Endlich Freizeit: Was Österreichs entlassene Minister*innen jetzt treiben

Während die einen Berge besteigen, Pferde reiten und in Lederhose grillen, müssen die anderen wieder in den Wahlkampf ziehen und die Scherben des Ibiza-Gates aufsammeln. Eine Glosse

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Jetzt Urlaub oder was? Foto: Sai Kiran Anagani / Unsplash | CC0

Das Leben als Politiker*in ist kein Honigschlecken – vor allem nicht in Österreich. Viel ist zu tun: Geld für Geflüchtete kürzen, den Zwölf-Stunden-Arbeitstag einführen, das Rauchverbot kippen, aus dem UN-Migrationspakt aussteigen und Projekten das Geld streichen, die irgendwas für Frauen oder Ausländer*innen tun. Dann sind da noch die lästigen links-linken Medien, die immer noch glauben, sie hätten ein Anrecht auf diese Pressefreiheit. Trotz all dieser anstrengenden To-dos muss nach Außen auch noch Harmonie gefakt werden: Kein Anpatzen und Message control for life, hat der Sebastian gefordert. Und was ist der Dank für die harte Arbeit an der Rettung der Nation? Ein erfolgreicher Misstrauensantrag des Parlaments gegen die Regierung, bloß wegen einmal Saufen auf Ibiza!

Von einem Tag auf den anderen sind die Minister*innen von ÖVP und FPÖ ihre Jobs los und werden per Misstrauensvotum nach Hause geschickt. Plötzlich haben sie ur viel Freizeit. Aber dann soll’s so sein. Ob in Jesolo, Ibiza oder auf dem Berg erleben manche ehemaligen Minister*innen nun ihren zweiten Frühling. Dolce vita, jetzt erst recht! Aber nicht allen ist so viel Freude vergönnt: Im Team Kurz ist schon wieder Wahlkampf angesagt. Wandertag, Frühschoppen und Altersheim. Politiker*innen liefern sich sogar einen Wettbewerb im Türkis-Tragen.

Was treiben Österreichs geschundene Politiker*innen zurzeit? Wir haben die Instagram-Accounts der ehemaligen Minister*innen nach ihren Beschäftigungen abgesucht und ihr Freizeitlevel analysiert:

Karin Kneissl: Endlich Zeit für ihre Stute Amira

Wie ihr Freund Vladimir Putin, mit dem sie im vergangenen Jahr noch voller Freude auf ihrer Hochzeit tanzte, liebt die ehemalige Außenministerin Österreichs Pferde. Auch wenn die Koalition zwischen FPÖ und ÖVP sich selbst zerstört hat und niemand weiß, wie es nun mit den Polizeipferden weitergeht, so hat Kneissl zumindest Zeit für ihre eigenen. Wunderbar!

Freizeitlevel: 10/10

Heinz-Christian Strache: Zwangsurlaub mit Handyverbot

Dem ehemaligen Vizekanzler, Chef der FPÖ und Sportminister wird der Summer of 2019 zweifellos in Erinnerung bleiben. Nachdem eine – wie er es nennt – Schmutzkübelkampagne wegen einer besoffenen Nacht auf Ibiza gegen ihn losgetreten wurde, musste er seinen Posten räumen. Frechheit. Jetzt darf man schon nicht mal mehr darüber nachdenken, die Pressefreiheit einzuschränken? Straches Rückzug musste sogar so weit gehen, dass er nicht mal sein Mandat im EU-Parlament annehmen durfte, obwohl 37.000 Menschen ihm ihre Vorzugsstimme gegeben hatten. Nach etlichen Fauxpas auf Facebook – das Anzeigen von Bearbeitungen ist auch wirklich eine gemeine Funktion  – hat Strache nun offenbar Internetverbot. Zumindest auf Instagram. Auf Facebook postet er munter weiter, setzt nun aber auf lebensbejahende Sprüche wie: „Es ist nicht schlimm wenn man hinfällt, aber es ist wichtig wieder aufzustehen. (sic!)“ Dafür richtig Energie tanken kann Strache aktuell auf Ibiza. Denn er findet: „Ibiza ist immer eine Reise wert.“ Vielleicht kann HCs Frau den Namen Strache ja wieder reinwaschen. Philippa Strache tritt bei der Nationalratswahl im Herbst an. Der Ehemann der Politikerin konzentriert sich nun auf Baby und Haushalt. Vorbildlich!

Freizeitlevel: 10/10

Herbert Kickl: Lässt seinen Frust auf dem Berg

Strache, immer reden alle von Strache, wenn es ums Ibiza-Gate geht. Auch der ehemalige Innenminister Herbert Kickl von der FPÖ hat es nicht einfach. Das wahre Opfer des Skandals ist ja überhaupt eh er. Erst nahmen ihn seine langjährigen Kollegen Strache und Gudenus nicht mit auf ihren Trip nach Ibiza (tut man nicht unter Freund*innen!) und danach rollt ausgerechnet sein Kopf für die Aktion der Besoffenen. Das ist wie wenn deine kleine Schwester heimlich ausgeht, danach besoffen ins Wohnzimmer kotzt und du dafür Hausarrest bekommst. Manchmal ist die Welt wirklich ungerecht. Herbert Kickl schreibt im Juni unter ein Bild: „Am Berg wie in der Politik zählen Vertrauen zum Partner und Teamwork. Nur so lässt sich das Ziel erreichen.“ Echt, ey.

