Frauen in Japan wehren sich gegen hohe Schuhe bei der Arbeit

Eine Petition fordert ein Gesetz, das es verbietet, Frauen zum Tragen hoher Schuhe am Arbeitsplatz zu zwingen. Initiatorin ist die Japanerin Yumi Ishiwaka.

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Yumi Ishikawa startete die Petition gegen den Stöckelschuhezwang. Foto: Charly Triballeau / AFP / Getty Images

In Japan gibt es an vielen Arbeitsplätzen eine Kleiderpflicht: Frauen sollen in weit geschnittenen Hosen in dunklen, gedeckten Farben und – ganz wichtig – hohen Schuhen erscheinen. In manchen Unternehmen ist diese Kleiderordnung sogar vertraglich geregelt. Yumi Ishikawa hat genug davon. Die 32-Jährige, die unter anderem als Model, Kellnerin und Hostess arbeitet, hat wiederholt erlebt, wie Betriebe ihr vorschrieben, was für Schuhe sie bei ihrer Arbeit zu tragen habe.

Für Yumi Ishikawa eine Unverschämtheit. „Solche Vorgaben sind übergriffig“, erklärte sie bei einer Pressekonferenz in Tokio. Darum startete sie eine Petition, die inzwischen von über 200.000 Menschen unterzeichnet wurde. Darin fordert sie ein Gesetz, dass es Unternehmen verbietet, Mitarbeiterinnen zum Tragen hoher Schuhe zu zwingen. Dies sei Diskriminierung, so Yumi Ishikawa. Denn eine Kleiderpflicht im Büro wäre nur zulässig, wenn sie für Mitarbeiter*innen aller Geschlechter gelten würde – und nicht nur für Frauen.

Petition gegen sexistischen Schuhzwang

Inzwischen wurde die Petition an das Gesundheits- und Arbeitsministerium weitergereicht, das die Petition prüfen möchte. Sollte es zu einem Verbot kommen, wäre Japan nach Kanada das zweite Land der Welt, das ein Verbot zum Zwang von Stöckelschuhen erlässt. Der Versuch, ein solches Gesetz in Großbritannien zu erlassen, war 2017 gescheitert. Dort hatte eine Rezeptionistin eine ähnliche Petition gestartet. Sie erhielt eine Kündigung, nachdem sie sich geweigert hatte, Schuhe mit hohen Absätzen zu tragen.

Bisher sieht es eher schlecht für Yumi Ishikawa und ihre Mitstreiter*innen aus. Takumi Nemoto, japanischer Arbeitsminister und damit für die Petition zuständig, erklärte in einer Rede vor einem Parlamentsausschuss, in manchen Jobs seien die Schuhe „notwendig und angemessen“. Allerdings herrscht in Japan ein starker Mangel an Arbeitskräften. Das begünstigt die Verhandlungsposition der Frauen. So erklärte Japans Premierminister Shinzo Abe, er wünsche sich ausdrücklich eine bessere Einbindung weiblicher Fachkräfte in den Arbeitsmarkt.

Gleichzeitig fällt die Regierung immer wieder durch frauenfeindliche Aussagen auf: Frauen werden auf ihre Gebärfähigkeit und Mutterrolle reduziert. Außerdem ist die Regierung sehr männlich geprägt. Nur eine Frau sitzt im Kabinett.

#KuToo für einen Arbeitsalltag ohne Schmerzen

Im Vorfeld der Petition hatte Yumi Ishiwaka ihre Wut über die Schuhvorschriften auf Twitter geteilt  und erhielt dafür viel Zuspruch. Sie verwendete den Hashtag #KuToo, in Anlehnung an #MeToo. Der Hashtag spielt allerdings auch auf die Ähnlichkeit von Kutsu, dem japanischen Wort für Schuh und Kutsuu, dem Wort für Schmerz an.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Japan sich von einer Kleiderordnung verabschiedet. 2005 wurde die Krawattenpflicht in Büros abgeschafft. Die Begründung: Männer, die ohne Anzug und Krawatte im Büro sitzen, sind weniger auf eine Klimaanlage angewiesen. Das schont die Umwelt und spart Geld. Es bleibt abzuwarten, ob Frauen auch bald auf hohe Schuhe verzichten können.