Edward Snowden hat eine vernichtende Nachricht für alle Facebook-Nutzer*innen

Der Fall Cambridge Analytica wirft viele Fragen darüber auf, wie Facebook mit den Daten von Nutzer*innen umgeht. Edward Snowden bezeichnet Facebook als Überwachungsunternehmen. Was ist passiert? 

Edward Snowden bezeichnet Facebook als Überwachungsunternehmen. Cambridge Analytics

Edward Snowden bezeichnet Facebook als „Überwachungsunternehmen". Friso Gentsch/dpa

Der US-amerikanische Whistleblower Edward Snowden findet klare Worte dafür, wie Facebook mit den Daten seiner Nutzer*innen umgeht. In einem Tweet bezeichnet Snowden Firmen wie Facebook als „surveillance companies“, Überwachungsunternehmen.

Sie würden ihr Geld damit verdienen, die Daten ihrer Nutzer*innen zu sammeln, zu speichern und weiterzuverkaufen. Dass sich Facebook stattdessen als soziales Netzwerk bezeichnet, bewertet Snowden als die erfolgreichste Markenstrategie, seitdem sich das Kriegs- in Verteidigungsministerium umbenannt habe.

Warum greift Snowden Facebook ausgerechnet jetzt an?

Der Tweet des ehemaligen CIA-Mitarbeiters Snowden ist eine Reaktion auf neueste Erkenntnisse über Facebooks Umgang mit den Daten seiner Nutzer*innen. Ausgangspunkt ist der Fall Cambridge Analytica, der bereits einige Zeit zurückliegt. Der Vorwurf: Daten von Facebook könnten dem Unternehmen geholfen haben, die US-Präsidentschaftswahl zugunsten von Trump beeinflusst zu haben. Neu ist, dass Facebook offenbar seit 2015 von einem möglichen Datenleck gewusst haben soll – und nicht entschlossen genug dagegen vorging.

Was genau ist passiert?

2014 beauftragte die Beratungsfirma Cambridge Analytica (CA) den Wissenschaftler Aleksandr Kogan damit, ein psychologisches Quiz zu konzipieren. Wer das Quiz in Form einer App herunterlud, gab nicht nur die Informationen, die in den Antworten enthalten waren, über sich preis. Die App namens this is your digital life zog sich automatisch auch die Daten der jeweiligen Facebookprofile der Nutzer*innen sowie die Daten aller Faceboook-Freund*innen.

Dieser Vorgang war damals legal. Nicht legal war allerdings, dass die Daten der Nutzer*innen nicht bei Kogan blieben, sondern er sie an Cambridge Analytica weitergab – ohne dass die Nutzer*innen eingewilligt hatten. Insgesamt wurden auf diese Weise die Daten von 50 Millionen US-Amerikaner*innen unerlaubt weitergegeben.

Wie ist das aufgeflogen?

Der Programmierer Christopher Wylie ist einer der Mitbegründer von Cambridge Analytica. Jetzt wendet er sich öffentlich gegen sein eigenes Unternehmen. Er sagt, dass Facebook bereits seit 2015 davon gewusst habe, dass die Daten von Nutzer*innen über Kogan bei Cambridge Analytica landeten.

Im Interview mit The Guardian sagte er, er habe ein schlechtes Gewissen bekommen und wolle jetzt dazu beitragen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Wylie behauptet außerdem, dass Donald Trumps ehemaliger Chefstratege, Steve Bannon, der Auftraggeber für Cambridge Analytica gewesen sei.

Wie reagiert Facebook?

In einer Pressemitteilung, die das Unternehmen am 16. März 2018 veröffentlichte, heißt es: „Als wir 2015 davon erfuhren, dass die Daten von Kogan an eine dritte Partei weitergegeben wurden, haben wir die App von Facebook gelöscht und baten Kogan sowie die anderen involvierten Parteien, uns zu bestätigen, dass sie die Datensätze vernichtet haben. Cambridge Analytica, Kogan und Wylie bestätigten uns, dass sie die Daten vernichtet hätten.“

Dieser Aussage kann man entnehmen, dass sich Facebook auf die Information der Beteiligten verließ und dem Fall nicht selbst nachging. Weiter heißt es in der Mitteilung, dass Facebook erst vor wenigen Tagen erfahren habe, dass die Daten möglicherweise doch nicht vernichtet worden seien. Das Unternehmen werde diesen Behauptungen jetzt nachgehen.

Warum erregt der Fall so viel Aufsehen?

Erstens, weil bisher kein Fall bekannt ist, bei dem so viele Daten von Nutzer*innen illegal weitergegeben wurden. Zweitens, weil der Fall zeigt, dass private Unternehmen versuchen, Einfluss auf politische Systeme zu nehmen. Und drittens, weil Facebook nicht transparent mit dem Datenleck umging.