Warum mehr Männer den Namen ihrer Partnerin annehmen sollten

Beim Nachnamen hört Gleichberechtigung oft auf. Eine Liste der gängigsten Einwände von Männern und was du ihnen entgegnen kannst.

Auf diesem Bild sieht man eine Hochzeitsgesellschaft

Es geht um partnerschaftliche Machtverhältnisse. Foto: Sam Barber / Unsplash | CC0

Mein Freundeskreis besteht zu einem sehr großen Teil aus Akademiker*innen, die sich selbst als aufgeklärt sehen. Seit wir in längerfristigen Beziehungen sind, kommen bei Gesprächen immer wieder folgende Fragen und Antworten auf: „Gleichberechtigung in allen Beziehungsfragen?“ – „Auf jeden Fall!“, „Männer in Elternzeit?“ – „Muss sein!“, „Der Mann gibt bei einer Hochzeit seinen Nachnamen ab oder nimmt einen Doppelnamen an?“ – Betretenes Schweigen. Und nicht nur Schweigen: Es fielen auch Sätze wie „Soweit kommt’s noch!“

Man lege kurz die Bedenken über die Institution Ehe beiseite: Für Paare, die sich für eine Heirat entscheiden, kann die Ehe und ein gemeinsamer Familienname eine schöne Sache sein. Laut einer Studie der Gesellschaft für deutsche Sprache übernehmen allerdings rund Dreiviertel der verheirateten heterosexuellen Paare den Familiennamen des Mannes. Dabei dürfen Frauen schon seit 1976 per Gesetz ihren Nachnamen behalten und diesen sogar auch zum Familiennamen machen. Sechs Prozent der Paare nehmen diese Möglichkeit wahr, acht Prozent verändern ihren Namen gar nicht und zwölf Prozent entscheiden sich für einen Doppelnamen. Damit legt nur jeder 16. heterosexuelle Mann seinen Nachnamen bei der Hochzeit ab.

Dreiviertel aller Hetero-Paare übernehmen den Nachnamen des Mannes

Ich lockere die Stimmung in den Unterhaltungen mit meinen Freund*innen dann meist mit der Geschichte auf, wie meine Großmutter Augen machte, als ich ihr erklärte, dass ich einen Doppelnamen annehmen werde und mein Familienname in Zukunft der Nachname meiner Frau sein wird. Ihren kann ich ohne eine Scheidung nicht mehr ablegen, meinen schon.

Der Doppelname klingt gut und verlängert meinen kurzen Vornamen. Ein Doppelname ist in Teilen sogar noch etwas radikaler, als seinen Nachnamen komplett abzugeben. Er weist auch Menschen, die uns vorher nicht kannten, deutlich darauf hin, dass ich ihren Namen übernommen habe. Das ist mir ziemlich wichtig. Nach der Oma-Geschichte lachen übrigens einige Gesprächsteilnehmer*innen verschämt. Ihnen wird oft erst dann klar, dass sie ein konservatives und vermeintliches Ideal nicht hinterfragt haben.

Hier eine Liste der gängigen Einwände von Männern (und manchmal auch ihrer Frauen in ihrem Namen), warum sie angeblich den Nachnamen ihrer Freundin nicht annehmen können – und was man ihnen entgegnen kann:

„Ich möchte meine Identität nicht abgeben.“

Dann sollte die Frau auch die Gegenfrage stellen, ob sie denn gerne ihre Identität abgeben möchte. Außerdem: Eine Identität verschwindet nicht so einfach. Die behält jede*r auch mit neuem Nachnamen.

„Ich habe mir jetzt schon einen Namen und damit Karriere gemacht. Das will ich nicht gefährden.“

Ganz sicher wird die Karriere nicht davon beeinflusst, ob der Mann einen neuen Namen hat. Er ist schließlich kein anderer Mensch oder Mitarbeiter. Und was ist mit der Karriere der Frau? Wenn der Karrierestatus so ungleichmäßig zwischen den Partner*innen verteilt ist, sollten sich beide ohnehin einmal über Finanzen, Gerechtigkeit und Rollenverteilung unterhalten. Ein Höhepunkt der beruflichen Argumentationsstrategie in meinem Umfeld war übrigens ein Lehrer, der meinte, er wolle seine Schüler*innen mit einem Doppelnamen nicht überfordern und könne das daher nicht machen.

