Hinter Banksys neuem Weihnachtsgraffiti steckt eine ernste Botschaft

In Birmingham, England, ist ein weihnachtliches Graffiti von Banksy aufgetaucht. Damit will er auf Obdachlosigkeit aufmerksam machen.

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Banksy in Birmingham. Screenshot: Instagram

Es ist dunkel und offensichtlich kalt. Ein Obdachloser räumt seine Sachen zusammen und streckt sich auf einer Parkbank am Straßenrand aus. Passant*innen und Autos kommen vorbei. Die Kamera zoomt langsam aus der Einstellung heraus und zeigt auch die Mauer im Hintergrund: Auf der Wand sind aufgesprühte Rentiere zu sehen, die den Obdachlosen und seine Bank zu ziehen scheinen. Das neueste Werk des Künstlers Banksy.

Seit gestern ist diese Szene in einem kurzen Video auf Instagram zu sehen. Fast drei Millionen Mal wurde es schon aufgerufen. „God bless Birmingham“, heißt es in der Beschreibung. In den zwanzig Minuten, in denen sie den Obdachlosen namens Ryan auf dieser Bank gefilmt hätten, hätten ihm Passant*innen ein heißes Getränk, zwei Schokoriegel und ein Feuerzeug gegeben, ohne dass er je um etwas gebeten hätte.

Bitte nicht ignorieren

Das Kunstwerk erinnert an das ikonische Bild vom Weihnachtsmann auf seinem Schlitten, nur dass an dessen Stelle der Obdachlose in den Mittelpunkt rückt. Damit thematisiert es etwas, was wir über die Feiertage gern ausblenden: Nicht alle Menschen haben ein warmes Zuhause. Laut Crisis UK, einer nationalen Hilfsorganisation, gibt es keine genauen Zahlen dazu, wie viele Menschen in UK tatsächlich obdachlos sind. Es wird aber davon ausgegangen, dass pro Nacht etwa 5.000 Menschen auf der Straße schlafen.

Gerade in den Wintermonaten wird das Leben auf der Straße zum Überleben auf der Straße. Auch in Deutschland hatten im vergangenen Jahr etwa 678.000 Menschen kurzzeitig oder dauerhaft keine Wohnung. Auf der Straße schliefen etwas mehr als 40.000 von ihnen. Während der kalten Jahreszeit gab es zuletzt zwölf Kältetote.

Es ist nicht das erste Graffiti, mit dem sich Banksy, der seine bürgerliche Identität geheim hält, gesellschaftspolitisch positioniert. Eines seiner bekanntesten Werke ist an einer Wand in Bethlehem zu finden. Es zeigt einen jungen Mann im Straßenkampf, der statt eines Molotow-Cocktails oder Steins einen Strauß bunter Blumen in der Hand hält. Es steht für Hoffnung statt Hass, Leben statt Zerstörung.

Um das Wandbild in Birmingham wurde mittlerweile ein Zaun errichtet. Unbekannte haben die Rentiere allerdings bereits mit roten Nasen verschönert.  Die Botschaft bleibt trotzdem zu erkennen und wichtig – auch über Weihnachten hinaus.


Wie ihr Obdachlosen im Winter und darüber hinaus helfen könnt – und was man besser lassen sollte –, hat die Diakonie in einem ausführlichen Leitfaden zusammengeschrieben. Grundsätzlich gilt: Sprecht die Person an und fragt, ob und inwiefern sie Hilfe benötigt. Wenn die Person nicht reagiert, bringt sie in stabile Seitenlage und ruft einen Krankenwagen.