Freizeitlevel: 7/10

Mario Kunasek: Endlich Zeit zum Grillen

Nach dem Aufkommen dieses unschönen Ibiza-Videos, hat sich der ehemalige Verteidigungsminister Mario Kunasek erst mal Sonne gegönnt. In Jesolo in Italien. Strand, Dolce Vita und Entspannung. Jetzt erst recht ist auch der neue Spruch seiner Partei. Kunasek hat nun noch den Posten des Landesparteiobmann der FPÖ Steiermark inne – und das bedeutet: Kunasek wird bodenständig. Vorbei sind die Zeiten, in denen er im Panzer rumgurken durfte, mit dem „tollen, bodenständigen Bursch und Aushängeschild für #Österreich!“ aka Felix Baumgartner rumhängen konnte oder Biere hob mit Sänger Andreas Gabalier. Jetzt sind Lederhose, Grillen, Frühschoppen und Sonnwendfeiern angesagt. Aber das Heimat-Bewahren fängt ja eh vor der eigenen Haustür an.

Freizeitlevel: 10/10

Norbert Hofer: Muss aufräumen, hat den Job aber so gern

Seit Heinz-Christian Strache die Kronen Zeitung kaufen und den Rechnungshof umgehen wollte, ist nun Norbert Hofer Chef der FPÖ. Er ist in einer schlagenden Burschenschaft, liebt Bilder von Soldaten und gibt Bücher heraus, in denen er von Frauen fantasiert, „deren Brutpflegetrieb auferlegte Selbstverwirklichungsambitionen überragt“. Aber dafür grinst der Hofer immer so lieb, weshalb er sich den Ruf als netter Rechter erhalten konnte. Die Nettigkeit fordert ihren Tribut: Hofer kann sich Urlaub in Italien aktuell nicht leisten, weil er die Scherben seiner Partei aufsammeln muss. Parallel muss er Strache davon abhalten, auf seinen Social-Media-Kanälen zu posten. Und dann auch noch Herbert Kickl verteidigen, der schon wieder von den anderen Parteien gemobbt wird. Aber es gibt immerhin einen Hund im Büro, juhu!

Freizeitlevel: 0/10

Beate Hartinger-Klein: Privat

Was die Bundesministerin für Arbeit und Soziales so treibt, können wir leider nicht analysieren. Sie hat ihren Account auf privat geschalten. Ob die Strategie „Aufmerksamkeit durch künstliche Verknappung“ dahinter steht, können wir nur spekulieren. Aber wir sind höchst neugierig und unsere Fantasie stellt sich ihr aktuelles Leben so vor: Nach ihrem Digital Detox Retreat auf Bali jetsettet sie nun zu Strache und Family auf Ibiza. Denn: Diese Insel ist immer eine Reise wert!

Freizeitlevel: 1.000/10

Sebastian Kurz: Wandern und Altersheim

Da denkst du, wenn du als Kanzler abgesetzt wirst, hast du mehr Zeit für dich. Aber Fehlanzeige. Für Sebastian wird’s jetzt so richtig stressig. Da will man sich als großen Gönner darstellen und verzichtet auf sein Fortzahlung – und alle hacken auf einem rum. Na gut, die Fortzahlung hätte einem eh nicht zugestanden. Aber es ist doch schließlich der Gedanke dahinter, der zählt. Also erst mal Tour durch Österreich. Kein Kinderfest, kein Stammtisch und kein Altersheim bleibt vor Sebastian sicher. Seine Lieblingsfrage im Wahlkampf: „Habt’s schon Mittagessen, jo?“ Genial, denn: Betrifft jede*n, holt alle ab und was emotionalisiert Österreicher*innen bitte mehr als Essen?

Freizeitlevel: 2/10

Gernot Blümel: Kein Urlaub für ihn

Nicht nur, dass sich Gernot Blümel jedem einzelnen Interviewtermin in den Tagen rund um das Aufkommen des Ibiza-Gates stellen musste – während Sebastian Kurz weiß Gott was tat – darf er auch jetzt nicht in den wohlverdienten Urlaub. Schließlich muss die türkise Partei sich zurückholen, was ihr gehört. Das Kanzleramt. Damit alle wissen, wie ernst es Blümel ist, trägt er selbst die Socken in der Parteifarbe. Wenn das nicht zielsicher rüberkommt. #Esblümelt!

Freizeitlevel: 0/10

Margarete Schramböck: Türkis wandern

Auch die ehemalige Bundesministerin für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft muss im Sommer für die Partei ackern. Dazu wird ein Wandertag mit Sebastian Kurz in Tirol vereinbart. Und was Blümel kann, kann Schramböck schon lange und eh besser. Statt subtil türkise Socken zu tragen, warum nicht gleich das ganze Dirndl färben?

Freizeitlevel: 3/10

Elisabeth Köstinger: Kindergeburtstag in Parteifarben

Österreichs Ex-Umweltministerin Köstinger glaubt offenbar, die Sache mit dem Türkis sei ein parteiinterner Wettbewerb und legt noch einen nach: Selbst die Kerze am Geburtstagskuchen ihres Kindes ist türkis. So viel Hingabe ist bewundernswert, sieht aber auch verdammt stressig aus.

Freizeitlevel: 2/10

Alle ehemaligen Minister*innen, die nicht im Artikel vorkommen, sind entweder auf Digital Detox oder wir konnten sie nicht aufspüren.


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