Trotz Tumulten im vergangenen Jahr: Fünf rechte Verlage und Björn Höcke kommen zur Frankfurter Buchmesse

Die Buchmesse wird sich auf Proteste einstellen müssen: Es werden wieder rechte Verlage ausstellen. Nach ze.tt-Informationen stellt zudem AfD-Politiker Björn Höcke sein Buch vor.

Buchmesse Frankfurt - Protest bei Höcke-Lesung

Thüringens AfD-Landes- und Fraktionschef Björn Höcke 2017 auf der Buchmesse in Frankfurt. Am Rande seiner Lesung kam es zu Protesten gegen Höcke und Rangeleien mit Ordnern. Er wird auch in diesem Jahr vor Ort sein. Archivbild: © Frank Rumpenhorst / dpa

Auf der Frankfurter Buchmesse, die am 10. Oktober startet, dürfen auch in diesem Jahr wieder rechte Verlage ausstellen und rechte Politiker*innen sprechen. Es werden, anders als bisher von der Messeleitung kommuniziert, mehr als drei rechte Verlage vor Ort sein. Das sind mehr als im vergangenen Jahr. ze.tt konnte vier rechte Verlage aus Deutschland und einen aus Österreich ausmachen, die in verschiedenen Hallen untergebracht werden.

Die Messe wird sich daher auch in diesem Jahr auf Gegenprotest und mögliche Tumulte einstellen müssen. 2017 war es zu unschönen Szenen gekommen: Bei einer Lesung der Jungen Freiheit wurde ein Protestierender ins Gesicht geschlagen, bei einem Auftritt des als rechtsextrem eingestuften AfD-Politikers Björn Höcke kam es beinahe zu einer Saalschlacht zwischen Rechten und linken Aktivist*innen.

Höcke bestätigte über einen AfD-Sprecher gegenüber ze.tt, dass er die Buchmesse auch in diesem Jahr wieder besuchen werde. Er wird dort am Freitagabend, den 12. Oktober, um 19 Uhr sein Buch Nie zweimal in denselben Fluss vorstellen. Die Einladung dazu bekam er vom rechten Verlag Manuscriptum, wie das Journal Frankfurt berichtete.

Welche rechten Verlage kommen?

1. Manuscriptum Verlagsbuchhandlung, Halle 4.1

Der Verlag verlegt unter anderem die AfD-Politiker Alexander Gauland und Björn Höcke. Auch der Autor Akif Pirinçci, der Bücher wie Die große Verschwulung schreibt und auf seinem Hetzblog diffamierende Beiträge über Journalist*innen verfasst, wird von Manuscriptum verlegt.

2. Junge Freiheit Verlag, Halle 4.1

Der Junge Freiheit Verlag verlegt eine gleichnamige Wochenzeitung mit Sitz in Berlin. Sie gilt als Sprachrohr der neuen Rechten, sie selbst bezeichnet sich als konservative Zeitung. Einige Redakteur*innen sind in der AfD aktiv, darunter der Pressesprecher des Berliner Landesverbands Ronald Gläser, der Winston Churchill in einer Kolumne 2010 einen „Kriegsverbrecher“ nannte. Expert*innen kritisieren, dass die Zeitung Angst vor Menschen mit Migrationshintergrund schürt.

3. Leopold Stocker Verlag, Halle 3.1

Der Verlag mit Sitz im österreichischen Graz verlegt großteils Landwirtschafts-Literatur. Teilweise im eigenen Haus, vor allem jedoch im Tochterunternehmen Ares-Verlagerscheint rechtskonservative bis rechtsextreme Literatur. So erscheint vierteljährlich die Zeitschrift Neue Ordnung, in der sich etwa positive Aussagen zu Faschismus finden lassen. Auch Alain de Benoist, der als maßgeblicher Vordenker der neuen Rechten gilt, wird von Ares verlegt.

4. CATO Verlag, Halle 4.1

Der Verlag gibt das gleichnamige Zweimonats-Magazin Cato heraus, das sich selbst als das „meinungsbildende Medium, das für den vergessenen Wert des Bewahrens eintritt“ beschreibt. Initiiert wurde es unter anderem von Karlheinz Weißmann, einem führenden Vertreter der neuen Rechten. In einem Beitrag verteidigte der Chefredakteur das umstrittene Buch Finis Germania, das in Teilen rechte Verschwörungstheorien befeuert und die deutsche Gedenkkultur bezüglich des Holocausts kritisiert.

5. Ahriman-Verlag, Halle 4.1

Sich selbst bezeichnet der Verlag als „links und daher Voltairiane“. Beim Ahriman-Verlag erscheinen allerdings Bücher wie Die Flutung Europas mit falschen Flüchtlingen, in dem unter anderem von „Rapefugees“ die Rede ist. Der Verlag bedient sich weiter Begriffen wie „Rasse“, „Endsieg“ oder „Soros-Verschwörung“.

Buchmesse äußerte sich gegenüber ze.tt nicht zu Höckes Auftritt

Vergangene Woche teilte Buchmesse-Sprecherin Katja Böhne mit, die Messe sei im vergangenen Jahr durch Provokationen der neuen Rechten „instrumentalisiert“ worden. „Wir waren nicht gut vorbereitet“, sagte Böhne. Es gebe zudem ein Konzept zum Umgang mit rechten Verlagen und laut Buchmessen-Direktor Jürgen Boos ein Sicherheitskonzept 2018, das Tumulte wie im vergangenen Jahr verhindern solle. Im Vorfeld hatte die Messeleitung dazu etwa mitgeteilt, rechte Verlage würden zusammen in einen Bereich in Halle 4.1 untergebracht. Das ist jedoch nicht der Fall: Der Leopold Stocker Verlag etwa wird in Halle 3.1 ausstellen.

Die Frankfurter Buchmesse wollte sich dazu, sowie zu Höckes Auftritt auf der Buchmesse, auf mehrfache Anfrage von ze.tt nicht äußern.