Ein Hotelchef verweigert sich einer Influencerin, die daraufhin die Welt nicht mehr versteht

Eine YouTuberin will in einem Hotel unterkommen – bezahlen möchte sie lediglich mit ihrer Reichweite. Mit der Reaktion des Hotelbesitzers hatte sie offenbar nicht gerechnet. 

Links die Anfrage, rechts die YouTuberin Elle Darby.

Links die Anfrage, rechts die YouTuberin Elle Darby. Screenshots: YouTube und Facebook Collage: zett

Bald ist Valentinstag. Und was gibt es Romantischeres als einen Kurztrip mit dem*der Partner*in? Das dachte sich anscheinend auch die YouTuberin Elle Darby. Nach Dublin sollte es gehen. Also schrieb die 22-jährige Frau, die sich laut ihres Instagram-Accounts auf „Beauty, lifestyle & fitness“ spezialisiert, verschiedene Hotels in der Hauptstadt Irlands an, unter anderem Paul Stenson vom The White Moose Café und dem Charleville Lodge Hotel. Der veröffentlichte Darbys Anfrage kurzerhand auf der Facebook-Seite des Cafés, schwärzte dabei jedoch den Namen und den YouTube-Link.

In der Anfrage heißt es: „Mein Partner und ich planen für ein vorgezogenes Valentinswochenende vom 8. bis 12.Februar nach Dublin zu kommen, um die Gegend zu entdecken. Bei meiner Suche nach Unterkünften bin ich auf dein tolles Hotel gestoßen und würde es liebend gern in meinen YouTube-Videos / Instagram Stories / Postings erwähnen, um Traffic für dich zu generieren und anderen zu empfehlen, dort zu buchen – im Gegenzug für eine kostenlose Unterkunft.“ Vergangenes Jahr habe sie das schon für Universal Orlando in Florida gemacht und für die sei es grandios gelaufen, erklärt sie.

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Diese Anfrage wollte Hotelbesitzer Paul offenbar nicht auf sich sitzen lassen. Auf dem veröffentlichten Screenshot der Mail zusammen mit einem Kommentar, bedankt er sich zunächst für die Mail. Dann schreibt er jedoch, dass es schon eine Menge Mumm brauche, um solche Mails überhaupt zu versenden. Er fragt: „Wenn ich dich umsonst unterkommen lasse, um in deinem Video erwähnt zu werden, wer bezahlt dann die Angestellten, die dir hinterher räumen? […] Vielleicht sollte ich meinen Angestellten erklären, dass sie in deinem Video vorkommen werden, anstatt eine Bezahlung für die Arbeit zu erhalten, die sie während deines Aufenthalts leisten?“

Stenson hat auch noch einen Rat für die Influencerin: „Für die Zukunft rate ich dir, Bezahlung anzubieten, so wie es alle tun. Und wenn das angefragte Hotel glaubt, dass deine Berichterstattung für sie von Nutzen sein könnte, werden sie dir als Ausgleich vielleicht ein Zimmer-Upgrade geben. Das würde für dich mehr Selbstachtung bedeuten und, sagen wir es wie es ist, es wäre weniger peinlich für dich.“

Dear Social Influencer (I know your name but apparently it’s not important to use names),Thank you for your email…

Posted by The White Moose Café on Dienstag, 16. Januar 2018

Die YouTuberin äußert daraufhin 17 Minuten lang Unmut über ihre Situation

Auch wenn Paul in dem Posting keinen Namen nannte und versuchte, die Mail an den entsprechenden Stelle zu schwärzen, fand die Netzgemeinde schnell die Absenderin heraus und sorgte für einen Shitstorm. Das lässt zumindest ein YouTube-Video mit dem Titel Ich wurde bloßgestellt (SO peinlich), das Elle Darby auf ihrem Kanal veröffentlichte, vermuten: Darin lässt sie über 17 Minuten lang ihren Frust und ihr Unverständnis für die Reaktionen heraus. Zunächst erklärt sie, wie sehr sie ihren Job als Social-Media-Influencerin liebe und kommt dann auf den erwähnten Fall zu sprechen. Sie sieht nicht ein, irgendwas falsch gemacht zu haben, denn so läuft das in ihrer Welt nun mal: Man schreibt Hotels an, bietet Reichweite für gratis Übernachtungen und gut ist.

