Erdoğan fragt weinendes Mädchen, ob es bereit wäre, als Märtyrerin zu sterben

Bei einer Rede holt Erdoğan ein aufgelöstes Mädchen in Uniform auf die Bühne und erklärt ihm: Soldat*innen weinen nicht.

Erdoğan holt ein weinendes Mädchen bei seiner Rede auf die Bühne.

Erdoğan mit dem weinenden Mädchen auf der Bühne. Screenshots: Twitter I Collage: ze.tt

Der türkische Präsident und Vorsitzende der Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP), Recep Tayyip Erdoğan, hielt vergangene Woche auf einem Kongress in Kahramanmaraş eine Rede und zeigte dabei eindrucksvoll, dass Empathie nicht zu seinen Stärken zu gehören scheint.

Wie die türkische Wochenzeitung Cumhuriyet und das Nachrichtenportal Haberdar berichten, habe er auf dem Kongress die türkische Militäroffensive in Afrin verteidigt. Er entdeckte dabei ein salutierendes Mädchen in Militäruniform im Publikum und ließ es zu sich auf die Bühne holen. Er küsste das Mädchen zunächst auf die Stirn und seine Wangen. Das Mädchen fing an zu weinen, offenbar vor Aufregung.

[Außerdem bei ze.tt: Das sind die Journalist*innen, die Erdoğan verhaften ließ]

Statt tröstend auf sie einzugehen, erklärte der türkische Präsident ihr jedoch, dass Soldat*innen nicht weinen würden: „Hier haben wir auch eine Bordo Bereli. Doch eine Bordo Bereli weint nicht.“ Die Bordo Bereliler sind eine Spezialeinheit der türkischen Streitkräfte. Weiter sagte er: „Die türkische Fahne ist auch in ihrer Tasche. Wenn sie, so Gott will, Märtyrerin wird, wird man sie mit der Fahne bedecken. Sie ist für alles bereit.“ Dann fragte er das Mädchen direkt: „Nicht wahr?“, und sie antwortete verängstigt: „Ja.“ Die Menge jubelte begeistert.

Empörte Reaktionen im Netz

Anders als bei der Veranstaltung sorgt das Verhalten des türkischen Staatsoberhaupts bei vielen Menschen für Empörung. Insbesondere die Tatsache, dass es sich um ein Kind handelt, stößt ihnen übel auf.

Die deutsch-türkische Journalistin Aslı Sevindim kommentiert etwa auf Twitter: „Krank und widerlich.“