Frances McDormand zeigt bei den Oscars, wie konkret Feminismus sein kann

Kein schwarzes Kleid, kein Hashtag, aber dafür eine Forderung: Frances McDormand schloss ihre Rede mit einem Vorschlag, der die Situation von Frauen und Minderheiten in der Filmbranche verbessern könnte.

"Was ist eigentlich Inclusion Rider?", fragten sich manche nach McDormand Rede auf den Oscars 2018.

"Was ist eigentlich Inclusion Rider?", fragten sich manche nach McDormands Rede bei den Oscars 2018. © Alberto E. Rodriguez/ Getty Images

„Ich lasse euch heute Abend mit zwei Worten zurück: Inclusion Rider!“, so kryptisch schloss die Schauspielerin Frances McDormand ihre Dankesrede bei den diesjährigen Oscars. McDormand war in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ für ihre Leistung in dem Film Three Billboards Outside Ebbing, Missouri mit einem Oscar ausgezeichnet worden.

Die wenigsten Anwesenden auf der Preisverleihung der Academy Awards in Los Angeles werden auf Anhieb verstanden haben, was McDormand mit Inclusion Rider meinte.

Eine Wissenschaftlerin hatte die Idee zu Inclusion Rider

Bei Inclusion Rider handelt es sich um einen Vorschlag der Medienwissenschaftlerin Stacy Smith, den sie 2016 auf einem TED-Talk der Öffentlichkeit präsentierte. Die Wissenschaftlerin und Gründerin der USC Annenberg – Shool for Communication and Journalism befasst sich unter anderem mit Personalstrukturen in der Filmbranche und bemerkte schon lange bevor #MeToo Hollywood in Aufregung versetzte, dass Frauen und Minderheiten in der amerikanischen Filmbranche vor der Kamera benachteiligt sind.

Zwei Worte können viel bewirken, wenn die Richtige sie zum richtigen Zeitpunkt ausspricht

Smiths Vorschlag geht folgendermaßen: Erfolgreiche Schauspieler*innen, meistens die Hauptdarsteller*innen eines Hollywoodfilms, haben laut Smith so viel Macht, dass die Produktionsfirmen ihnen gestatten, gesonderte Forderungen in ihre Verträge zu integrieren. Konkret bedeutet das, dass eine Schauspielerin wie Meryl Streep in ihren Arbeitsvertrag schreiben lassen kann, dass sie nicht vor 11 Uhr morgens arbeiten möchte. Es heißt aber auch, dass sie in ihren Vertrag schreiben lassen kann, dass sie nur dreht, wenn der Film mit beispielsweise 40 Prozent Frauen oder 40 Prozent People of Color besetzt wird.

Smith schlägt prominenten Schauspieler*innen vor, ihren Einfluss dafür zu nutzen, die Branche nachhaltig zu verändern. Indem die Oscargewinnerin McDormand ihre Dankesrede nutzte, um den Vorschlag publik zu machen, ging sie vorbildlich voran und zeigte, dass sie bereit dafür ist, den ihr eben verliehenen Einfluss für Gleichberechtigung zu nutzen.

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McDormand gelang es mit dieser Dankesrede Aufmerksamkeit für den Vorschlag Smiths zu erlangen. Smith selbst sagte gegenüber der britischen Zeitung The Guardian, dass sie nicht geahnt hatte, dass McDormand ihren Vorschlag auf den Oscars aufgreifen würde. Für sie war die Rede genauso eine Überraschung: „Ich hoffe, ich bekomme morgen Anrufe von Agenturen, die sagen, dass sie den Vorschlag in die Tat umsetzen wollen“.

Die Schauspielerin Whitney Cummings twitterte, neben anderen Schauspielkolleg*innen sogleich, dass sie vorhabe, den Vorschlag zu unterstützen. Unter anderem, weil Filme einfach besser würden, wenn Frauen und Minderheiten darin in Zukunft realistisch abgebildet würden.