Göteborg: Wie sich Besucher*innen auf einem Festival ohne Männer fühlen

Am Wochenende fand das erste Mal das Statement-Festival in Göteborg statt – das erste größere männerfreie Festival. Ist ein männerfreies Festival ein besseres Festival? Wir haben ein paar der Teilnehmer*innen gefragt.

Was denken die Teilnehmer*innen vom Statement-Festival ohne Männer? Wir haben sie befragt.

Was denken die Teilnehmer*innen vom Statement-Festival ohne Männer? Wir haben sie befragt. Foto: © Stefanie Mnich

„Was haltet ihr davon, ein wirklich cooles Festival auf die Beine zu stellen, bei dem nur Nicht-Männer willkommen sind?,“ twitterte die schwedische Radiomoderatorin und Comedian Emma Knyckare im Juli 2017.

Gerade war bekannt geworden, das eines der größten Festivals Schwedens, das Bråvalla-Festival, eingestellt wurde: Auf dem Festival wurden vier Vergewaltigungen und 23 sexuelle Übergriffe angezeigt. Der Festival-Betreiber sah sich nicht mehr in der Lage, die Teilnehmer*innen zu schützen. Viele Menschen fanden Emmas Vorschlag eines männerfreien Festivals gut und nach erfolgreichem Crowdfunding konnte es dieses Wochenende losgehen.

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Willkommen waren alle Menschen außer cis-Männer, also Männer, deren Geschlechtsidentität heute dieselbe ist, wie die bei der Geburt zugewiesene. Frauen, Transmenschen und Intersexuelle waren auf dem Festival also willkommen. Auch die Künstler*innen waren alle weiblich, trans oder intersexuell. Fast alle kamen aus Schweden, die meisten sind bei uns eher unbekannt. Mit dabei war aber zum Beispiel auch Loreen und Rebecca&Fiona. Neben Musik gab es noch mehr Kunst: Comedians traten auf, Gedichte wurden vorgetragen, Podcasts aufgenommen und es gab auch eine Burlesque-Show.

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Was denken die Besucher*innen über das Festival? Ist es schöner, ohne cis-Männer zu feiern und haben sie auf anderen Festivals schlechte Erfahrungen gemacht?

Ellen, Uppsala, 28

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Foto: © Stefanie Mnich

Ich denke, dass ein Festival ohne Männer ein besseres ist. Es ist eine Art Schwesternschaft. An anderen Orten siehst du dir Menschen an und vergleichst dich mit ihnen. Das hier ist irgendwie ein freier Ort. Ich sehe hier andere Mädchen, sehe wie sie sich küssen und ich bin glücklich.

Ich dachte, ich treffe hier viele Menschen, die ich kenne, aber ich habe viele Menschen getroffen, die ich nicht kenne. Wir sind irgendwie verbunden und teilen etwas miteinander. Ich habe auf anderen Festivals auch gute Erfahrungen gemacht, aber hier können Mädchen mehr Platz einnehmen. Auf anderen Festivals nehmen Männer sehr viel Platz ein. Die heterosexuellen Gefühle sind überall, sie führen auch zu Vergewaltigungen. Statement ist ein Statement dagegen.

Das ist auf eine Art ein Kampf und wir alle fühlen, dass wir das hier teilen und das ist wirklich cool. Ich glaube, das Festival wird Gleichberechtigung fördern, aber nicht dazu führen. Da braucht die Gesellschaft noch mehr. Im Moment führen wir keine Debatten, die zu Geschlechtergerechtigkeit führen würden. Aber hoffentlich kommen wir da hin.

Dante Mogrim, 27, in den USA geboren, in Schweden aufgewachsen

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Foto: © Stefanie Mnich

Definitiv ist ein Festival ohne cis-Männer ein besseres Festival. Es ist innovativ, progressiv – exellent!

Hier herrscht eine ganz bestimmte Atmosphäre, die ich noch nie irgendwo erlebt habe. Ich bin kein cis-Mann, ich bin trans. Ich war auf anderen Musikfestivals, als Frau. Die Erfahrungen waren nicht sehr angenehm. Wir haben offensichtlich weltweit ein Problem mit sexuellem Missbrauch. Es wird interessant, hier die Statistik zu sehen. Das Festival ist ein fantastischer Weg den Gedanken zu politisieren, wo die Probleme herkommen. Das ist sehr wichtig.