„Ich bin Autor/Wissenschaftler/Journalist und publiziere unter meinem Namen.“

Wenn er bereits seriös publiziert hat, kann er seinen alten Nachnamen relativ leicht als Künstlernamen eintragen lassen und darunter weiter veröffentlichen. Dafür legt man Belege wie Artikel, Bücher, einen Vertrag mit dem Verlag, eine Mitgliedschaft bei der VG Wort oder der Künstlersozialkasse bei der Beantragung des neuen Personalausweises vor.

„Das macht man halt so.“

Andere Dinge, die „man früher halt so gemacht hat“: Frauen durften ohne Erlaubnis des Mannes weder ein Konto haben, noch arbeiten. Vergewaltigung in der Ehe war bis 1997 nicht strafbar. Das war so. Gut, dass es jetzt nicht mehr so ist.

„Ich will mir keine Sprüche anhören müssen wie: ‚Du hast doch keine Eier‘ oder ‚Ein richtiger Mann hätte das niemals gemacht‘.“

Er soll sich umhören und schlau machen. Bis auf ein paar überraschte Blicke hat er gar nichts zu befürchten. Eine kurze Recherche auf verschiedenen Seiten und in Foren von Partnerbörsen zeigt, dass andere Männer ähnlich gute Erfahrungen gemacht haben. Sollte es doch zu Lästereien oder dummen Sprüchen kommen, fällt das schon mal unter toxische Männlichkeit und auf der Arbeit auch unter Mobbing.

„Sein Familienname ist mit Tradition und Ansehen verbunden.“

Vorteile, die man über die Reputation eines Familiennamens bekommt, bergen immer das Risiko, dass man nicht aufgrund seiner Fähigkeiten oder seiner Person wahrgenommen wird. Anstatt sich auf die familiäre Vergangenheit zu verlassen, sollten eigene Leistungen und Werte im Vordergrund stehen. Und berufliche Kontakte der Eltern kann man auch mit einem anderen Nachnamen in Anspruch nehmen.

„Seine Familie würde das niemals wollen.“

Ein heikles Thema, aber im Endeffekt kommt es darauf an, was ihm wichtiger ist: eine gleichberechtigte Ehe oder die Meinung seiner Familie. Sich eine Familie vorzustellen, die eine Hochzeit absagt, weil der Mann im Jahr 2019 den Namen der Frau annimmt, scheint eher unwahrscheinlich. Wie bei jedem Aspekt einer Eheschließung geht es ausschließlich darum, was das Ehepaar möchte. Das sollten die Eltern respektieren.

Es geht um das partnerschaftliche Machtverhältnis

Wer sich auf den Nachnamen des Mannes einigen kann: Schön! Aber zuallererst sollten Frauen bei diesem Thema immer hinterfragen: Gibt es noch andere Möglichkeiten? Männer sollten sich nicht einreden, es sei superwichtig. In genau solchen Momenten geht es nicht um ihre Namen, es geht um das partnerschaftliche Machtverhältnis. Wer sagt, es sei ihm wichtig, meint doch: Er ist wichtig, wichtiger als die Frau. Wenn Männer sich weigern, den Nachnamen zu wechseln, hilft es womöglich zu fragen: Warum sollte sie etwas machen, wozu er nicht bereit ist?

Missverhältnisse in Beziehungen entstehen häufig, weil Frauen in den verschiedensten Situationen das Gefühl haben, sich aufopfern zu müssen. Also Männer, leistet euren Beitrag zur Gleichberechtigung, indem mehr Frauen ihren Namen behalten und mehr Männer ihren abgeben. Meine Frau hat übrigens keinen Doppelnamen. Sie wollte ihren behalten. Und ich wollte das auch.

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