Erst rassistisch beleidigt, dann von Polizist bedroht? Berliner Polizei prüft Vorfall in Rossmann-Filiale

Eine Kassiererin habe sie rassistisch beleidigt, ein Polizist ihr später gedroht, sagt eine Schwarze Berlinerin in einem Video. Polizei und Rossmann bestätigen den Vorfall – ohne Details zu nennen.

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Die Betroffene in einem Video, dass der Linken-Politiker Hakan Tas aufgenommen hat. Foto: Screenshot / Hakan Tas | Facebook https://www.facebook.com/watch/?v=2659787177568885

Am Mittwoch um kurz nach 10 Uhr morgens lud eine Berlinerin auf Facebook ein 15-minütiges Video hoch, das sich in den kommenden Tagen rasant verbreitete – und das mittlerweile gelöscht hat. Wie ein von ihr eingeschalteter Rechtsanwalt ze.tt am Montag mitteilte, bestehe Sorge um ihre Sicherheit. In diesem berichtet sie davon, dass sie in einer Rossmann-Filiale mit ihrer Karte habe zahlen wollen. Die Kassiererin habe sie gebeten, ihre Identität zu beweisen – obwohl mehrere weiße Kund*innen vor ihr, das nicht hätten tun müssen.

Sie habe dann zunächst eine Versichertenkarte vorgezeigt, auf der allerdings ihr erster Vorname Berênïcé stünde. Das habe sie der Kassiererin auch gesagt und dann ihren Ausweis nachgereicht, auf dem beide Vornamen vermerkt seien. Die Kassiererin habe ihr daraufhin Kartenmissbrauch vorgeworfen. Eine Schwarze könne nicht so einen deutschen Namen habe, hätte sie gesagt.

Sie habe der Verkäuferin daraufhin gesagt, dass sie sie damit rassistisch beleidige. Es habe sich ein Streit zwischen den beiden entwickelt. Die dazugekommene Filialleitung habe sich auf die Seite der Kassiererin gestellt, für die sie „die Hand ins Feuer“ lege, wie sie im Video erzählt. “Auch die Filialleitung hätte gesagt, dass das nicht ihre Karte sein könne, obwohl der dazugehörige Ausweis ein Foto von ihr enthält.

Polizei habe ihr mit Festnahme wegen Falschaussage gedroht

Sie habe daraufhin die Berliner Polizei gerufen, erzählt sie im Video. Mehrere Zeug*innen hätten mit ihr gewartet, um den Vorfall zu bestätigen. Nach längerem Warten seien schließlich zwei Polizisten gekommen. Einer habe bei ihr gewartet und habe sich um ihren vierjährigen Sohn gekümmert, der andere sei in die Filiale gegangen und nach einiger Zeit wieder herausgekommen. Er hätte Videoaufnahmen gesehen und bestätigte, dass sie ungerecht behandelt worden, aber dies ihre Schuld sei, weil sie die Versichertenkarte gezeigt hätte. „Sie wissen schon, wenn Sie jetzt eine Anzeige machen, dann ist das eine Falschaussage, dann werden sie festgenommen“, soll der Polizist gesagt haben.

Auch als sich mehrere Zeug*innen eingemischt hätten und ihre Version bestätigt haben sollen, sei der Polizist nicht von seiner Drohung abgewichen. Zudem verweigerte er, seinen Namen und seine Dienstnummer herauszugeben. „Es kann nicht sein, dass ich rassistisch beleidigt werde und dann muss ich mir von einem Polizisten anhören, ich soll meine Klappe halten“, sagt sie in einem weiteren Video, das auf Twitter zu finden ist.

Rossmann und Polizei bestätigen den Vorfall

Auf Anfrage von ze.tt äußerte sich Rossmann zu dem Vorfall: „Wir bedauern sehr, was unsere Kundin in unserer Filiale in Berlin erlebt hat und arbeiten den Vorfall intern auf, um daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen“, schreibt eine Sprecherin. Man habe sie per Direktnachricht über Social Media angeschrieben und sie gebeten, persönlich ins Gespräch zu kommen. Rossmann werde verstärkt darauf hinarbeiten, intern aufzuklären und zu schulen – denn Rassismus habe bei Rossmann keinen Platz, heißt es weiter.

Auch die Polizei äußerte sich zu dem Vorfall, ohne Details zu nennen. Auf Twitter gab sie an, den Fall zu untersuchen. Sie habe zudem ein Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung mit rassistischer Motivation eingeleitet. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland in einem Artikel schreibt, prüfe eine interne Beschwerdestelle den Fall, zwei Polizisten würden zu dem Einsatz befragt. Wann ein Ergebnis vorliege, sei offen. Die Pressestelle war am Samstagnachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Transparenzhinweis 15. Juni 15:20 Uhr: Aufgrund des rechtlichen Hinweises einer möglichen Gefährdung der Betroffenen durch ihre Namensnennung, haben wir uns dazu entschieden, diesen aus unserem Artikel zu entfernen.

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