Equal Pay Day: Warum sich das Frauenticket der BVG nicht für alle ausgezahlt hat

Lange Warteschlangen, nur ein Ticketautomat – mit vergünstigten Tickets wollten die Berliner Verkehrsbetriebe Frauen eigentlich entgegenkommen. Der Plan ging nicht ganz auf.  

Frauenticket zum "Equal Pay Day" bei der BVG

In ganz Berlin gab es nur einen einzigen Automaten für sogenannte Frauen-Fahrscheine. Foto: Joerg Carstensen / dpa

Mit „Es zahlt sich aus, eine Frau zu sein“ hatten die Berliner Verkehrsbetriebe im Vorfeld für das sogenannte Frauenticket geworben. Erhältlich war es am 18. März – also am Equal Pay Day. Das ist der Tag, der symbolisch die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern markiert, die sich in Deutschland immerhin über 21 Prozent beläuft. Bis zum 18. März haben Frauen theoretisch und rein rechnerisch umsonst gearbeitet, weil sie entsprechend weniger verdienen als Männer. Dann kann es ja nur fair sein, dass sie für den öffentlichen Nahverkehr auch 21 Prozent weniger zahlen, oder? Das dachte sich auch die Marketingabteilung der BVG: Auf sämtliche Tickets gab es für Frauen Rabatt. Wer das Jahresticket etwa an diesem Tag gekauft hat, hat 160 Euro gespart. Ausgezahlt hat es sich für viele Frauen am Ende dann leider doch nicht. Denn erhältlich waren diese Tickets nur an einem Automaten in ganz Berlin: am Alexanderplatz. Dementsprechend berichteten viele Menschen von langen Schlangen und Wartezeiten von mehreren Stunden:

Für viele berufstätige Frauen oder Frauen, die mit ihren Kindern im Gepäck keine halbe Weltreise unternehmen können – so kann sich eine Fahrt von Westberlin nach Ostberlin zuweilen anfühlen – hatte sich die Angelegenheit dann also erledigt. Und ist Zeit eigentlich kein Geld? Die Ressourcen, mehrere Stunden an einem Tag in einer Schlange stehen zu können, muss frau ja erst einmal aufbringen: sich frei nehmen oder die Care-Arbeit verschieben. Für manche ist das unvorstellbar, gerade weil sie ja sowieso schon am Monatsende weniger Geld auf dem Konto haben. Eine einfache und demokratische Lösung wäre gewesen, das Ticket über das Internet anzubieten, sodass es für so viele Frauen wie möglich zugänglich ist.

Ein Gesichtsscanner durfte entscheiden, wer sich Frau nennen darf

Auch die Voraussetzungen, die für das Frauenticket zu erfüllen sind, hat bei vielen Menschen Fragen hinterlassen. Denn der Ticketschalter arbeitete mit einem Gesichtsscanner, der überprüfen sollte, ob es sich um die kaufende Person tatsächlich um eine Frau handelt. Aber was ist eigentlich mit trans* Frauen und Frauen, die als Männer gelesen werden? Und nicht-binären Personen? Wie sensibilisiert ist so ein System für genderfluide Personen?

Gerade eine BVG-Werbung hat im Vorfeld viele Menschen zurecht irritiert und verärgert:

Das Ticket sei tatsächlich für alle Menschen gedacht, die sich als Frauen definieren, verkündete die BVG daraufhin. Hoffen wir mal, dass das der Scanner auch so gesehen hat – immerhin stand frau für dieses Urteil vorher drei Stunden in der Schlange.