Fünf Podcasts, die über psychische Erkrankungen aufklären

Statt um Selbstoptimierung geht es um Ängste, Vorurteile und Überlebensstrategien. Wir stellen Podcasts vor, die das Sprechen über psychische Gesundheit enttabuisieren.

Mental-Health-Psyche-Depression-Podcast
Wenn das Reden über die eigenen Probleme schwerfällt, kann es helfen, erst mal anderen dabei zuzuhören. Foto: Anna Shvets / Pexels | CC0

Isolation, Homeoffice, soziale Not – die vergangenen Monate waren eine Belastungsprobe für die mentale Gesundheit vieler Menschen. Überall wird seither gefragt: Was macht die Corona-Krise mit uns und wie stark schlägt sie uns auf die Psyche? Umfragen von Krankenkassen zeigen, dass das Arbeiten im Homeoffice zu psychischen Problemen führen kann: keine geregelten Arbeitszeiten, Privates und Berufliches verschwimmen, wenig Feedback von Kolleg*innen und Vorgesetzten. Auch die Existenzangst beim Verlust der Arbeit macht krank. Aber nicht erst seit der Corona-Krise beschäftigen sich immer mehr Menschen damit, wie sie auf sich selbst schauen und wie andere sie wahrnehmen.

Trotzdem geht es beim Thema mentale Gesundheit häufig noch vor allem um Selbstoptimierung, um die dauernde Veränderung, um ein erschöpfendes, nie zu erreichendes Ideal. „Glücklich sein ist eine Entscheidung“, „Selbstbewusstsein, Sexappeal und Charisma – TO GO!“ – auch viele Podcasts versprechen, aus uns gesündere, bessere und vor allem glücklichere Menschen zu machen. Über psychische Erkrankungen wurde bisher wenig gesprochen. Doch das ändert sich zum Glück auch in der Podcastwelt.

Wenn wir also selbst noch nicht über die eigenen ernsthaften Probleme, Krankheitsbilder und Selbstzweifel reden, so können wir zumindest schon mal dabei zuhören, wie es andere tun. Wie im Podcast Danke, gut. von Miriam Davoudvandi, die selbst schon sehr lange mit Depressionen lebt und mit ihren Gäst*innen aus der Popkultur ehrlich und unterhaltsam über alles spricht, was mit Mental Health und der Psyche zu tun hat.

Dazu gehören Essstörungen, Bipolarität, Suizidgedanken und vieles mehr, das entstigmatisiert werden soll – ein Zufluchtsort in Form eines Podcasts. „Ich hatte selber immer das Bedürfnis nach mehr Themen dazu, nach mehr Medien dazu, ich hätte mir das einfach selber gewünscht für mein 14-jähriges Ich“, sagt die Musikjournalistin. Hier kommen fünf Podcasttipps für die Ohren und die Psyche:

Der Popkulturelle: Danke, gut. Der Podcast über Pop und Psyche

Miriam Davoudvandi spricht mit Menschen aus dem öffentlichen Leben über ihre psychische Gesundheit und alles, was mit der Psyche zutun hat: „Wenn es eine Person ist, der viele Leute zuhören, dann ist es für Betroffene umso bestärkender, wenn man sieht: Boah, die äußern sich, obwohl sie voll viel zu verlieren haben, dann kann ich das vielleicht auch erst mal vor meinen besten Freunden tun.“ Im Hintergrund ist die Diplom-Psychologin Stephanie Cuff-Schöttle beteiligt, um das Gesagte einzuordnen.

Der Furchtlose: Die Lösung – der Psychologie-Podcast von Puls

Toxische Beziehung, Wutausbrüche oder der Verlust eines Familienmitglieds? Der Psychologie-Podcast Die Lösung von Puls thematisiert alles, was man mit Freund*innen am Küchentisch bespricht und geht noch ein Stück weiter. Jede Folge liegen neue Gäst*innen auf der virtuellen Therapiecouch und sprechen mit der Diplom-Psychologin Lena Schiestel über Liebe, Angst, Eifersucht und andere Gefühle, die jede*r kennt, über die aber nur wenige sprechen.

Der Aufklärende: Spinnst du?

„Klapse“, „Irrenhaus“, „Geschlossene“: Auch wenn sich unser Bild von Psychiatrien mehr der Wirklichkeit angenähert hat, sind viele Klischees immer noch nicht abgebaut. Sonja Koppitz nimmt ihre Hörer*innen daher in einer fünfteiligen Reportage mit in die Hochschulambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus der Charité. Sie lernt Patient*innen kennen und begleitet das Team um die Klinikleiterin Dr. Isabella Heuser-Collier im Alltag einer Psychiatrie. Es geht um Psychopharmaka, Schlafstörungen und Angstzustände – und darum, ob es die Gesellschaft ist, die uns krank macht.

Den Podcast kannst du hier oder bei iTunes hören.

Der Schamlose: Ist das normal?

Verlassen werden ist schmerzhaft. Gehen auch. Aufstehen und weitermachen, wird oft geraten. Aber so einfach ist das nicht: Wieso der Herzschmerz einem Drogenentzug ähnelt, erklärt Michèle Loetzner in ihrem Buch Liebeskummer bewältigen in 99 Tagen. In dieser Podcastfolge spricht sie über schlechte Tipps, noch schlechtere Ratgeber*innenbücher und warum die Hoffnung eine miese Sau ist. Die Fachärztin für psychosomatische Medizin Melanie Büttner erklärt, was in unserem Gehirn passiert.

Der Lebensnahe: Chaosheadbitch

Etwa jede vierte Frau ist im Laufe ihres Lebens von einer Depression betroffen. Trotzdem wird, wenn es um das Thema psychische Gesundheit geht, immer noch oft geschwiegen. Julia Mosiniak lädt daher Frauen in ihren Podcast ein, die von der jahrelangen Suche nach Therapieplätzen erzählen, von ihrer Kindheit und von Selbstfürsorge. Ohne Doktor*innentitel, ohne Bekanntheitsgrad, mitten aus dem Leben gegriffen.


Hilfe holen

Falls du unter Depressionen leidest und dich Suizidgedanken plagen, findest du bei der Telefonseelsorge online oder telefonisch unter den kostenlosen Hotlines 0800-1110111 und 0800-1110222 rund um die Uhr Hilfe. Du kannst dich dort anonym und vertraulich beraten lassen.

Angehörige, die eine nahestehende Person durch Suizid verloren haben, können sich an den AGUS-Verein wenden. Der Verein bietet Beratung und Informationen an und organisiert bundesweite Selbsthilfegruppen.


Dieser Artikel von Carmen Maiwald ist zuerst auf EDITION F erschienen.

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