Feline, 17 – „Über meinen ersten Kuss habe ich mir viel zu viele Gedanken gemacht“

Die 17-jährige Feline lässt ihr Handy auf dem Weg zur Schule gerne einfach mal aus. Sie wohnt bei ihrer Mutter und war zuletzt beim Skaten auf dem Tempelhofer Feld in Berlin so richtig glücklich.

In der Serie Youthhood porträtieren wir junge Menschen zwischen 17 und 20 Jahren. Sie erzählen bei ze.tt, wovor sie Angst haben, wie ihr erster Kuss war, wie sie arbeiten wollen und was für sie Familie bedeutet. Sie alle sind als Digital Natives groß geworden und leben in urbanen Räumen, in denen die Mietpreise stetig steigen. Wir wollen wissen, wie es ihnen geht.

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Foto: Ralf Obergfell

Steckbrief

Name: Feline Emma Loock
Alter: 17
Schule: Merian-Schule, Berlin
Geburtsort: Berlin-Kreuzberg
Wohnort: Berlin (Treptow-Köpenick), Deutschland
Gender: Weiblich

ze.tt: Feline, wie bist du aufgewachsen?

Feline: Ich bin mit meinen Eltern in der Nähe des Treptower Parks in Berlin aufgewachsen. Mein Vater hatte bereits einen Sohn und ich habe somit einen älteren Halbbruder, wir haben allerdings nie zusammen gewohnt. Als ich fünf Jahre alt war, haben sich meine Eltern getrennt, und ich habe dann abwechselnd bei meiner Mutter und meinem Vater gelebt, bis dieser verstarb. Die beiden haben sich trotz ihrer Trennung immer sehr gut verstanden und deshalb haben wir immer noch viel zusammen erlebt.

In welchen Momenten legst du dein Handy beiseite?

Ich bin ungern am Handy, wenn ich mit Personen unterwegs bin. Mir ist es wirklich wichtiger, anwesend zu sein und meinem Gegenüber nicht so ein merkwürdiges Gefühl zu geben, wenn ich ständig am Handy hänge. Es gibt auch so kleine Momente, die ich ungestört erleben möchte: Zum Beispiel wenn ich auf dem Weg zur Schule bin und die Sonne gerade aufgeht. Wenn ich zu Hause bin, lege ich es weg, wenn ich esse. Ich möchte dann mit meiner Mutter über den Tag reden. Ansonsten bei allen Unterhaltungen mit meinem Freund oder meiner Mutter.

„Wenn ich auf dem Weg zur Schule bin und gerade die Sonne aufgeht, lasse ich mein Handy aus“

Feline Emma Loock, 17

Wie siehst du die Welt 2050?

Als einen hoffentlich schönen, friedlichen Ort. Einen Ort, an dem jeder so sein kann, wie er möchte und dabei auf andere achtet. Ich wünsche mir ein gutes Miteinander: Probleme, die gesehen werden, und Lösungen, die dafür gesucht werden. Ich würde mir sehr wünschen, dass sämtliche Kriege und Probleme wie Hungersnot kein Thema mehr sind. 

Ab wann sind Menschen für dich alt?

Solange man weltoffen ist, ist man auch jung, denke ich. Oft wird der Begriff  „alt sein“ mit vielem verbunden, was einem aus junger Sicht schwer vorstellbar erscheint. Krankheiten oder auf Hilfe angewiesen zu sein, ist so ein Punkt, den ich mir schwer vorstellen kann und vor dem ich auch ein Stück weit Angst habe. Je älter man wird, desto mehr beschäftigt man sich auch mit Themen, über die man nicht so gerne nachdenkt; zum Beispiel den Tod.

Wovor hast du Angst?

Mir macht die Vorstellung Angst, dass sehr wichtige Personen in meinem Leben verschwinden könnten. Ich würde sagen, dass ich Verlustangst habe. Ich glaube auch, dass es nicht unbedingt Mittel gibt, diese Angst zu vermeiden. Mir helfen Gespräche und gemeinsame Momente mit anderen, um einen Verlust zu verarbeiten. Ich habe mir angewöhnt, offen über so etwas zu reden.

Was gibt dir Hoffnung?

Immer wieder kleine gute Momente geben mir Hoffnung. Menschen, die die Welt zu einem besseren Ort machen. Im Privaten geben mir Gespräche Hoffnung und vielleicht auch Versprechungen. Hoffnung bekomme ich immer dann, wenn Gutes vorhersehbar ist.

