstorm los, die Diskussion trendete in Deutschland. Auch in unserer Feminismus-Gruppe auf Facebook äußerten sich einige unserer User*innen über das kalkuliert Väter veräppelnde Video. Wir haben ein Auswahl von Statements unserer Leser*innen gesammelt.

„Irritierend dabei ist, wem der Spot dann überhaupt gefallen soll“

„Ich finde ihn auf unterschiedlichen Ebenen deplatziert. Das Väterbild ist nicht humorvoll, sondern grauslich abwertend. Es gibt einzelne Szenen (zum Beispiel die Masturbation), wo ich mich bei aller Prüderiebefreitheit frage, was das soll, manche Szenen sind auch schmerzlich (Haare bürsten) und zu allerletzt mündet es in einem wiedermal überhöhten Mütterbild. Und das so auf Kosten von Vätern, dass ich mich wirklich frage, was das soll. Es gibt schon ironische zwinkernde Werbemöglichkeiten zu dem Thema. Aber hier ging er in die Hose der armen, als gefühllose, trottelige, grobe, unfähige Kasper dargestellten Väter. Dass sowas natürlich dann auch Menschen in die Kommentarspalten lockt, die auf Gelegenheiten warten, die Unterdrückung und Abwertung ‚des Mannes‘ zu beweisen, ist dann natürlich auch klar. Irritierend dabei ist, wem der Spot dann überhaupt gefallen soll. Da muss ich fast kichern, dass so konträre Seiten zum selben Schluss kommen.“

Maja

„Letztendlich ist es Lampshading“

„Ich habe sehr, sehr, sehr gemischte Gefühle zu diesem Spot. Einerseits wird am Ende Müttern gedankt, das finde ich per se erst einmal nicht kritisch. Muttertag finde ich per se eher positiv, wenn man den kapitalistischen Hintergedanken außen vor lässt. Und ich finde die Kritik, dass ein veraltetes Väterbild propagiert wird, schon irgendwo richtig. Es soll zwar humorvoll sein, aber letztendlich ist es Lampshading; sprich man bedient sich veralteten Klischees, überspitzt sie, sodass man so tut, als würde man sich über die Klischees lustig machen – aber letztendlich verbreitet man doch bloß nur die Klischees. Was mir wiederum total missfällt, sind die Reaktionen beziehungsweise der Shitstorm. Letztendlich stellen sich hier – oh, Überraschung – mal wieder Männer als Opfer dar. Die Kritik, die formuliert wird, ist null konstruktiv, nur destruktiv. Ich finde, der Spot hat Kritik verdient, aber das ist keine Kritik mehr.“

Frédéric

„Als Papa macht mich das Video sehr traurig“

„Es ist unnötig, hier darüber zu fachsimpeln, ob es sexistisch gegenüber Männern ist – wenn’s das nicht ist, weil es das nicht gibt, dann ist’s eben sexistisch gegenüber Frauen, weil die ja hier ebenfalls in eine Schublade gesteckt werden – nämlich in die der Kindererzieherin, deren Kernkompetenz wohl hier liegt. Ist also völlig egal, ob es Sexismus gegenüber Männern gibt – sexistisch gegenüber irgendwem ist es. Als Papa macht mich das Video sehr traurig. Tatsächlich werden hier nämlich gerade nicht die stereotypen Mit-Kumpels-Bier-trinken-und-Fußball-gucken-Väter gezeigt, sondern welche, die sich echt Mühe geben, für ihr Kind da zu sein und tolle Sachen zu unternehmen. Klar geht dabei auch mal was schief, aber dass ein Kind sich dann bedankt, dass die andere Bezugsperson nicht so ist, ist eigentlich ein Schlag ins Gesicht für Väter, die aus ihrer Rolle ausbrechen wollen und das Kind zusammen mit dem Partner auf Augenhöhe großziehen möchte. Voll daneben.“

Michael

„Auf vielen Ebenen falsch“

„Ich finde den Werbespot einfach unangebracht. Man nehme den Großteil der Väter, die sicherlich liebevoll sind. Dann gibt es noch Alleinerziehende, schwule Ehepartner mit Kind und und und. Es ist auf vielen Ebenen falsch und verwerflich und unterstellt nebenbei auch noch ganz patriarchal, dass nur Mütter gute Elternteile darstellen würden.“

Anonym

„Büägs“

„Ich finde diesen Spot auf so vielen Ebenen so derart … büägs. Man stelle sich mal vor, es gäbe ein Vatertags-Video, in dem man Mamas sähe, die Cellulite haben, oder die einen Stromausfall auslösen beim Wechseln einer Lampe oder die zehn Minuten brauchen zum Einparken, während das Kind auf dem Rücksitz weint. Undenkbar. […] Auch dass man, um die Mutter zu ehren, den Vater herabwürdigen muss, finde ich daneben. Beziehungsweise wären sie überflüssig, wenn die gezeigten Väter ‚halbwegs akzeptabel‘ wären? Wieso dieses Gegeneinanderausspielen? Davon mal abgesehen, dass Väter hier als trottelige, unschöne Taugenichtse dargestellt werden, werden Frauen wieder als unfehlbar, wunderschön und perfekt dargestellt, denn sie haben gefälligst so zu sein und erst das macht sie zu einer so tollen ehrbaren Mutter? Ich sag ja … büägs! Und dieser Deckmantel der absichtlich überspitzten Darstellung ist mir ebenfalls zuwider und ich hätte gern endlich mal ein doofes Totschlagargument gegen diese ‚Geht doch zum Lachen in den Keller‘-Kommentare.“

Bianca

„Reproduktion alter Rollenverteilung“

„Erst einmal: langweilige Inszenierung einer 0815 Familie. Vater – Mutter – Kind. Dann klischeehafte, überzeichnete Darstellung des ‚überforderten Papas‘, der eben nicht kann, was Mama kann: beim Anziehen helfen, Haare machen, Haushalt etc. Was natürlich auch bedeutet: Reproduktion alter Rollenverteilungen. Außerdem braucht man Väter nicht schlecht zu machen, wenn man Müttern danken will. Ich glaube aber, mich stören die übertriebenen Reaktionen von einigen Männern (und wenigen Frauen) noch mehr. ‚Mimimi, das ist Sexismus, ich bin ein toller Papa, Mimimi‘ – Könnte kotzen davon. Ich möchte bitte eine Welt ohne weinerliche privilegierter Arschlöcher, die nicht sofort rumheulen, wenn man ihnen nicht den Hintern pudert, aber bei echter Ungerechtigkeit wegschauen.“

Denise