Gegen #MeToo: Catherine Deneuve und 99 andere prominente Frauen verteidigen die „Freiheit, jemandem lästig zu werden“

Ein französisches Frauenkollektiv, darunter die Schauspielerin Catherine Deneuve, bezeichnet #MeToo als Denunziations-Kampagne. Die „Freiheit lästig zu sein“ sei unerlässlich für die sexuelle Freiheit.

Catherine Deneuve schließt sich dem Frauenkollektiv an.

Catherine Deneuve schließt sich dem Frauenkollektiv an. © John Macdougall/AFP/Getty Images

Gerade hat ein Großteil der Schauspielerinnen bei den Golden Globes noch Schwarz getragen, um sich mit den Opfern sexueller Übergriffe in Hollywood zu solidarisieren. Wenige Tage und eine Atlantiküberquerung später formiert sich in Frankreich eine Bewegung, die den Ereignissen um #MeToo kritischer gegenüber steht. 100 Frauen aus Frankreich haben nun in einem offenen Brief zusammengefasst, warum sie die „Freiheit lästig zu sein“ als unerlässlich empfinden.

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Schauspielerin Catherine Deneuve, Kunstkritikerin Catherine Millet und Sängerin Ingrid Caven sind nur drei von 100 bekannten Namen aus dem Unterhaltungs- und Wissenschaftsbereich, die sich gegen einen bestimmten Feminismus wenden, der einen „Hass auf Männer“ ausdrückt. Vergangenen Dienstag veröffentlichen sie ihre Meinung in Form eines Brief in der französischen Zeitung Le Monde.

#MeToo und #TimesUp sei wie ein Fieber

„Vergewaltigung ist ein Verbrechen. Aber hartnäckiges oder ungeschicktes Flirten ist es nicht, genauso wenig ist Galanterie chauvinistische Aggression“, beginnt der Brief. Weiter beschreiben sie, dass die Frauen und Männer, die unter den Hashtags #MeToo und #TimesUp über ihre sexuellen Missbrauchserfahrungen berichtet hätten, zu weit gegangen seien. Private Geschehnisse öffentlich zu belangen, habe zu einem totalitären Klima geführt. Zudem würde die aktuelle „Denunziations-Kampagne“ gegen Männer nur Moralaposteln und religiösen Extremist*innen in die Hände spielen.

Die Freiheit, jemandem lästig zu werden, ist unerlässlich für die sexuelle Freiheit.“

„Als Frauen erkennen wir uns nicht in diesem Feminismus, der über die Anprangerung von Machtmissbrauch hinaus das Gesicht eines Hasses auf Männer und die Sexualität annimmt“, heißt es in dem Brief weiter. Eine öffentliche Kampagne an Anschuldigungen habe unschuldige Menschen zu Sexualstraftäter*innen gemacht, ohne dass sie eine Chance hatten, sich zu verteidigen. Dieses Justiz-Schnellverfahren habe Männer daran gehindert, ihren Beruf auszuüben oder sie dazu gezwungen, zu kündigen, obwohl es ihr einziger Fehler war, ein Knie zu berühren, einen Kuss zu stehlen, beim Arbeitsessen über intime Dinge zu sprechen oder eine Frau Nachrichten mit sexuellen Andeutungen zu schicken, deren Gefühle sie nicht erwiderte.

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Die im Oktober öffentlich gewordenen Vorwürfe der sexuellen Übergriffe gegen den US-amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein habe ein Bewusstsein für sexuelle Gewalt gegen Frauen geschaffen, dies sei legitim und notwendig gewesen. Die Unterzeichnerinnen schreiben aber weiter, dass dieses Bewusstsein durch Presse und soziale Netzwerke ein Ausmaß angenommen habe, das nicht mehr unterstützenswert sei. Sie beenden den Brief mit: „Dieses Fieber, die „Schweine“ zur Schlachtbank zu führen (…) dient in Wahrheit den Interessen der Feinde sexueller Freiheit.“