Ich weiß nicht, ob es zu mehr Gleichberechtigung führt. Aber es ist gut, dass es so viel Aufmerksamkeit bekommt: Dadurch ist es in den Schlagzeilen und das führt dazu, dass die Menschen sich Fragen stellen. Und dadurch greifen auch Politiker das Thema auf, das ist ein Domino-Effekt. Das Festival, wird nicht direkt zu mehr Gleichberechtigung führen, aber indirekt wird es Dinge aufrütteln und das ist gut.

Jasmin, 25, Göteborg

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Foto: © Stefanie Mnich

In unserer Gesellschaft, wo Frauen und Transgender unter Hass und Gewalt leiden, spricht einiges für ein solches Festival, ohne die Gefahr durch Männer. Andererseits ist es kompliziert – man kann Männer nicht einfach ausschließen.

Es ist so freundlich hier, ich kann einfach herumlaufen und niemand tut etwas – es ist einfach frei und angenehm. Ich kann hier mit meiner Freundin zusammen sein und meinen Freundinnen und habe eine tolle Zeit.

Geschlechtergleichstellung ist auf verschiedenen Stufen: Männer haben in der Gesellschaft viel mehr Macht. Man muss Frauen stärken und auf dieselbe Stufe heben. Dieses Festival trägt dazu bei, es zeigt: „So sind Frauen, so machen Frauen das.“

Michaela, 28, Göteborg

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Foto: © Stefanie Mnich

Für mich ist ein Festival ohne Männer besser, weil ich sowieso nicht viel mit Männern rumhänge. Hier ist es relaxter, die Atmosphäre ist besser. Ich muss mir keine Sorgen darüber machen, belästigt zu werden. Auf anderen Festivals gibt es oft Menschen, meist Männer, die mich auf irgendeine Art belästigen. Hier brauche ich keine Angst zu haben, dass das passiert. Alle sind total nett. Wenn es mehr solcher Festivals gäbe – ich würde hingehen.

Auf anderen Festivals tun Männer mir und meinen Freunden Dinge an, die ich nicht mag – man kann nicht allein herumlaufen und sich sicher fühlen, das ist meine Erfahrung. Hier habe ich das bisher nicht gefühlt. Alle sind glücklich und freundlich, ich habe keine Angst mit Menschen zu sprechen oder sie etwas zu fragen, ich habe niemanden streiten gesehen. Es ist sauberer, die Toiletten sind sauberer, ich mag einfach die Atmosphäre.

Dieses Festival wurde initiiert, weil es keine Geschlechtergleichberechtigung gibt – wenn es sie gäbe, wäre dieses Festival nicht notwendig. Bis es sie gibt, ist es gut hier einen Platz zu haben, an dem man sich sicher fühlen kann, bis sich Frauen überall sicher fühlen können. Es ist wichtig Orte wie diesen zu haben.

My, 28, Göteborg

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Foto: © Stefanie Mnich

Das hier ist ein notwendiges Festival und es ist eine große Feier für mich, ich bin hier mit einigen meiner allerbesten Freundinnen: Frauen, die mich inspirieren, sie denken differenziert und sie sind mutig. Das hier ist der beste Ort, um mit ihnen zu feiern.

Auf anderen Festivals hatte ich schlechte Erfahrungen, ein Beispiel: Die Leute pinkeln überall hin und es ist wirklich nicht schön, jemand neben sich zu haben, der gerade pinkelt, wenn man selber gerade feiert. Ich habe keine Ahnung, ob das das Festival Geschlechtergleichberechtigung fördern wird, aber ich hoffe es.

Anna-Lena, 63 (und ihre Tochter Karin, 34)

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Foto: © Stefanie Mnich

Ich finde es sehr interessant, ein Festival ohne Männer zu feiern. Wir sind daran gewöhnt, immer Männer um uns herum zu haben. Ich hatte keine schlechten Erfahrungen mit anderen Festivals, aber ich weiß, dass viele andere Frauen und Mädchen welche gemacht haben. Ich finde es sehr wichtig, die Möglichkeit zu haben, die Musik zu genießen.