Hier gibt’s Hilfe bei der ersten Steuererklärung

Zettelwirtschaft, Verwirrung, Deadline-Panik: Der Endboss heißt Steuererklärung. Doch keine Angst – hier gibt’s Tipps und Hilfe zur Abgabefrist am 31. Juli.

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Die erste Steuererklärung kann ganz schön Nerven kosten. Foto: Andrea Piacquadio / Pexels | CC0

Es gibt wirklich unangenehme Dinge im Leben, die sind unvermeidbar und lassen sich auch unter größter Anstrengung nicht verdrängen. Wer’s trotzdem versucht, zahlt einen hohen Preis – auf die eine oder andere Weise. Dazu gehören zum Beispiel Besuche bei Zahnärzt*innen. Und die Steuererklärung.

Allein das Wort sorgt schon für zahnwurzelbehandlungsähnliche Schmerzverkrümmung. Was soll das überhaupt, dieses Steuern erklären? Das ist alles so kompliziert; die Sprache der ellenlangen Finanzamt-Formulare versteht kaum ein Mensch. Dass das so ist, hängt mit dem deutschen Steuerrecht zusammen.

„Die Steuerformulare geben nur das geltende Steuerrecht wieder. Weil das so komplex ist, sind auch die Formulare umfangreich“, erläutert Dr. Isabel Klocke, Abteilungsleiterin Steuerrecht und Steuerpolitik vom Bund der Steuerzahler Deutschland.

Kein Wunder, dass viele Menschen ihre Steuererklärung – so ähnlich wie Zahnschmerzen – am liebsten so lange ignorieren, bis es wirklich nicht mehr geht. Dieser Zeitpunkt ist übrigens jetzt: Bis zum 31.07.2020 muss die Steuererklärung für das Jahr 2019 dem Finanzamt vorliegen.

Doch nur keine Schnappatmung, hier sind ein paar nützliche Tipps, Links, Infos und Stellen, an die du dich mit deiner Steuererklärung wenden kannst.

Familie

Ja, du kannst deine Eltern um Hilfe bei der Steuererklärung bitten, das ist okay. Auch andere Verwandte dürfen dich laut Steuerberatungsgesetz dabei bezahlungsfrei unterstützen, zum Beispiel Ehepartner*innen oder Verlobte, Schwiegereltern, Großeltern, Geschwister und Halbgeschwister, Nichten und Neffen, Schwager oder Schwägerin, Onkel und Tante.

Wer hingegen explizit nicht helfen darf: Freund*innen, Affären und sonstige Lover*innen, Arbeitskolleg*innen, Bekanntschaften, Kommiliton*innen. Auch nicht, wenn du sie dafür bezahlst. Das ist nämlich eine Ordnungswidrigkeit und kann teuer werden: Es drohen bis zu 5.000 Euro Strafe.

Apps und Software

„Inzwischen gibt es auch verschiedene Apps und Computerprogramme, die bei der Steuererklärung helfen“, sagt Dr. Klocke. Die bekannteste dürfte wohl die WISO-Steuersoftware sein, doch das Programm ist nicht ganz unkompliziert und kann einen schon mal an den Rand der Verzweiflung bringen. „Bei der allerersten Steuererklärung sollte man etwas Zeit einplanen, um sich mit den Formularen bzw. dem Computerprogramm vertraut zu machen. Schließlich möchte man auch nichts falsch machen“, sagt Dr. Klocke.

Auch per Smartphone geht das mit der Steuererklärung – beispielsweise mit Apps wie Smartsteuer xpress, Steuerbot, Ilovetax (gehört zu WISO) oder Steuerkäpt’n.

Es kann dabei allerdings vorkommen, dass Daten ins falsche Feld übertragen werden – für Fehler bei der Steuererklärung haftet jede*r selbst –, die App mittendrin abstürzt oder bei Änderungen bereits eingegebene Daten löscht. Und das kann bei einer Steuererklärung für apokalyptische Zornesausbrüche sorgen. Business Insider hat verschiedene Steuer-Apps getestet, hier sind die Ergebnisse.

Außerdem rät die Steuerexpertin: „Unbedingt prüfen, wem man die Daten anvertraut und nur auf seriöse Anbieter setzen. Schließlich werden mit der Steuererklärung viele persönliche Daten – vom Einkommen über die Bankverbindung bis hin zu Krankheiten – übermittelt.“

Finanzamt

Es mag im ersten Moment vielleicht absurd klingen, aber das Finanzamt ist nicht nur dafür da, dir das Leben zur Hölle zu machen. Du kannst deine*n Sachbearbeiter*in auch Dinge fragen. Vorausgesetzt, du erreichst ihn*sie.

Sonst gibt es aber auch noch das Internet. „Das Finanzamt bietet kostenlos eine Anleitung zum Ausfüllen der Formulare an. Hinweise bekommt man auch beim Onlinefinanzamt unter www.elster.de„, sagt Dr. Isabel Klocke.

