„Er war schon immer Feminist“ – Was eure Väter zu guten Vätern gemacht hat

Wie wichtig aktive Väter sind, die sich mit um die Kinder kümmern, zeigen diese Geschichten unserer Leser*innen.

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Ein guter Vater ist einer, der für sein Kind da ist. Foto: Kelly Sikkema / Unsplash | CC0

Väter müssen keine Schattengestalten mehr sein. Die Zeiten sind vorbei, in denen sie sich als Alleinernährer ihrer Familie verstanden haben. In denen es gängig war, fürs Geld zu sorgen und die Kindererziehung den Müttern zu überlassen. Heute können Väter aktiver sein. Sie können sich mit ihren Partner*innen arrangieren, Elternzeit nehmen oder in Teilzeit arbeiten, um mehr zu Hause anzupacken. Väter haben endlich die Freiheit, für ihren Nachwuchs da zu sein. Auch vor 18 Uhr. Wenn sie denn wollen.

Allerdings folgt die Aufgabenverteilung in der heteronormativen Familie nach wie vor überwiegend alten Rollenmustern, wie der Väterreport 2018 des Familienministeriums (PDF) beschreibt. Lediglich acht Prozent der heutigen Väter übernehmen mehr als die Hälfte der Kinderbetreuung. 18 Prozent übernehmen gleich viele Aufgaben, 35 Prozent weniger als die Partnerin. Und so sind Väter im familiären Umfeld noch immer Nebenfiguren.

Womöglich fehlen den Vätern Vorbilder. Oder viele Väter haben noch nicht verstanden, wie gut es ihren Kindern tut, wenn sie da sind und sich kümmern. Um Vätern Mut zu machen, sich aktiv an der Kinderbetreuung zu beteiligen, haben wir nach Positivgeschichten gesucht. Wir haben unsere Leser*innen auf Facebook gefragt, wofür sie ihre Väter schätzen.

Hier kommt eine Auswahl der anonym eingereichten Antworten:

„Als meine Lebenspläne an der Realität gescheitert sind, hat er mir mit den folgenden zwei Sätzen den Mut wiedergegeben: Du wirst nie tief fallen, wir fangen dich auf. Wir unterstützen dich bei allem, was du machst, Hauptsache, du wirst glücklich.“

„Mein Vater hat mir ein anderes Bild als das des klassischen Mannes vorgelebt und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Ein emotionaler, liebevoller, verletzlicher, sensibler, Schwäche zeigender, fröhlicher und weinender Vater und Mann. Das hat mein Bild von Männlichkeit sehr positiv geprägt.“

„Er hat mit mir lauter Abenteuer unternommen, war so verspielt wie ich und hat mich selbst in meiner schlimmsten pubertären Phase nicht aufgegeben, sondern zärtlich versucht, mich dennoch zu unterstützen. Auch wenn ich das zu dem Zeitpunkt gar nicht wollte, weiß ich es nun umso mehr zu schätzen. Blöd es zuzugeben, aber er war in der Hinsicht einfach weiser als ich. Darüber hinaus haut er sich auch jetzt noch die Nächte um die Ohren, um meine Hausarbeit auf den letzten Drücker gegenzulesen.“

„Er hat mich und meine Sorgen ernst genommen. War nachsichtig und immer positiv gestimmt, was meine Entscheidungen und meinen Weg betraf. Es gab keine Denunzierungen.“

„Vorgelesen mit verstellten Stimmen. Jeden Abend, auch nach einem langen Arbeitstag. Ermutigt zu allen Plänen und Träumen, alles war möglich, auch für Mädchen. Gartenparty mehr als einmal erlaubt. Ernst genommen. Niemals gegeneinander ausgespielt, Schwestern immer gleich behandelt. Großzügig, ohne Gegenleistung zu erwarten. Loyal und liebevoll zu Mama. Begeisterung und Neugier gefördert. 1.000-mal ‚Ich bin stolz auf dich‘ gesagt.“

Mein Vater war immer mein Netz, auch wenn ich Dinge getan habe oder tun wollte, mit denen er nicht einverstanden war.

