Fridays for Future: „In echt bin ich Schüler und habe gar keine Zeit“

Immer freitags streiken sie für eine konsequentere Klimaschutzpolitik. Wer organisiert die Klimaschutzbewegung – und wie? Drei Protokolle

Fast einen ganzen Arbeitstag lang setzt sich Linus für das Klima ein. Bearbeitung: Elif Kücük / ze.tt

Linus, 15 Jahre, Schüler aus Göttingen

Das erste Mal gestreikt habe ich im Dezember, das war ziemlich spontan. Ein Freund hat mich zu einer WhatsApp-Gruppe hinzugefügt, in der Klimastreiks besprochen wurden. Im Chat waren Leute aus sechzehn Städten und der Konsens war: Lasst uns am Freitag streiken. In internationalen Medien hatte ich schon vorher von Greta gelesen. Unsere Vorbereitung lief über WhatsApp, Pressemitteilungen haben wir auch geschrieben.

Mittlerweile bin ich bei Fridays for Future für die Finanzen zuständig. Wir haben ein Spendenkonto, das ich betreue. Für den Streik am 25. Januar haben wir Busse für über 1.000 Menschen nach Berlin organisiert. Die Busse werden von den Spenden bezahlt und das muss natürlich alles richtig abgerechnet werden. Das ist erstaunlich viel Arbeit.

Das ist erstaunlich viel Arbeit.

Linus

Außerdem bin ich Delegierter für die internationale Vernetzung. Es ist ein bisschen verrückt, Fridays for Future auf internationaler Ebene zu organisieren. Da sitze ich dann manchmal drei Stunden lang mit Menschen aus der ganzen Welt in einer Telefonkonferenz und plane eine internationale Medienstrategie – und in echt bin ich Schüler und habe gar keine Zeit.

Der 15. März wird ein wichtiger Tag. Ich bin in Kontakt mit Leuten aus über 50 Ländern. Wir wollen an diesem Tag gleichzeitig streiken. Damit wollen wir klar machen, dass der Klimawandel keine Grenzen kennt. Und auch, dass es um unsere Zukunft geht, die von der Politik verhandelt wird. Ich war für Fridays for Future bei der Kohlekommission und das war kurios. Der Altersdurchschnitt dort liegt bei 50 Jahren. Uns wurde zwar kurz zugehört, aber eigentlich müssten dort Jugendliche mit am Tisch sitzen bei den Verhandlungen. Es ist Politik, die uns betrifft. Erst wenn die Politik sich so verändert, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens eingehalten werden, können wir aufhören zu streiken.

Matilda, 14 Jahre, Schülerin aus Dresden

Ich bin erst vor Kurzem von Meißen nach Dresden gezogen. Vor meinem Umzug war ich Rettungsschwimmerin und habe überlegt, was ich in Dresden so machen könnte. Ich wollte mich gegen Massentierhaltung und für den Kohleausstieg engagieren. Bei Greenpeace bin ich seit einem halben Jahr in einer Gruppe. Darüber erreichte mich eine WhatsApp-Nachricht von Fridays for Future. In der Nachricht stand, dass es verschiedene Ortsgruppen gibt und dass man auch neue gründen kann. Also habe ich Fridays for Future in Dresden gegründet, direkt über WhatsApp.

Wir treffen uns regelmäßig und organisieren mehr als nur die Streiks. Bei Jugendcafés tauschen wir uns zu Umweltthemen aus. Beim letzten Mal haben wir über unsere Utopien gesprochen und darüber, was Utopien eigentlich sind. Nächstes Mal wollen wir über Minimalismus reden.

Ich betreue den Instagram-Account von Fridays for Future Dresden. Am Anfang haben das alle gemacht, die einen Nerv dazu hatten, aber das gab ein Durcheinander. Jetzt bin ich dafür verantwortlich. Ich stelle Bilder online und Informationen, poste Storys und beantworte Fragen. Mir macht das viel Spaß, aber manchmal ist es auch anstrengend, auf alle Fragen zu antworten. Ich kümmere mich jeden Tag zwei Stunden um Instagram. Dabei versuche ich, unsere Follower in die Entscheidungen einzubeziehen. Ob es Workshops geben soll, welche Themen sie behandeln sollen oder wie oft wir streiken wollen, darauf haben alle Einfluss.

Ich hoffe, dass wir die Aufmerksamkeit der Leute und Politiker mit unseren Streiks stark genug auf den Klimawandel und die Klimapolitik ausrichten können. Politische Entscheidungen müssen endlich nach ökologischen, nicht nach ökonomischen Kriterien getroffen werden. Ich gehe nicht jeden Freitag streiken, aber wenn es einen Streik in Dresden gibt, bin ich immer dabei.

FridaysforFuture
Carla organisiert Fridays for Future-Demonstrationen in Münster. © Jonas Michaletz

Carla, 20 Jahre, Studentin aus Münster

Auf Instagram ging die Rede von Greta Thunberg bei der Klimakonferenz viral und es gab die ersten Streiks im Dezember. Ich bin dann in die FfF-WhatsApp-Gruppe gegangen, dort haben sich ein paar Leute aus Münster zusammengefunden und dann haben wir die ersten Streiks koordiniert. Die ersten Streiks waren klein, es waren eher Treffen zum Kennenlernen der Aktivist*innen untereinander. Die Organisation ging dann schnell über Münster hinaus, der erste große Streik war der am 18. Januar. Da dachten wir, wir melden eine Demo an, haben eine Bühne und Musik. Dachten, da kommen hundert Leute und dann waren tausend da.

Ich organisiere die Fridays for Future-Streiks in Münster und koordiniere bundesweit die Pressearbeit. Im Schnitt investiere ich drei Stunden am Tag für Fridays for Future. Ich schreibe E-Mails, verweise Presseleute an Ortsgruppen. Ansonsten koordiniere ich unsere Taskforce zu den Streikzahlen. Wir wollen am 15. März so schnell wie möglich eine Zahl durchgeben können, wie viele Menschen streiken. Ich werde in Berlin streiken. Vor Ort werde ich viel organisieren. Nachmittags schreiben wir dann eine Pressemitteilung mit der Streikzahl. Dafür werde ich viele Telefonate mit allen Bundesländern führen. Ich hoffe, dass sich an dem Tag nicht so viele chaotische Aufgaben ergeben, aber das wird sich erst zeigen.

Wir können nicht noch zehn Jahre warten, wir müssen jetzt handeln.

Carla

Warum ich das alles mache? Weil wir uns in einer Krise befinden und die Politiker*innen handeln nicht. Wir können nicht noch zehn Jahre warten, wir müssen jetzt handeln. Gerade in einem Land wie Deutschland. Wir müssen uns an die Klimaziele halten und Vorreiter*innen sein. Wir haben jetzt die Möglichkeit, etwas zu bewegen. Die Politik kann uns nicht mehr ignorieren. Damit das gut läuft, braucht es helfende Hände.