Eine individuelle Steuer- und Rechtsberatung dürfen die Finanzbeamt*innen allerdings nicht durchführen. Dafür gibt es Steuerberater*innen und Lohnsteuerhilfevereine (siehe unten).

Vereine

Zu Vereinen, die bei der Steuererklärung helfen, zählt beispielsweise der Bund der Steuerzahler e. V., aber auch die Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. mit mehr als 3.000 Beratungsstellen, die Deutsche Lohnsteuerhilfe e. V., der Lohnsteuerberatungsverbund e. V., oder auch der Aktuell Lohnsteuerhilfeverein e. V..

Gegen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag, der sich nach der Höhe des zu versteuernden Einkommens richtet – bei einem Brutto-Jahreseinkommen von 12.000 Euro zum Beispiel zwischen 50 und 70 Euro pro Jahr – gibt es Hilfe bei der Steuererklärung. Und zwar das ganze Jahr ohne Extrakosten. Allerdings dürfen diese Vereine rechtlich bedingt nur Angestellte, Studierende, Azubis, Beamt*innen, Rentner*innen und Pensionär*innen beraten; also zum Beispiel keine Selbstständigen.

Falls du Mitglied in einer Gewerkschaft sein solltest, lohnt sich auch dort eine kurze Nachfrage, einige unterstützen ihre Mitglieder bei der Steuererklärung.

Wer es auf eigene Faust versuchen will, kann sich laut Dr. Klocke auch die Broschüre Meine erste Steuererklärung beim Bund der Steuerzahler bestellen: „Interessierte können sie kostenfrei unter 0800 883 83 88 anfordern.“ Hier gibt es schon mal einen Einblick und auch ein paar Tipps.

Steuerberater*innen oder Anwält*innen

Profis kosten Geld, das ist immer so, aber wenn es bei dir steuerlich kompliziert ist, dann kann sich das durchaus lohnen.

Zur Beruhigung: Steuerberater*innen können sich keine schwindelerregenden Fantasiepreise ausdenken, sie müssen sich an die Steuerberatungsvergütungsordnung halten. Wie teuer so eine Steuererklärung letztlich wird, hängt von der Höhe des Einkommens und dem Aufwand ab.

Selbstständige und Freiberufliche, die wenig Geduld, Nerven und Zahlentalent haben, sollten ernstlich über ein gutes Verhältnis zu einem*einer vertrauenswürdigen Steuerberater*in nachdenken. Hier beim Deutschen Steuerberater*innenverband gibt es eine Suche. Es kann aber auch sinnvoll sein, mal im persönlichen Umfeld rumzufragen.

Was du sonst bei der Steuererklärung beachten solltest

Unterlagen zusammenklauben und zurechtlegen ist die halbe Miete. Dazu gehört vor allem deine lebenslang gültige Steuer-ID, die jede*r Bundesbürger*in hat. Zudem sämtliche Belege und Kontoauszüge. Aber auch die Jahreslohnsteuerbescheinigung, die du gegebenenfalls von deinem*r Arbeitgeber*in bekommen hast genau so wie Unterlagen zu Werbungskosten – Fachliteratur, Berufsbekleidung, gekaufte und auch beruflich genutzte Computer und Laptops …

Genug Zeit einplanen ist auch entscheidend. Und: „Unbedingt prüfen, ob man die Steuererklärung noch in Papierform abgeben darf. Das ist nur noch bei Arbeitnehmern erlaubt“, rät Dr. Isabel Klocke. „Ist man selbstständig oder verdient sich freiberuflich neben seiner Angestelltentätigkeit etwas hinzu, muss die Steuererklärung elektronisch abgeben werden.“

Typische Fehler bei der Steuererklärung sind laut Expertin zumeist mangelndem Wissen geschuldet: „Unter Umständen kennen die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen noch nicht alle Posten, die sie zu ihren Gunsten absetzen können“, sagt Dr. Klocke. „So vergessen Mieter oder Mieterinnen einer Wohnung zum Beispiel oft die Nebenkostenabrechnung, mit der sich durchaus Steuern sparen lassen.“

Ja, Ausgaben für Winterdienst, Gartenpflege, Hausflurreinigung oder die Schornsteinfegerin kannst du laut Expertin tatsächlich von der Steuer absetzen: „Dafür gibt es bei den Steuerformularen die Anlage Haushaltsnahe Aufwendungen.“

Oft wird im Laufe des Jahres vergessen, wichtige Belege zu sammeln und ordentlich wegzulegen. Pro-Tipp: Mindestens einen Tag im Monat, besser alle zwei Wochen, ein bis zwei Stündchen für Steuerangelegenheiten und Buchhaltung einplanen. Bringen sie einer*m nicht in der Schule bei, ist aber nahezu lebensrettend – in jedem Fall ungemein nervenschonend.

Also. Du kommst eh nicht drumherum. Nimm einen tiefen Atemzug und leg los. Wenn du dir nicht sicher bist, hol dir Hilfe. Und wenn du erst mal dabei bist, wird es vielleicht doch weniger schmerzhaft als befürchtet. Oder wie Dr. Isabel Klocke sagt: „Es ist gar nicht so schwer!“