Fahren wir bald alle E-Scooter? Was du über die Einführung von Elektrotretrollern wissen musst

Das Bundeskabinett hat eine Verordnung zur Zulassung von E-Scootern verabschiedet. Was das heißt und ob tatsächlich schon bald Zwölfjährige ohne Führerschein mit E-Rollern auf den Gehwegen rumcruisen dürfen, erklären wir euch hier.

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Schon 2019 könnten E-Scooter in Deutschland zugelassen werden. Foto: Mario Tama / Getty Images

Sind E-Scooter jetzt in Deutschland erlaubt?

Noch nicht endgültig. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine Verordnung mit Regeln für den Einsatz von E-Scootern verabschiedet, nach der Elektroroller in Deutschland zugelassen werden sollen. Bis die Dinger im Straßenverkehr genutzt werden können, fehlt allerdings noch die Zustimmung des Bundestages zu der Verordnung. Die Abstimmung wird voraussichtlich am 17. Mai 2019 stattfinden.

Was sind E-Scooter beziehungsweise Elektroroller genau?

E-Scooter sind kleine Tretroller mit Elektromotor. Offiziell gelten sie als „Elektroleistfahrzeuge“, also Kraftfahrzeuge. Daher müssen sie für den Einsatz im Straßenverkehr einige Vorgaben erfüllen: E-Roller müssen etwa eine Lenk- oder Haltestange besitzen. Sie dürfen nur eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von maximal 20 Stundenkilometern erreichen. Höchstens 70 Zentimeter breit, 1,40 Meter hoch und zwei Meter lang dürfen die E-Roller sein. Ohne Fahrer*in darf ein E-Scooter nicht mehr als 55 Kilogramm wiegen.

Wie müssen die Elektrotretroller ausgestattet sein?

Nach der aktuellen Verordnung brauchen E-Roller zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen und eine Beleuchtung, die abnehmbar sein darf, sowie seitliche Reflektoren. Auch sind mindestens eine „helltönende Glocke“ sowie rutschfeste Standflächen obligatorisch vorgesehen. Steuerelemente für den Motor wie etwa Drehgriffe sollen innerhalb von einer Sekunde in Nullstellung zurückspringen. Anhänger sind nicht erlaubt.

Was ist so toll an E-Scootern?

„E-Roller haben ein enormes Zukunftspotenzial“, sagt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Er sieht E-Scooter als eine umweltfreundliche Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs. Der ADAC ist ebenfalls der Ansicht, dass der E-Scooter auf kurzen Distanzen eine attraktive Alternative zum Pkw darstellen könnte. So könnte die Luft in den Städten vielleicht schon dank vieler E-Scooter-Fahrer*innen sauberer werden. Auch wirtschaftlich könnten die E-Scooter hierzulande ein neues Geschäftsfeld eröffnen, wie etwa für Verleih-Anbieter. 

Warum sind E-Scooter aber auch umstritten?

Vor allem das Thema Sicherheit sorgt für Diskussionen. Kritiker*innen befürchten eine wachsende Unfallgefahr, da langsamere Elektrotretroller auf Gehwegen fahren sollen. Die Polizei sieht sich laut dpa außer Stande, auch die E-Scooter auf Bürgersteigen zu moderieren und zu kontrollieren. Der Radfahrer*innen-Verein ADFC befürchtet „chaotische Zustände“ auf den Radwegen durch die angekündigten E-Scooter. Schließlich seien Radwege oftmals nicht breit genug, um langsamere Fahrzeuge sicher zu überholen.

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Seit Oktober 2018 können sich Neuseeländer*innen von dem Anbieter „Lime“ E-Scooter leihen. Foto: Fiona Goodall / Getty Images

Wie teuer ist ein Elektrotretroller?

Die Elektroroller kosten oft einige hundert Euro oder mehr. Auf Amazon gibt es Angebote ab 170 Euro.

Wer darf mit den Elektrotretrollern fahren?

Dem aktuellen Gesetzentwurf nach dürfen bereits Jugendliche ab zwölf Jahren mit E-Rollern fahren, sofern diese weniger als zwölf Stundenkilometer schaffen. Schnellere Gefährte mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern dürfen ab dem vollendeten 14. Lebensjahr genutzt werden.

Braucht man einen Führerschein für die E-Scooter?

Nein, eine Führerscheinpflicht ist in der aktuellen Verordnung nicht vorgesehen. Auch soll es, anders als etwa bei Mofas, keine Helmpflicht geben.

Muss man sich versichern?

Ja, eine Haftpflichtversicherung soll vorgeschrieben werden. Außerdem sollen E-Scooter, die am Verkehr teilnehmen, einen Versicherungsaufkleber mit Anti-Fälschungs-Hologramm hinten am Fahrzeug haben.

Darf man mit den E-Scootern überall rumfahren?

Nein. Roller mit einer Höchstgeschwindigkeit unter zwölf Stundenkilometern dürfen innerorts nur auf Gehwegen und gemeinsamen Geh- und Radwegen fahren. Falls diese nicht vorhanden sein sollten, ist innerhalb von Ortschaften auch die Fahrbahn erlaubt. Auf Gehwegen haben Fußgänger*innen Vorrang und dürfen nicht behindert oder gefährdet werden. Auch ist auf den Gehwegen und in Fußgänger*innenzonen nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt. Roller mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern gehören auf Radwege und Radfahrstreifen. Wenn sie fehlen, dürfen die schnelleren E-Scooter sowohl inner- als auch außerorts auf der Fahrbahn fahren.

In welchen Ländern haben E-Scooter bereits eine Straßenzulassung?

E-Scooter sind schon in ein paar europäischen Ländern zulässig: in Österreich, der Schweiz, Finnland, Norwegen, Belgien und seit Anfang 2018 auch in Dänemark. Auch in den USA sind Elektroroller erlaubt.

Welche E-Gefährte könnten ab 2019 noch auf den deutschen Straßen zugelassen werden?

Aktuell arbeitet die Bundesregierung auch an Regelungen für andere E-Gefährte ohne Lenkstange, also für Hoverboards oder Skateboards mit Elektromotor. Details zur Nutzung sind noch in der Diskussion.

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