Wie gehst du mit Einsamkeit um?

Es fällt mir überhaupt nicht leicht, mit Einsamkeit umzugehen. Ich versuche weitestgehend zu vermeiden, alleine zu sein, aber manchmal hat niemand Zeit und da hilft mir Musik wirklich gut. Ich höre wirklich alles, was mir gefällt, und entscheide, was gerade zu meiner Stimmung passt. Cro höre ich dabei gerne.

Wie möchtest du arbeiten? 

Ich bin da noch ziemlich offen, aber mir sind einzelne Punkte schon bewusst. Ich würde gerne unter Menschen arbeiten und mich an meinem Arbeitsplatz wohlfühlen. Mir würde ein gutes Arbeitsklima gefallen. Ich denke, wenn jeder freundlich zu seinen Kollegen ist und Freude mit in den Job bringt, ist alles einfacher. Ich möchte keinen Bürojob machen. Ich wäre gerne in Berlin unterwegs, in einem Job, in dem ich mit verschiedenen Kunden zu tun habe und auch mal aus dem Homeoffice arbeiten kann. Ich befürworte die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens, weil es wichtig ist, nicht am Existenzminimum herumzukrebsen.

Ich befürworte die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens, weil es wichtig ist, nicht am Existenzminimum herumzukrebsen.

Feline Emma Loock, 17

Was setzt dich unter Druck?

Ich mache mir, glaube ich, selbst am meisten Druck. Meistens habe ich weniger Druck bei Schularbeiten als bei Projekten, die ich mir selber vornehme. Zum Beispiel bastel ich gerne Fotobücher als Geschenke für Freunde. Es ist keinesfalls so, als hätte ich ein stressiges Umfeld, aber ich mache gerne Projekte gut, bis ich eben auch wirklich zufrieden bin. Zeitdruck hilft mir sogar öfter dabei. Ich treffe mich sehr gerne mit meinem Freund, weil ich dann einfach nicht gestresst bin.

Wie war dein erster Kuss?

Sehr schön. Eine Erinnerung, die ich auf keinen Fall missen möchte. Wir waren damals in der Wohnung meines besten Freundes. Ich habe mir viel zu viele Gedanken darüber gemacht und bin wirklich froh, dass mein Freund mit viel Verständnis rangegangen ist. Umso glücklicher bin ich darüber, dass er immer noch mein Freund ist. 

Ich habe mir viel zu viele Gedanken über meinen ersten Kuss gemacht und bin wirklich froh, dass mein Freund viel Verständnis gezeigt hat.

Feline Emma Loock, 17

Was bedeutet für dich Familie?

Familie bedeutet für mich Liebe und Rückhalt. Meine engsten Freunde zähle ich auch zu meiner Familie und kann deshalb nur sagen, dass meine Familie für mich etwas Schönes und Wichtiges ist. 

In welchen Momenten fühlst du dich nicht ernst genommen?

Als junge Person ist es mittlerweile nicht mehr so ein Problem, wahrgenommen zu werden, aber dennoch fällt mir auf, dass junge Menschen öfter zu spüren bekommen, dass sie eben noch Kinder seien und keine Ahnung hätten. Das sind eher kleine Situationen, die im Alltag passieren. Als Jugendliche bekommt man schnell mal zu hören, dass man noch keine große Lebenserfahrung hat und deshalb wenig nachempfinden kann.

Familie bedeutet für mich Liebe und Rückhalt.

Feline Emma Loock, 17

Wann hast du dich das letzte Mal so richtig glücklich gefühlt?

Ich war die letzten Tage auf dem Tempelhofer Feld mit meinem Freund. Es war mal wieder Zeit, das Longboard rauszuholen und einfach damit rumzufahren. Das Wetter war typisch herbstlich: Sonne und eine Temperatur, die ausreicht, um nur einen Pullover anzuziehen. Perfekt. Mein Freund hat mir außerdem eine Fußballstunde gegeben, damit ich mich etwas verbessern kann. Es hat mich so glücklich gemacht, weil ich einfach an nichts denken musste. Ich konnte mich fallen lassen und tolle Gespräche führen. Das schätze ich sehr.


Teil 1: Sebastian, 19 – „Manchmal fühle ich mich einsam, wenn ich auf einer Party bin“