Fat Shaming: Diese Menschen wollen das Wort „fett“ positiv besetzen

„Fett“ wurde zu einem Schimpfwort in unserer Gesellschaft. Zeit, das zu ändern: Diese Menschen erobern den Begriff für sich zurück.

Fett und schön

„Wenn ich einen Körper wie meinen in diesem Magazin gesehen hätte, als ich ein junges Mädchen war, hätte das mein Leben verändert", so Tess Holliday. Foto: © Screenshot Twitter

„Ich bin buchstäblich ein Cosmo-Girl!! Ich kann nicht glauben, dass ich das sage!“, schreibt Ryann Maegen Hoven aka Tess Munster unter ein Foto, das sie als Model auf dem Cover eines Magazins zeigt. Sie arbeitet als Plus-Size-Model und als Body-Positive-Aktivistin und nennt sich mittlerweile Tess Holliday. Sie will Stereotype brechen und die Menschen dazu motivieren, Schönheitsideale zu hinterfragen: „Wenn ich einen Körper wie meinen in diesem Magazin gesehen hätte, als ich ein junges Mädchen war, hätte das mein Leben verändert und ich hoffe, dass dies es  für einige von euch tut.“

Dein Körper muss keine bestimmte Größe haben, um ihn zu lieben

Tess Holliday will das Wort „fett“ positiv besetzen. Dazu startete sie 2013 eine Bewegung auf Instagram. Sie rief mit dem Hashtag #effyourbeautystandards dazu auf, nichts auf Schönheitsideale zu geben und will Frauen damit zeigen, dass sie nicht eine bestimmte Größe haben müssen, um ihren Körper zu lieben und dass ihre Größe nicht ihre modischen Entscheidungen diktieren sollte. Nun ist Tess Holliday das Covermodel der neuen Cosmopolitan.

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Auch Shoog McDaniel will den Begriff „fett“ positiv besetzen und hat sich das Fotografieren selbst beigebracht. Auf den Bildern findet sich Fett in Form von Rollen, Dehnungsstreifen, Cellulite, Körperformen und deren Abstraktion wieder. Gegenüber Teen Vogue sagt Shoog McDaniel: „Ich mache Fotografie und Kunst. (…) Im Moment geht es wirklich darum, fette Körper zu fotografieren und hervorzuheben, dass es eine Menge Schönheit in Fettleibigkeit gibt.“ Auf dem Instagram-Account kann man einige Fotografien und deren Entstehung sehen:

Fat Shaming ist Diskriminierung

Magda Albrecht schrieb ein Buch über ihr Leben als Fa(t)shionista: Rund und glücklich durchs Leben. Sie beschreibt darin, dass Frauen tragen sollen, worauf sie Lust haben und nicht, was sie beispielsweise dünn aussehen lässt. „Alle sorgen sich um die Gesundheit von dicken Menschen. Aber glauben die Menschen, dass wenn mir jemand auf der Straße zuruft ,Hallo, Fettarsch‘, (…), dass mich das gesünder macht? Ich glaube nicht.“ Albrecht erklärt in einem Video auch: „Wer wirklich über die Gesundheit von dicken Menschen reden will, muss auch darüber reden, was Diskriminierung und Stress mit dicken Menschen macht. Auch das kann zu Krankheiten führen, Stress ist ein anerkannter Faktor.“

Das Thema Fat Shaming, also Fettleibige herabzuwürdigen, ist nach wie vor omnipräsent. Obwohl im Bezug auf die Darstellung von Menschen in den Medien und in der Werbung mittlerweile versucht wird, eine größere Bandbreite in Sachen Körpervielfalt zu repräsentieren, bleibt das Thema „Fett“ nach wie vor negativ besetzt. „Fett“ wird als Schimpfwort benutzt und beinhaltet gleich mehrere problematschiche Unterstellung: Wer fett ist, ist faul, selbst schuld und lebt ungesund. Wer fett ist, geht zu McDonald’s. Wer fett ist, ist undiszipliniert. Wer fett ist, hat nach diesem Denken in unserer Leistungsgesellschaft nichts zu suchen. Aktivist*innen wie Holliday, Albrecht und McDaniel arbeiten gegen diese Bilder an und zeigen: Fat Shaming ist Diskriminierung.