Heimlich gefilmt: Duschvideos von der Fusion landeten auf einer Pornoseite

Auf dem Fusion-Festival wurden Frauen beim Duschen gefilmt, die Videos wurden im Netz veröffentlicht. Es ist der zweite bekannte Fall von heimlichen Nacktaufnahmen auf einem Musikfestival.

Fusion-Festival 2019
Das Festival findet seit 1997 auf einem ehemaligen russischen Militärflugplatz in Mecklenburg-Vorpommern statt. Foto: © Christian Charisius / dpa

Anfang dieser Woche veröffentlichte der Kulturkosmos e. V., der Veranstalter des Fusion-Festival im Mecklenburg-Vorpommerischen Lärz, eine Stellungnahme. Über anonyme E-Mails hätten die Betreiber*innen des Festivals erfahren, dass es auf der letztjährigen Fusion zu sexualisierten Übergriffen gekommen war. Demnach wurden Menschen heimlich in den Duschen beim Bachstelzen-Floor gefilmt und die Videos später auf der Porno-Website xHamster veröffentlicht. Die insgesamt vier Clips stammen von einem User namens Hannes Lange (hanneshiddencam).

Laut Veranstalter*innen sei die Kamera so platziert gewesen, dass die Körper von der Schulter abwärts zu sehen waren, Gesichter und Köpfe sollen auf den Aufnahmen nicht erkennbar sein. Insgesamt fünf Tage sollen die Videos auf der Plattform zu sehen gewesen sein und etwa 300 bis 500 Aufrufe verzeichnet haben. „Wir sind erschüttert und fassungslos darüber, dass diese Form von sexualisierter Gewalt an Orten stattfindet, in denen wir Antisexismus und Gewaltfreiheit als Grundkonsens verstehen“, schreibt der Verein.

„Dieses Verhalten ist nicht hinnehmbar“

Der Kulturkosmos habe bereits Strafanzeige erstattet, die Videos sind mittlerweile gelöscht. Der Verein empfiehlt außerdem allen Menschen, die sich in den Videos erkannt haben, ebenfalls Strafanzeige zu erstatten. Nun denke man über mögliche Vorsichts- und Kontrollmaßnahmen für das nächste Festival im Juni, insbesondere in den Sanitär- und Hygienebereichen, nach. „Dieses Verhalten ist nicht hinnehmbar oder gar entschuldbar, deshalb wollen wir uns gemeinsam mit euch dagegen wehren und dafür kämpfen, dass jegliches übergriffige Verhalten erkannt und verbannt wird.“

Das ist nicht der erste Fall dieser Art. Anfang Januar dieses Jahres wurden vergleichbare Straftaten auf dem Festival Monis Rache bekannt. Ein Mann soll dort drei Jahre lang Frauen in Dixi-Klos gefilmt und die voyeuristischen Videos bei xHamster hochgeladen und verkauft haben. Obwohl die Identität des Täters bekannt wurde, erstatteten die Organisator*innen des Festivals keine Anzeige. Stattdessen setzen sie auf das sogenannte Transformative-justice-Konzept, nach dem sie den Täter dazu bringen wollen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Viele der Betroffenen und andere Festivalbesucher*innen äußerten sich über dieses Vorgehen enttäuscht. Die Polizei Anklam erstattete später Anzeige.

 

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