Es ist traurig, wenn attraktive Menschen im Rollstuhl sitzen? Von wegen

Mit dem Post „Nothing sadder than a hot person in a wheelchair“ trat ein US-amerikanischer YouTuber eine Welle an Reaktionen los. Seither posten Rollstuhlfahrer*innen stolze Selfies und beweisen, dass Schönheit nicht von einer körperlichen Behinderung abhängig ist.

Die Bloggerin und Aktivistin für Menschen mit Behinderung Annie Segarra entdeckte kürzlich einen Tweet, der sie sehr wütend machte. Darin schreibt der US-amerikanische Autor und Quizprofi Ken Jennings – er gewann 74-mal in Folge die Quizsendung Jeopardy –, dass es nichts Traurigeres gebe, als wenn eine gut aussehende Person im Rollstuhl sitze (original: „Nothing sadder than a hot person in a wheelchair“). Und obwohl der Tweet bereits vier Jahre alt ist, wollte Annie ihn nicht so stehen lassen.

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Im Jahr 2014 diagnostizierten Ärzt*innen bei Annie das Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS), eine angeborene Bindegewebsstörung. Seither sitzt sie im Rollstuhl – und sie beschloss, auf Ken Jennings ignoranten Tweet zu reagieren. Sie antwortete mit einem Selfie von sich: kniehohe, blaue Socken, roter Lippenstift, kurzer, karierter Rock, ein herausforderndes Grinsen. Über das Fotos kommentiert sie „Cry about it, babe“ (dt.: Heul doch).

Mehr als 2.700 Menschen gaben Annie Segarra für ihren Tweet ein Herz und der Hashtag #HotPersonInAWheelchair verbreitete sich weiter. Immer mehr Rollstuhlfahrer*innen posten selbstbewusste Fotos von sich und beweisen damit, wie falsch Ken Jennings liegt. Stolz zeigen sie ihr Aussehen, ihre Kleidung, ihre Tattoos.

Wir sind hier. Wir sehen gut aus. Wir verdienen es, uns gut zu fühlen, gesehen zu werden, und einen Platz in der Gesellschaft einzunehmen.“

Segarra selbst kommentierte auf Facebook weiter zum Thema. Eigentlich sei sie eine sehr selbstbewusste Rollstuhlfahrerin, doch der Tweet habe sie dennoch verletzt. Sie erzählt, wie schwer die lange Reise zu ihrem heutigen Selbstbewusstsein war und dass derartige Tweets, seien sie auch noch so alt oder vergessen worden, viel Schaden anrichten können. Viel zu oft würden Menschen mit einer Behinderung nicht ernst genommen. „Ich bin verdammt dankbar für dieses Gerät, das mir Freiheit und Unabhängigkeit gibt und das mir erlaubt all die Dinge zu tun, die ich ansonsten nicht tun könnte“, schreibt sie. Betroffene sollten sich nicht für die Nutzung von Hilfsgeräten schämen müssen.