#Female Pleasure: Dieser Film zeigt, dass weibliche Sexualität noch immer unterdrückt wird

Eine Dokumentation thematisiert die Tabuisierung der weiblichen Lust in verschiedenen Weltreligionen und zeigt, wie fünf Frauen sich gegen patriarchale Strukturen wehren.

Die japanische Künstlerin Rokudenashiko fährt in ihrem vulvaförmigen Kanu durch Tokyo.

Die japanische Künstlerin Rokudenashiko fährt in ihrem vulvaförmigen Kanu durch Tokio. Foto: X-Verleih

In welchen Momenten sprechen wir über weibliche Lust und die gesellschaftlichen Strukturen, die dafür sorgen, dass die Sexualität von Frauen noch immer gesellschaftlich unterdrückt wird? Abends, bei einem Glas Rotwein mit Freund*innen? In der Mittagspause? Oder nach dem Kinobesuch? Es könnte sein, dass gerade der dritte Fall bald vermehrt auftreten wird und wir mit Popcornkrümeln am Pulli über die Tabuisierung weiblicher Lust diskutieren. Denn seit gestern läuft #Female Pleasure in den deutschen Kinos.

Die Dokumentation der Schweizer Regisseurin Barbara Miller erzählt die Geschichten von fünf Frauen aus verschiedenen Weltreligionen und ihren Umgang mit den Themen Sexualität, Unterdrückung und Gewalt. Jede der Frauen setzt sich auf unterschiedliche Weise für sexuelle Selbstbestimmung und die körperliche Unversehrtheit von Frauen ein. Auch wenn die Lebensrealitäten der Frauen sich zum Teil stark unterscheiden, gibt es doch viele Gemeinsamkeiten zwischen ihnen. Vor allem wird klar: Wahre sexuelle Selbstbestimmung ist für viele Frauen auf der ganzen Welt noch immer keine Selbstverständlichkeit.

Das Patriarchat als universelle Religion

So thematisiert #Female Pleasure unter anderem die Verhaftung der japanischen Künstlerin Rokudenashiko. Sie hatte aus einem vergrößerten Abdruck ihrer Vulva ein Kanu angefertigt und war darin durch Tokio gepaddelt. Wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses nahm die Polizei sie fest. Dieses Unwohlsein angesichts öffentlich dargestellter Anfertigungen von Geschlechtsteilen kommt bei Penissen hingegen nicht auf: Beim Fest des stählernen Penisses feiern Japaner*innen jährlich das männliche Geschlechtsteil.

Die jüdische Autorin und Aktivistin Deborah Feldman setzt sich dafür ein, dass weibliche Lust in ultraorthodoxen chassidischen Gemeinden nicht mehr als Problem angesehen wird, das es zu unterdrücken gilt. Nach ihrer Kindheit in einer Gemeinde in Brooklyn brauchte Feldman viel Kraft, um den religiösen Strukturen zu entfliehen und ihre eigene Sexualität nicht als unrein anzusehen.

Außerdem erzählt #Female Pleasure von der Aktivistin Leyla Hussein, die versucht, mehr Bewusstsein für die Ausmaße von weiblicher Genitalverstümmelung und ihren Folgen für Betroffene zu schaffen. Die indische Aktivistin Vithinka Yadar möchte sich mit ihrem Netzwerk Love Matters für mehr Hochzeiten aus Liebe in Indien einsetzen. Und die ehemalige Nonne Doris Wagner berichtet davon, wie sie sich öffentlich gegen einen Pfarrer wehrte, der sie jahrelang vergewaltigte. Von Kirchenoberhäuptern, dem Vatikan, aber auch der Justiz fühlte sich Wagner lange alleingelassen.

Empowerment auf der Leinwand

Die unterschiedlichen Aspekte, unter denen der Film den gesellschaftlichen Umgang mit weiblicher Lust in verschiedenen Ländern und Religionen betrachtet, wurden sowohl von Zuschauer*innen als auch von Kritiker*innen vielfach gelobt. Denn trotz aller erschütternden Bilder werden die Frauen nicht in Opferrollen gedrängt. Vielmehr handeln ihre Geschichten von Selbstermächtigung und Solidarität.

Einige Zuschauer*innen kritisierten, der Film würde emanzipatorischen Ansätzen in den religiösen Gemeinden nicht genug Platz einräumen und befürchten, dass insbesondere die Erlebnisse der muslimischen Protagonistin von rechter Seite instrumentalisiert werden könnten.