„Er hat – im Gegensatz zu den vielen Männern in meinem konservativen, süddeutschen Kaff – die Hälfte der Hausarbeit übernommen und meine Mutter immer bei ihrem Streben nach finanzieller Unabhängigkeit sowie Gleichstellung unterstützt. Er hat mir außerdem viel über Emanzipation beigebracht und mich zu Selbstständigkeit erzogen. Danke Papa <3.“

„Dass er immer zu seinen Idealen stand und es an uns weitergegeben hat. ‚Hinterfragt euch selbst und eure Handlungen‘, meinte er immer zu uns. Ohne ihn wäre ich nicht die, die ich heute bin.“

„Vater war 24 Jahre alles für mich. Mein Rückgrat, meine Stütze, mein Seelsorger und mein Berater. Letztes Jahr, einen Tag vor Weihnachten, starb er am Plötzlichen Herztod. Man lernt, ohne ihn zu leben, aber ich glaube, vermissen werde ich ihn immer.“

„Er hat mir als Kind schräg Lieder vorgesungen, hat mir vorgelebt, dass ein Mann in einer Familie genauso kochen, putzen, Windeln wechseln, Kotze wegwischen usw. muss, hat mir gezeigt, dass man hart für seine Ziele arbeiten muss, hat mir vorgelebt, dass man anderen Menschen helfen sollte, hat mir stundenlang Mathenachhilfe gegeben, hat mich in einem Boyband-T-Shirt meiner Lieblingsband zu einem Konzert, das erst ab 16 Jahre war, begleitet und hat mich in der Zeit unterstützt bzw. hat den Haushalt geschmissen, als meine Mama und seine Frau schwer krank war. <3 Er ist mein Held.“

„Mein Papa hat mich schon von klein an ermutigt, selbstständig zu werden.“

„Mein Vater hat mich sehr oft mitgenommen: auf den Bau, zu den Nachbarn, auf den Trecker, in den Garten. Er hat mir Welten geöffnet, für die ich heute sehr dankbar bin.“

Dass sein Größter Stolz und seine größte Anerkennung die Liebe seiner Kinder und Ehefrau ist.

„Er hat versucht, die Fehler seiner Eltern nicht zu wiederholen. Er hat mich nicht aufgegeben, auch wenn er die meiste Zeit nicht verstanden hat, was bei mir los war, und es ihn ohne Frage überfordert hat. Er hat sich bemüht, der bestmögliche Vater zu sein, der er sein kann, auch wenn ich es erst spät gesehen habe und dadurch oft undankbar war, weil ich mehr gebraucht hätte. Aber was ihn zu dem allerbesten Vater macht, den ich mir wünschen kann, ist, dass er ein geduldiger, liebevoller und aufopfernder Opa für meine Tochter ist.“

„Er war seit meinem zweiten Lebensjahr da, nachdem mein lieblicher Vater sich nicht eine Sekunde um mich gekümmert hat. Vater ist der, der da ist.“

„Er hat mir früh beigebracht, dass ich mir den Bullshit von Jungs und Männern nicht gefallen lassen muss, und dass ich keine Angst davor haben soll, mich und andere zu verteidigen.“

„Mein Vater war nie ein Mann der großen Worte und hat sich immer schwergetan, seine Gefühle verbal auszudrücken. Er hat mir aber immer gezeigt, wie sehr er mich liebt, indem er ohne Murren einfach alles für mich getan hat. Ich kann mich immer auf ihn verlassen und er ist ohne Ausnahme immer da, wenn ich ihn brauche. Das macht ihn zu einem super Vater.“

„Es sind die vielen kleinen Dinge gewesen. Bei Wanderungen hat er mit mir zum Beispiel Spiele gespielt, sobald es anstrengend wurde. Er hat mir die Welt erklärt und war immer für mich da. Er hat mir ein Studium in Ruhe ermöglicht, indem er jeden Euro umgedreht hat. Er zeigte mir durch die Ehe mit meiner Mutti, wie eine gesunde Beziehung aussehen sollte. Es macht mich stolz, manche Eigenarten meines Papas jetzt auch in mir als Erwachsene wiederzufinden.“

Er hat uns drei Töchtern immer gezeigt, wie stolz er auf uns ist. Und macht es immer noch.

