Für dieses Foto im Hambacher Forst wurde Greta Thunberg kritisiert – ihr Vater verteidigt sie nun

Die Klimaaktivistin besuchte am Wochenende den Braunkohletagebau in NRW. Auf einem Bild mit anderen Aktivist*innen ist sie neben einer vermummten Person zu sehen. 

Greta Thunbergs Vater äußert sich zu Vermummten-Foto

Greta Thunberg steht mit Aktivist*innen im Hambacher Forst. Foto: Oliver Berg / dpa

Das Foto erinnert eher an das Plakat einer Netflix-Serie: Greta Thunberg steht ganz vorne und blickt direkt in die Kamera. Hinter ihr reihen sich Klimaaktivist*innen. Das Bild wurde im Hambacher Forst aufgenommen. Rechts von Thunberg ist Luisa Neubauer, die Organisatorin des Friday-for-Future-Klimastreiks in Deutschland, zu sehen. Links von Thunberg steht eine vermummte Person: Die Hände in den Hosentaschen, barfuß und die Augen auf Greta Thunberg gerichtet.

Kritik für Foto

Die schwedische Klimaaktivistin wurde für das gemeinsame Foto mit der vermummten Person kritisiert. Die BILD-Zeitung titelte: „Vermummte führt Klima-Kids durch besetzten Wald“ und ein paar Tage später: „Ist Vermummung etwa Notwehr? Datenschützer verharmlost das Tragen einer Sturmhaube“. Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul meldete sich zu Wort und sagte, dass sich Greta mit den falschen Leuten umgäbe.

Der baden-württembergische Datenschutzbeauftragte Stefan Brink hingegen verteidigte die Vermummung auf Twitter: „Nicht die Vermummung bedarf der Legitimation, sondern die Demaskierung. In einer idealen Welt kann jeder sein Gesicht zeigen – in unserer gibt es viele gute Gründe, das nicht zu tun.“

In einer idealen Welt kann jeder sein Gesicht zeigen – in unserer gibt es viele gute Gründe, das nicht zu tun.

Stefan Brink

Besetzer*innen des Hambacher Forsts

Seit sechs Jahren besetzen Aktivist*innen den Hambacher Forst, um ihn vor der Rodung zu schützen. Ihr Ziel ist es, so die Erweiterung des Braunkohletagebaus zu stoppen und damit die Abbaggerung des Waldes zu verhindern. Manche sehen sich bei der Praxis des Verbergens des Gesichts in der Tradition der Zapatistas aus Mexiko, andere tun es aus politischem Pragmatismus, um sich vor möglicher Strafverfolgung zu schützen. Fotograf Tim Wagner war vor Ort und berichtet von seinen Eindrücken auf ze.tt.

Greta Thunbergs Vater meldet sich zu Wort

Gegenüber stern meldete sich nun Greta Thunbergs Vater zu Wort: „Bei so vielen Terminen können wir doch nicht alles wissen. Wir kommen dort an und dann gibt es einen Termin und eben Bilder.“ Greta respektiere aber die Aktivist*innen im Wald. Auf die Frage, wie das Foto zustande kam, sagt Svante Thunberg: „Das war eine Überraschung. Es ist passiert. Sie hat es sich nicht ausgesucht.“

Das war eine Überraschung. Es ist passiert. Sie hat es sich nicht ausgesucht.

Svante Thunberg

Die Fridays-for-Future-Begründerin sticht am Mittwoch in Richtung USA in See. Von einem Hafen im Süden Englands aus reist Greta Thunberg auf einer Jacht zum UN-Klimagipfel nach New York.

Solidarität für ihr Foto im Hambacher Forst kommt derweil vom Satiremedium Postillon. Das Magazin veröffentlichte Fotos von Horst Seehofer zusammen mit einer vermummten Polizeieinheit und schrieb: „Sicher ist: Das Signal des bislang in linken Kreisen wenig beliebten Innenministers kommt an. Unter Aktivisten wird Seehofer inzwischen liebevoll ‚Hambacher Horst‘ genannt.“