FPÖ bringt rechten Maler in den Kulturrat

Die FPÖ hat einen deutschnationalen Maler in den Landeskulturbeirat gesetzt, der sich in seinen Bildern immer wieder NS-Symbole bedient. Das geht sogar Österreichs größter Boulevardzeitung zu weit.

FPÖ bringt NS-verherrlichenden Künstler in den Kulturrat

Der Burschenschafter Odin Wiesinger (links) ist einer der Lieblingskünstler der FPÖ und ein "guter Freund" von Norbert Hofer (rechts). Illustration: Elif Kücük / ze.tt

Soldaten mit Helmen, stolz erhobene Burschenschafter, Raben, Krieg, Totenköpfe und Bären beim Hitlergruß – der Künstler Manfred Wiesinger vergöttert das Deutschnationale sowie die nordisch-germanische Mythologie. Er illustrierte bereits für rechtsextreme Medien wie Info-Direkt und das mittlerweile eingestellte Aula-Magazin. Eine seiner Bilderserien nannte er: Endsieg.

Seine Bilder signiert er mit seinem Künstlernamen Odin (nach dem nordischen Göttervater) und des öfteren auch mit einem Logo, das der Odalrune sehr ähnlich sieht – sie wurde im Dritten Reich von den Nationalsozialist*innen verwendet. Manfred Wiesinger ist Mitglied der schlagenden Burschenschaft Scardonia und fester Bestandteil der rechten Szene in Österreich. Er ist Norbert Hofers (Verkehrsminister, FPÖ) Lieblingsmaler, wie dieser mehrmals betonte, und ein Freund der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). Und nun auch Kulturbeirat in Oberösterreich. Wie geht das?

Wiesinger wurde von der FPÖ zum Kulturbeirat in Oberösterreich nominiert und am Montagnachmittag auch mehrheitlich von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der FPÖ gewählt. Ab 8. Juni wird er in seiner neuen Funktion fungieren. Der Landeskulturbeirat berät die Landesregierung in grundsätzlichen Fragen der Kulturpolitik, organisiert Ausstellungen und Kulturkonzepte und bezieht Stellung zu Kulturförderungen – definiert also Kunst und Kultur im Bundesland stark mit. Neun Mitglieder werden dazu von der Landesregierung – nach dem Verhältnis der Vertretung der Parteien in der Landesregierung – ernannt. Die Funktionsperiode beträgt vier Jahre.

Kritik am FPÖ-nahen Maler

SPÖ-Landesrätin Birgit Gerstorfer stimmte gegen die Ernennung Wiesingers und betont, dass damit ein Künstler, welcher „in rechtsextremen Medien publiziert und immer wieder Nähe zu NS-Ideologien anklingen lässt, eine offizielle Funktion des Landes“ bekomme. Sie habe bis zum Schluss ein Einschreiten von Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) erwartet, bisher passierte nichts dergleichen. Auch der Grüne Landesrat Rudi Anschober stimmte gegen Wiesinger und kritisiert: „Es ist wirklich enttäuschend, dass die Volkspartei auch diese neuerliche Provokation der FPÖ nicht stoppt und damit auch einen Schaden für das Kulturland Oberösterreich hinnimmt. Wann ist endlich die Grenze erreicht?“

Wann ist endlich die Grenze erreicht?

Landesrat Rudi Anschober

Auch Österreichs größtes Boulevardblatt, die Kronen Zeitung, kritisiert die Ernennung des rechten Künstlers zum Kulturbeirat – obwohl sie sich sonst eher selten regierungskritisch äußert. Seither spekulieren User*innen in den sozialen Medien, dass Wiesinger doch wieder zurücktreten müsse, noch bevor sein Amt beginnt. „Odin Wiesinger wird dort nicht lange sitzen. Das geht sich in diesem Land (noch nicht) aus. Bis zum Wochenende ist der abberufen“, schreibt Euke Frank, die Chefredakteurin von Woman, auf Twitter.

Der Künstler selbst beschwert sich derweil auf Facebook in einem Posting über die „Menschenjagd“ auf ihn und erhofft sich Beistand von seiner Partei: „Von meinen Freunden in der FPÖ und diversen Funktionären erwarte ich, daß sie für mich das Wort ergreifen, so wie sie es für Andreas Gabalier getan haben!“


„Was geht mit Österreich?“ Mit dieser Frage beschäftigt sich unsere Korrespondentin Eva Reisinger in ihrer Serie. Sie lebt halb in Berlin und halb in Wien und erzählt euch, was ihr jeden Monat über Österreich mitbekommen müsst, worüber das Land streitet oder was typisch österreichisch ist. Wenn du unseren Österreich-Newsletter abonnierst, bekommst du ihn alle zwei Wochen in dein Postfach.