„Er war schon immer Feminist und hat mich in allen Entscheidungen gestärkt, auch einen Job in der Männerdomäne anzunehmen. Außerdem hat er sich Elternzeit genommen, nicht meine Mutter, vor 25 Jahren.“

„Dass er es sich nie nehmen ließ, sich mit mir jeden neuen Disney-Film in Kino anzuschauen, auch nach der Scheidung meiner Eltern nicht.“

„Ich habe einst in Wien studiert und hatte nicht genug Geld, um mein Studium zu finanzieren. Als ich meinen Vater um finanzielle Unterstützung bat, erteilte er mir eine Absage. Er hätte genug Geld gehabt, um mich zu unterstützen, aber er hielt es schlichtweg für falsch. Ich sollte mir erst mal eine Arbeit suchen. Damals fand ich es ein wenig herzlos. Heute verstehe ich meinen Vater und bin ihm für seine vermeintliche Härte dankbar. Später erzählte er mir, dass es für ihn sehr schwer war, Nein zu sagen, als sein Sohn ihn um Hilfe bat. Umso dankbarer bin ich ihm heute. Denn er hat mir geholfen und mich gelehrt, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen, selbständig zu sein und für mich zu sorgen. Merci Papa!“

Er hat für mich Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, wenn ich ihn brauchte.

„Er hat jedem Kind das Gefühl gegeben, eine ganz besondere Beziehung zu ihm zu haben. Ohne die anderen drei Kinder dabei abzuwerten oder anders zu behandeln.“

„Die Fähigkeit, mir mit einem Blick sagen zu können, was er denkt. Und damit manchmal Streit auszulösen, manchmal welchen zu schlichten, manchmal zu sagen, dass jemand gestorben ist, oder einfach, dass er mich lieb hat.“

„Er hat mir einerseits alle Freiheiten gelassen, mich zu entwickeln, zu finden und meine Grenzen auszutesten. Andererseits lehrte er mich, wie wichtig Verantwortung und Disziplin sind. Ich denke, die wenigsten Eltern schaffen es, ihren Kindern diese Dinge in einer so unfassbaren Balance beizubringen. Dafür bin ich sehr dankbar.“

„Mein Vater hat immer Wert auf meine Meinung gelegt und mich bei meinem Tun unterstützt. Wir sind auch heute noch ein gutes Team (41 und 69 Jahre).“

Er hat mich alles selbst ausprobieren und herausfinden lassen, aber war da, mich zu unterstützen, wenn ich es gebraucht habe.

„Mein Vater war immer da für mich, bei allem hat er mich unterstützt, motiviert, angefeuert, getröstet und aufgefangen. Er hat mir alles beigebracht, was ich lernen musste, und ist auch heute noch mein täglicher Ansprechpartner. Seit Kurzem bin ich selbst Mutter und er liebt seine Enkelin so sehr. Mein Vater ist nicht mein leiblicher Vater. Er hat es mich in keiner Sekunde spüren lassen und all das, was ein anderer hätte tun sollen, übernommen. Ohne eine Sekunde zu zögern und mit mehr Liebe und Hingabe als ich mir hätte vorstellen können.“

„Er hat niemals das Kind in sich vergessen. Hatte Träume, Visionen und den besten Humor.“

„Mein Papa ist einfach immer für mich und meinen Bruder da. Egal, welche Zeitzonen und wie viele Kilometer uns trennen, wie wichtig das Meeting ist, in dem er sitzt – er ist immer erreichbar und nichts auf der Welt ist ihm wichtiger als unser Frohsein. Und keiner hat mir jemals liebevoller die Haare gekämmt. Danke für alles, du bist mein Held! Sorry Mama, aber bei dir hat’s echt immer wehgetan. Trotzdem bist du die beste Mama der Welt <3.“


Wir wollen positive Vätergeschichten ausführlicher erzählen

Du hast eine besonders gute Beziehung zu deinem Vater? Oder du hast eine schöne Geschichte über ihn zu erzählen, die dich geprägt hat? Dann schreib eine Mail an mark.heywinkel@ze.tt.