Frauenparkplätze: Warum ich mich für andere Männer in Grund und Boden schäme

Ein Mann klagt gegen Frauenparkplätze. In das Schutzangebot für Frauen interpretiert er eine Marginalisierung von Männern, die es so nicht gibt. Ein Kommentar

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Manch einer schlägt beim Thema Frauenparkplatz direkt Alarm. Symbolbild: Henry & Co. / Unsplash | CC0

Die Stadt Eichstätt in Oberbayern entschied sich nach der Vergewaltigung einer Frau im Jahr 2016, Parkplätze, die nicht so weit abgelegen und besser beleuchtet sind, als Frauenparkplätze auszuweisen. Das stieß dem Jura-Studenten Dominik Bayer Anfang 2017 wohl so übel auf, dass er kurzerhand eine Klage einreichte.

Diesen Mittwoch wurde der Fall vor dem Münchner Verwaltungsgericht verhandelt. Dominik Bayer gehe es mit seiner Klage um die „Gleichberechtigung von Mann und Frau“, sagt er. Als Mann fühle er sich von den Frauenparkplätzen diskriminiert. Warum man Dominik Bayers Aktion als vernunftbegabter Mann so schwer ertragen kann, liegt auf der Hand.

Alarm, Alarm!

Vor nicht allzu langer Zeit folgten auf die #metoo-Bewegung Spott und Häme – es sei verwunderlich, dass sich so viele Frauen erst nach so vielen Jahren mit ihren Missbrauchsgeschichten äußern würden. Ähnlich wurde der Women’s March von Männern als reine Eventisierung realer Sexismusopfer abgetan, denen würde man damit einen Bärendienst erweisen.

Dass ein Dominik Bayer jetzt gegen Frauenparkplätze vor Gericht zieht, ist für mich nur eine traurige, aber logische Fortsetzung einer Frauen-Kleinhaltungstaktik, die sich heute viraler und schneller denn je verbreitet. Sie funktioniert nach meinen Beobachtungen etwa so: Sobald es in unserer Gesellschaft zur Abwechslung mal um Frauen geht, wenn Frauen im öffentlichen Diskurs überhaupt erst sichtbar gemacht werden, fühlt sich so mancher Mann dazu berufen, sofort wild in die Tasten zu hauen und seinen Unmut darüber in die Welt zu röhren.

Eigentlich bin ich kein Freund des Alarmismus-Begriffs, weil er häufig von Klimaleugner*innen, Menschenfeind*innen und Rassist*innen verwendet wird, um Argumente zu entkräften und als Befindlichkeiten abzutun. Im Fall von Dominik Bayer handelt es sich tatsächlich um Alarmismus: Der 25-Jährige interpretiert in das Schutzangebot für Frauen eine Marginalisierung von Männern, die es so nicht gibt.

Dominik Bayer und ich sind etwa gleichalt. Ich bin Journalist, er ist angehender Jurist. Woher er sich die Zeit für die Klage nimmt, bleibt mir ein Rätsel. Vor allem aber in der Einschätzung, was vor Gericht landen sollte und was nicht, gehen wir getrennte Wege. Glücklicherweise zeigt mir Twitter, dass ich nicht allein mit meiner Meinung bin.

Auf den Boden der Tatsachen

Tatsache ist, das Dominik Bayer mit seiner Aktion niemandem eine Freude bereitet – Frauen nicht und auch uns Männern nicht. Denn was hier entsteht, ist das Bild eines Mannes, mit dem ich mich nicht identifizieren möchte: eitel und rechthaberisch mit Tunnelblick.

Tatsache ist, dass die Parkplätze eingerichtet wurden, um Frauen Schutz anzubieten. Das blaue Parkschild mit dem Vermerk „nur für Frauen“ erwirkte bislang den Eindruck eines rechtswirksamen Straßenschilds. Ein mögliches Bußgeld wegen Falschparkens auf dem Frauenparkplatz zu kassieren, war vielleicht auch Dominik Bayer ein Dorn im Auge. Die Stadt hat sich zum Glück dazu entschieden, die Anlagen zu behalten. Leider mit der Änderung, dass in Zukunft ein Hinweisschild darauf vermerken soll, dass auch Männer die Parkplätze nutzen dürfen, ohne dafür belangt zu werden. Männer wie Dominik Bayer holen sich hier Dinge zurück, die ihnen zu keinem Zeitpunkt abhanden gekommen sind.

Dominik Bayer verharmlost mit seinem Handeln den Schutz von Frauen vor Vergewaltigungen. Denn Gleichberechtigung von Mann und Frau bedeutet in meinen Augen nicht, dass auf den expliziten Schutz von Frauen verzichtet werden soll, damit das männliche Ego nicht gekränkt wird. Wenn das Gegenteil aber die Message eines angehenden Juristen sein soll – dann gute Nacht.

Die Parkplatz-Äffare ist die jüngste Ausgeburt einer privilegierter Perspektive. Einer Kurzsicht, die immer mit einem affektgeladenen Echauffieren über Dinge einhergeht, die einen großen Teil der Gesellschaft selbst gar nicht betreffen. Als Mann bin ich eben weniger gefährdet, Opfer einer Vergewaltigung zu werden. Das lässt sich statistisch belegen.

Dass ein Parkplatz nicht nur zum Parken genutzt wird, begreift man nur, wenn man den eigenen Standpunkt wenigstens für fünf Minuten verlässt. Es könnte ja einen berechtigten Grund für die extra eingerichteten Parkplätze geben. Fakt ist: Frauen brauchen Schutz. Nicht weil sie schwach sind, sondern weil es noch immer genügend Männer gibt, für die Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung eine okaye Form des Flirtens oder der Kontaktaufnahme sind. Wer schimpft, sollte sich das vergegenwärtigen und wird dann hoffentlich schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ein Platz, auf den auch Dominik Bayer sich schleunigst wieder begeben sollte.