Fitnessapp verrät, wo sich geheime US-amerikanische Militärstützpunkte befinden

Außer US-Soldat*innen benutzt in Ländern wie Syrien oder Afghanistan fast niemand die Fitnessapp Strava. So wurden versehentlich geheime Stützpunkte verraten.

Wer mit der Fitnessapp Strava um ein Militärcamp wie dieses im Irak joggt, hat vielleicht schon sensible Informationen preisgegeben. © Getty Images, DOD

Die App Strava ist ein soziales Netzwerk für Sportler*innen weltweit. Sie ermöglicht zum Beispiel Jogger*innen, ihre Routen mit anderen Nutzer*innen auf digitalen Karten zu teilen. Auch Soldat*innen die auf Militärstützpunkten weltweit stationiert sind, nutzten gerne Strava für ihre sportlichen Aktivitäten. Vermutlich nicht mehr lange. Denn wie die britische Zeitung The Guardian berichtet, wird die harmlose Fitnessapp auf Militärbasen angewendet leicht zur verhängnisvollen Sicherheitslücke.

Im Nahen Osten nutzen fast nur ausländische Soldat*innen die App

Da in Ländern wie Syrien fast ausschließlich ausländische Soldat*innen Strava nutzen, kann man anhand der von ihnen online gestellten Routen die Standorte ausländischer Militärbasen ausfindig machen. Auf diese Weise wurden auch geheime Militärstandorte, die aus strategischen Gründen oder zum Schutz der dort stationierten Mitarbeiter*innen nicht öffentlich bekannt sind, auf den Karten der App sichtbar.

Denn die leuchtenden Routen, welche die Jogger*innen auf der Heatmap von Strava hinterlassen, stellen in Ländern wie Afghanistan und Syrien, wo die App kaum genutzt wird, Ausnahmen dar. So lässt sich ableiten, dass sich an den erleuchteten Stellen auf denen Routen erfasst wurden, wohl ein Militärstützpunkt befinden muss. Auf Onlinekartendiensten wie Google Maps wurden die Stützpunkte bewusst nicht verzeichnet.

Student macht auf Sicherheitslücke aufmerksam

Der 20-jährige Student Nathan Russer, der für das Institute for United Conflict Analysts arbeitet, das Geoinformationssysteme in Konfliktgebieten auswertet, hatte zuerst auf den verhängnisvollen Nebeneffekt von Strava hingewiesen.

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Russer machte außerdem deutlich, dass die App nicht nur Auskunft darüber gibt, wo sich ein Militärstützpunkt befindet, sondern auch darüber, wie sich auf ihm bewegt wird. Dadurch ist sie nicht nur auf geheimen Missionen gefährlich, sondern auch wenn sie auf einem offiziellen Stützpunkt die Routen ihrer Träger*innen trackt. Denn wenn die App nicht nur zum Joggen getragen wird, sondern den ganzen Tag aktiviert bleibt, kann sie zum Beispiel auch Auskunft über die Patrouillengänge der Soldat*innen auf einer Basis geben.

Weil Strava die getrackten Routen der Nutzer*innen visualisiert und auch noch frei zugänglich zur Verfügung stellt, kam die Diskussion um mögliche Risiken von Trackingdiensten jetzt wieder ins Rollen. Prinzipiell können aber alle Apps, welche die Bewegungen ihrer Nutzer*innen erfassen und tracken zur Sicherheitslücke werden. Deshalb ist es Militärangestellen auf einigen sensiblen Stützpunkten bereits verboten worden, Smartphones und Tablets aktiviert bei sich zu tragen, wie das US-amerikanische Technikmagazin The Verge berichtet und sich dabei auf wissenschaftliche Erkenntnisse der Naval Postgraduate School in Kalifornien beruft.

Was sind die Konsequenzen der Enthüllung?

Eine Sprecherin des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums sagte laut einem der Bericht der BBC, sie nähmen die Angelegenheit sehr ernst. Die Diskussion um Strava zeigt wieder einmal, wie viel die Daten, die wir über unser Smartphone, unser Fitnessarmband oder auch unserer Fitnesswatch preisgeben, über uns verraten. Was auf den ersten Blick wie eine harmlose, ansprechend visualisierte Heatmap für Jogger*innen wirkt, verrät weitaus sensiblere Informationen über uns, als man auf den ersten Blick vermutet.