Elf Millionen Menschen und niemand zu sehen: Wie Wuhan zur Geisterstadt wurde

Normalerweise herrscht auf den Straßen der chinesischen Millionenmetropole geschäftiges Treiben. Doch wegen des Coronavirus bleiben viele Einwohner*innen derzeit zu Hause.

Im Westen war der Name bis vor Kurzem noch weitgehend unbekannt: Wuhan – Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Hubei und mit elf Millionen Einwohner*innen mehr als drei Mal so groß wie Berlin. Normalerweise ist in der Metropole viel los, doch derzeit sind die Straßen wie leergefegt. Der Grund: der Ausbruch des Coronavirus.

Bereits am Donnerstag vergangener Woche riegelten die chinesischen Behörden die Millionenstadt ab. Sämtliche Flüge, Züge, Busse und Fähren wurden gestoppt, die Bewohner*innen angehalten, die Stadt nicht mehr zu verlassen. Wuhan gilt als Ausgangspunkt der Lungenkrankheit, an der in China bereits mehr als 100 Menschen gestorben sind und mit der sich weitere 5.951 infizierten (Stand: 29.01.2020).

Städte unter Quarantäne

Aufnahmen der Nachrichtenagentur AFP zeigen nun die menschenleeren Straßen Wuhans. Aus Sorge, sich anzustecken, bleiben viele Bürger*innen der Stadt in ihren Wohnungen. Nur vereinzelt sieht man Menschen mit Mundschutz und Schutzanzügen. Am Dienstag lieferten Frachtflugzeuge insgesamt 60 Tonnen medizinischer Hilfsgüter wie Gesichtsmasken, Latexhandschuhe, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel in die abgeschottete Stadt. Medienberichten zufolge sei die Situation zwar angespannt, es herrsche aber keine Panik.

 


Wuhan ist nicht die einzige Stadt unter Quarantäne. In der Provinz Hubei wurden mehr als 50 Millionen Menschen in mehreren Städten weitgehend von der Außenwelt abgeschottet.

Erste Ansteckungsfälle in Deutschland

Neben Wuhan, Huanggang und Ezhou verbreitete sich das Coronavirus auch nach Peking, Shanghai sowie in der Provinz Guangdong. Außerdem wurden Fälle in Japan, Taiwan, Südkorea, den USA, Frankreich und mittlerweile auch in Bayern verzeichnet. „Wir nehmen die Lage sehr ernst, aber wir sind auch gut vorbereitet“, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) auf einer Pressekonferenz am Dienstagmorgen.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rät in einem Gespräch mit dem ZDF-Morgenmagazin weiter zur „wachsamen Gelassenheit“. Trotz mittlerweile drei weiterer bestätigter Ansteckungsfälle in Bayern und einem ersten Verdacht auf Ansteckung in Nordrhein-Westfalen seien die Krankheitsverläufe der bekannten deutschen Fälle „sehr milde“, und die deutschen Behörden seien sehr gut vorbereitet. Die vier Erkrankten wurden in der Klinik München-Schwabing stationär aufgenommen und dort medizinisch überwacht und isoliert, wie das Ministerium mitteilte. Den Patient*innen selbst gehe es laut Andreas Zapf, Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelforschung „recht gut“.

Die Bundesregierung warnt derweil auf der Seite des Auswärtigen Amts vor Reisen in die Provinz Hubei, aber auch nicht notwendige Reisen in andere Landesteile sollten verschoben werden. Etwa hundert Deutsche wollen nach Angaben Spahns aus Wuhan ausgeflogen werden. Die Bundesregierung prüfe derzeit noch, ob und wie nicht erkrankte deutsche Staatsangehörige aus der betroffenen Millionenmetropole zurückgeholt werden können.

Das Virus mit der Bezeichnung 2019-nCoV gehört zur Familie der Coronaviridae, zu der auch die 2002 bis 2003 grassierende Infektion SARS zählt. Es soll aber weitaus weniger gefährlich sein, so der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité. Symptome des Coronavirus sind Atemschwierigkeiten und Fieber. Außerdem kann das Virus Lungenentzündungen auslösen.

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