„Eine Aufgabe für den Rest des Lebens“: So lernen Pädophile, mit ihrer Neigung umzugehen

Jonas ist pädophil, seit zwei Jahren ist er in Therapie. Wir haben mit ihm und seinem Therapeuten gesprochen.

Wir treffen Jonas und seinen Therapeuten Hannes Ulrich in Berlin. Jonas ist Patient beim Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ der Charité. Mit regelmäßigen Sitzungen sollen pädophile Menschen therapeutisch dabei begleitet werden, verantwortungsvoll mit ihrer Neigung umzugehen.

Das Projekt ist kostenlos und anonym. Damit Jonas auch in unserem Beitrag unerkannt bleibt, haben wir seinen Namen geändert und seine Stimme im Video nachgesprochen. Im Interview erzählt uns Jonas, wie es ist, mit Pädophilie zu leben und warum es wichtig ist, sich Hilfe zu suchen.

Das übergeordnete Ziel des Projekts der Charité ist es, zu verhindern, dass Menschen mit pädophiler Neigung Kinder und Jugendliche missbrauchen. Hannes Ulrich betont, dass mehr als die Hälfte der sexuellen Übergriffe an Kindern und Jugendlichen von nicht-pädophilen Menschen begangen würden. „Nicht jeder Pädophile missbraucht Kinder“, sagt Ulrich. „Und nicht jeder, der Kinder missbraucht, ist ein Pädophiler.“

Der Großteil der Menschen im Projekt würde kein Gefahrenpotenzial mitbringen. Für sie sei es zunächst wichtig, ihre Neigung zu akzeptieren und darüber zu sprechen.

Hilfe holen

Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ bietet deutschlandweit ein kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungs- und Vermittlungsangebot für Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und deshalb therapeutische Hilfe im Umgang mit ihrer sexuellen Präferenz suchen. Nähere Infos gibt es hier.

Auch für Jugendliche unter 18 gibt es Hilfsangebote, zum Beispiel hier: www.du-traeumst-von-ihnen.de.