Darby ist offenbar der festen Überzeugung, dass das eine großartige Werbemöglichkeit für die Hotels und Unternehmen sei. Sie betont mehrfach, dass sie „nichts außer die ehrlichsten Absichten“ bei ihrer Anfrage hatte. Dem Hotelchef wirft sie dabei bösartiges Verhalten vor und erklärt, wie ihr andere Blogger*innen den Rücken stärkten.

[Außerdem bei ze.tt: Wie Werbung die Bloggerszene zerstört]

Und so nahm der sogenannte #bloggergate seinen Lauf: Stenson postete auch den Screenshot einer anderen Bloggerin auf Facebook, in dem diese vorschlägt: „Ich würde sagen, dass alle Blogger sich zusammentun und jeder von uns das @whitemoosecafé mit Anfragen zur Unterbringung in ihrem verkackten, kleinen Hotel bombardiert.“ In einem weiteren Posting bedankt Paul sich bei den Blogger*innen. Dass er das nicht ganz ernst meint, wird schnell klar: „Ich nehme zum Anlass, dass ich heute eine von euch ganz klar verletzt und erschreckt habe – mit dem Fakt, dass sie wie alle anderen auch für etwas bezahlen muss –, ein Statement abzugeben: […] Es tut mir leid, dass ich so lange nicht an euch gedacht habe. Es ist viel lukrativer euch als Gruppe anzupissen als alle Veganer und Gluten-Intoleranten zusammen.“

Er spielt hier offensichtlich auf den Medienrummel an, den ihm die Blogger*innenszene verschafft hat. Am nächsten Tag verkündet Paul dann, abermals auf der Facebookseite von The White Moose Café, dass er die komplette Blogger*innenszene aus seinem Hotel verbannt. Er erklärt, dass er niemals damit gerechnet hätte, dass er mit negativen Reviews überschwemmt werden würde – nur aus dem Grund, dass er einer Influencerin ihre Anfrage verweigerte. Außerdem kommentiert er auch das von Darby veröffentlichte Video: „Diese Art, sich als Opfer darzustellen, ist weit verbreitet in der Bloggerszene und passt gut zu ihrem Modus Operandi: alles für nichts zu wollen.“ Am selben Tag witzelt er und spielt mit dem Gedanken ein Buch mit dem Titel Wie man weltweite Aufmerksamkeit bekommt, ohne einen Cent dafür zu zahlen zu schreiben und ein ganzes Kapitel den Blogger*innen zu widmen.

**ALL BLOGGERS BANNED FROM OUR BUSINESS**Following the backlash received after asking an unidentified blogger to pay…

Posted by The White Moose Café on Mittwoch, 17. Januar 2018

#bloggergate

Viele Menschen sehen das offenbar ähnlich wie der Hotelbesitzer: Sie wurde unter anderem als Schmarotzerin bezeichnet, wie Darby berichtet. Beleidigungen und Hass im Netz sind erschreckend, keine Frage. Doch nicht weniger sprachlos macht viele die Attitüde der Influencerin und der gesamten Blogger*innenszene: nicht zu verstehen, dass manche Hotels, Marken und Co. Geld für ihre Leistung sehen wollen und keinen Wert auf Reichweite legen. Es bleibt zudem fraglich, wie viele von Darbys Follower*innen sich letztlich einen Aufenthalt in diesem Hotel gegönnt hätten, sprich die Aktion wirklich einen Nutzen für das Hotel gebracht hätte.

Die öffentliche Diskussion scheint die Menschen jedenfalls zu interessieren: Stensons erster Facebookpost mit dem Screenshot wurde bisher 1.340-mal geteilt und hat fast 11.000 Reaktionen erzielt. Und auch Elles Video liegt mit aktuell 256.000 Aufrufen deutlich über dem, was ihre anderen Videos bisher erreichten. Letztendlich vielleicht doch eine Win-win-Situation für beide?