Gleichberechtigung: Dieses Foto zeigt, was ein Jahrhundert für einen Unterschied macht

Seit 125 Jahren dürfen Frauen in Neuseeland wählen. Aus diesem Anlass stellte die neuseeländische Regierung ein Foto aus dem Jahr 1905 nach – 2018 sind nur Frauen darauf zu sehen.

Anlässlich 125 Jahren Wahlrecht für Frauen stellt die neuseeländische Regierung ein Foto aus dem Jahr 1905 nach – und 2018 sind nur Frauen darauf zu sehen.

1905 und 2018: Das neue Foto entstand anlässlich 125 Jahren Wahlrecht für Frauen in Neuseeland. Screenshots: Twitter

Heute vor 125 Jahren führte Neuseeland als erstes selbstverwaltetes Land das Wahlrecht für Frauen ein. Somit deutlich früher als viele andere Länder: Es folgten 1902 Australien, 1906 Finnland, in Deutschland durften Frauen erstmals 1919 wählen. In der Schweiz dauerte es sogar bis zum Jahr 1971.

Bei der ersten Wahl, an der Frauen teilnehmen durften, nutzten mehr als 90.000 Frauen ihr Wahlrecht in Neuseeland. Anlässlich des Jahrestags der Einführung des Wahlrechts für Frauen, stellte die Regierung Neuseelands ein Foto aus dem Jahr 1905 nach. Auf dem Originalfoto ist der damalige neuseeländische Premierminister Richard Seddon zusammen mit seinen Ministern zu sehen, eine Runde bestehend aus 23 Männern.

Seitdem hat sich einiges getan: 113 Jahre später stellt die Regierung dieses Foto nach und fotografierte diesmal ausschließlich weibliche Mitarbeiterinnen in der Parlamentsbibliothek. Auf Twitter stellt das neuseeländische Parlament die beiden Fotos nebeneinander und schreibt dazu „Gegenüberstellung: Für den Wahlrecht-Tag haben die weiblichen Ministerinnen ein ikonisches Foto aus dem Jahr 1905 im Lesesaal nachgestellt.“ Zuvor wurden bei einer Rede im Parlament alle 149 Frauen, die Mitglieder des Parlaments sind oder waren, mit einer Brosche geehrt. Das neue Foto soll direkt neben dem Alten am Eingang der Bibliothek aufgehängt werden.

Ein Zeichen für Gleichberechtigung

Immer wieder begegnet man Neuseeland, wenn man sich mit dem Thema Gleichberechtigung auseinandersetzt: So wurde zum Beispiel 2017 mit Jacinda Ardern die jüngste Regierungschefin der Welt, nach einem sehr erfolgreichen Wahlkampf, ins Amt gewählt. Als Ardern kurz nach ihrer Amtseinführung in einem Interview gefragt wurde, ob sie Babypläne habe, konterte sie: „Es ist absolut inakzeptabel, im Jahr 2017 zu behaupten, Frauen müssten auf diese Frage an ihrem Arbeitsplatz antworten. Das ist inakzeptabel.“ Kurze Zeit späte wurde Ardern dann die zweite Frau weltweit, die während ihrer Amtszeit Mutter wurde und kehrte nach nur sechs Wochen Babypause zurück ins Amt.

[Außerdem auf ze.tt: Es darf kein Problem mehr sein, in Führungspositionen schwanger zu werden]

Auch was die Gender Pay Gap, also den Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttogehalt von Frauen und Männern, liegt Neuseeland im Weltschnitt in den Top Ten: Im Global Gender Gap Report belegt das Land im internationalen Vergleich Rang 9, während Island, Norwegen und Finnland die ersten drei Plätze belegen. Deutschland belegt in dem Report übrigens Rang 12.

Es gibt noch einiges zu tun

Die Politikerin und Mitglied des Parlaments Nikki Kaye teilte ebenfalls ein Bild auf Twitter, welches sie zusammen mit anderen Frauen zeigt. Dazu schreibt sie: „Heute feiern wir alle Frauen in Neuseeland […]. Doch es gibt noch so viel zu tun …“ Denn auch heute sind Frauen im Parlament noch unterrepräsentiert: 2017 waren nur 38 Prozent der gewählten Minster*innen Frauen, insgesamt waren nur 10,68 Prozent aller Parlamentsmitglieder, seit der Regierungsbildung 1854, Frauen.