Fünf nervige Momente, die alle Walkman-Besitzer*innen durchmachen mussten

Vor 40 Jahren erschien der Walkman und revolutionierte das Musikhören. Der Spaß hatte aber auch seine Grenzen.

Ausstellung «Bravo»-Starschnitte in Lüneburg

Der Walkman war seinerzeit ein technischer Meilenstein. Foto: Philipp Schulze/dpa

Als Sony 1979 den Walkman veröffentlichte, brach für Musikhörende ein neues Zeitalter an. Zwar hatte es bereits tragbare Grammophone und Radios gegeben, doch erst mit Sonys portablem Kassettenabspielgerät wurde Musikhören für den Mainstream mobil. Musikfans konnten mit dem 390 Gramm schweren Klumpen am Gürtel und Kopfhörern auf den Ohren über die Straße schlendern, Rad und Skateboard fahren und dabei ihre Lieblingssongs hören. Musik wurde zu einer ständigen Begleiterin, sie eroberte den urbanen Raum.

Wer zu den stolzen Walkman-Besitzer*innen gehörte, erhielt jedoch nicht nur bewundernde Blicke. Die neue Freiheit des Überall-Musikhörens wurde auch skeptisch beobachtet. Soziolog*innen und Medienwissenschaftler*innen beschrieben in den 1980er Jahren kritisch, dass das Musikhören durch den Walkman zunehmend zur Privatangelegenheit würde. Statt Songs laut übers Küchenradio mit der Familie oder Freund*innen zu teilen, liefen Walkman-Besitzer*innen Gefahr, sich von ihrer Umgebung abzukapseln. Auf ihre Umgebung könne das narzisstisch und unhöflich wirken.

Der japanische Professor für Musikwissenschaft Shuhei Hosokawa fasste die neue Freiheit des Musikhörens unter dem Begriff Walkman-Effekt zusammen. Dieser lässt sich von Sonys Gerät auf sämtliche Gadgets übertragen, die dem Walkman folgten: Auch der Discman, Minidisc- sowie MP3-Player lockten Käufer*innen mit dem Walkman-Effekt, also der Freiheit, Medien mobil und privat nutzen zu können. Und bis heute hält auch die Kritik an den Geräten an.

Die Walkman-Zeit war toll – aber es ist gut, dass sie vorbei ist

Wer einen Walkman oder seine diversen Nachfolger besessen hat, erinnert sich aber nicht nur an die Freiheiten, welche die Geräte mit sich brachten. Walkman zu hören bedeutete auch, regelmäßige Frustmomente ertragen zu müssen. Lassen wir die fünf nervigsten Momente zum 40. Geburtstag des Walkmans noch einmal Revue passieren.

1. Wo ist der verdammte Song?

Wenn wir heute im Regen stehen und unseren Liebeskummer mit dem einen bestimmten Song betäuben wollen, ist das kein Problem. Wir brauchen ihn bloß bei Spotify oder iTunes suchen und schon schmettern die Killers uns Mr. Brightside um die Ohren. Zur Zeit des Walkmans und Kassetten mit A- und B-Seite konnte es schon mal eine Weile dauern, bis der ultimative Anti-Liebeskummer-Song gefunden war. Vorspulen, zurückspielen, Seite wechseln, weiterspulen, bis endlich der Anfang gefunden war.

2. Ich brauche einen Bleistift – dringend!

Durch das viele Spulen passierte es in nervtötender Regelmäßigkeit, dass sich das Band der Kassette verknotete. Bandsalat hieß das – ein Wort, das wir zum Glück heute nicht mehr gebrauchen müssen. Denn mit dem Bandsalat begann jedes Mal aufs Neue eine frickelige OP: Kassettenfach öffnen, vorsichtig Band und Kassette aus dem Gehäuse herausfummeln und irgendwie das Band wieder auffädeln. Clevere hatten für diesen Zweck permanent einen Bleistift dabei. Aber selbst damit war das Aufwickeln alles andere als lustig.

3. Jetzt darf bitte, bitte keine Staumeldung kommen!

Unter jungen Walkman-Besitzer*innen herrschte ein steter Tauschhandel: Musikkassetten wurden im Freund*innenkreis herumgereicht, damit sich jede*r eine Kopie anlegen konnte. Manche mit mehr Muße verwendeten ihre Freizeit darauf, sich eigene Playlists zusammenzustellen, indem sie Songs aus dem Radio aufnahmen. Blöd nur, wenn ein Song durch eine unvorhersehbare Staumeldung unterbrochen oder die letzte Strophe von einer Moderation abgeschnitten wurde.

4. Hat jemand AA-Batterien dabei?

Egal ob im Café oder im Zug – heute ist es kaum mehr ein Problem, einen Akku zu laden. Strom wartet überall auf müde Handys. Wer mit dem Walkman in Urlaub fuhr, musste sich auch energietechnisch gut darauf vorbereiten und mehrere Pack Batterien mitnehmen.

5. Warum klemmt denn jetzt die Taste?!

Wie sich die Technologie weiterentwickelt hat, zeigt sich wunderbar in dem YouTube-Video Kids react to Walkmans. Darin sind Kinder und Jugendliche zu sehen, die einen Walkman in die Hand gedrückt bekommen und den Betrieb aufnehmen sollen. Dass es kein Display gibt, mit dessen Hilfe sich das Gerät bedienen lässt, wollen einige nicht so recht verstehen. Die Bedienung über Tasten dürfte sich niemand mehr zurückwünschen: Die Knöpfe verklebten schnell oder Staub sammelte sich darin. Manchmal verhakte das System. Vor allem die Lautstärkeregler schienen besonders empfindlich zu reagieren – auf alles.

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