“Enthüllungen zu Mitternacht” auf Netflix ist Serie und Podcast in einem

So etwas wie diese Serie habt ihr noch nie gesehen, aber vielleicht schonmal gehört. Enthüllungen zu Mitternacht vereint psychedelische Bilder mit philosophischen Gesprächen.

The Midnight Gospel
Mit seinem Internet-Weltraum-Podcast reist Clancy in intergalaktische Welten. Filmstill: © Netflix

Paardiologie von Charlotte Roche und ihrem Ehemann gibt es mittlerweile als Buch, Klaas Heufer-Umlaufs Baywatch Berlin läuft zur Primetime im Fernsehen und ganz Deutschland klickt sich täglich den Chefvirologen der Charité in den Podcatcher: Falls Peak Podcast tatsächlich erreicht ist, dann setzt die neue Netflix-Serie Enthüllungen zu Mitternacht dem Ganzen die Krone auf.

Sie kommt von Pendleton Ward, der jahrelang die superflippige Cartoon-Network-Serie Adventure Time gemacht hat. Die hat damals ein bisschen das Erbe von Spongebob Schwammkopf angetreten, indem sie einerseits kurzweilige Abenteuer für Kinder erzählte, gleichzeitig aber auch Erwachsene an sich band.

Da ging es neben dem Menschenjungen Finn und seinem gelben Schlabberhund Jake auch um Depressionen, gleichgeschlechtliche Liebe, das Leben mit Behinderung, autoritäre Regime und so weiter und so fort. Irgendwann haben sich viele von Adventure Time abgewendet und sind weiter zu Rick and Morty gezogen. Damit vergleichbar ist The Midnight Gospel – wie Enthüllungen zu Mitternacht im Original heißt – zumindest was weirde, intergalaktische Reisen betrifft.

Der pinke Clancy hat einen Internet-Weltraum-Podcast, für den er verschiedene Kreaturen interviewt. Dafür reist er per geklautem Virtual-Reality-Computer in Paralleldimensionen. In einer wurde die Erde von Zombies überrannt, in einer anderen mixen Killerclowns Burgerfleisch aus fliegenden Nilpferden. Clancy beamt sich in diese Welten und führt tiefgründige Gespräche.

Gespräche über Drogen, Achtsamkeit und die Bibel

Da geht es zum Beispiel um die Frage, ob Drogen legalisiert werden sollten (und wenn ja, welche) oder ob die Bibel nicht eigentlich ein Buch über Magie ist. Achtsamkeitsmeditation, die Konfrontation mit dem Tod und das Leben als Millennial – all das besprechen die Protagonist*innen während sie in die Tiefsee tauchen, auf einem Piratenschiff mit Katzen handeln oder zu Burgerbrät verarbeitet werden.

Was besonders hervorsticht, ist, wie unzusammenhängend die Gespräche und die Handlung der Episoden wirken. Während um sie herum die Welt in tausend Farben explodiert, scheint das die Charaktere der Serie überhaupt nicht zu kratzen – die unterhalten sich einfach weiter. Fast, als würden sie mit einem Joint in einem Podcast-Studio sitzen. Und, Überraschung: Genau so war es auch.

Die philosophisch anmutenden Gespräche wurden nämlich nicht extra für die Show aufgenommen, sie stammen stattdessen aus dem Podcast The Duncan Trussell Family Hour des US-Comedians Duncan Trussell. Der hat die achtteilige Serie gemeinsam mit Pendleton Ward kreiert und spricht die Hauptfigur Clancy. Enthüllungen zu Mitternacht ist also eine Podcast-Cartoon-Show, die auf einem echten Podcast basiert. Peak Podcast eben.

Denn eigentlich redet Duncan Trussell nicht mit einem fliegenden Nilpferd oder dem Präsidenten der USA, sondern mit seinen Gästen – darunter Schriftstellerin Anne Lamott und Mediziner Drew Pinsky. Und der Mann mit dem Aquarium-Kopf ist kein wahnsinniger Magier, sondern Damien Echols, der als Teil der West Memphis Three als Teenager zum Tode verurteilt worden ist. Mit ihm spricht Trussell über Meditation, während sie vor einem Schwarm Fische mit Trump-Visage fliehen.

Enthüllung zu Mitternacht: Einzigartige Dialoge

Ob man sich das wirklich anschauen soll, ist schwer zu sagen. Dafür sprechen die einzigartigen Dialoge, die durch die Visualisierung einen neuen Kontext erhalten. Das ist ein bisschen so, wie wenn man sich noch genau an den Sommertag erinnern kann, an dem man zum ersten Mal sein neues Lieblingslied gehört hat. Im besten Falle ergibt sich eine neue Verständnisebene und es macht klick. Im schlechtesten Fall denkt man sich aber: Das Gespräch ist ja interessant, aber die Serie nervt ein bisschen, vielleicht sollte ich mir lieber nur den Podcast anhören, auf dem sie basiert.

Aber das kann man natürlich auch noch machen, nachdem man die sehr kurzweiligen Folgen von Enthüllungen zu Mitternacht angeschaut hat. So etwas wie diese Serie habt ihr auf jeden Fall noch nie gesehen, aber vielleicht eben schonmal gehört.

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