„Ich bin noch Drogen-Jungfrau“ – Jannik Schümann über seine Rolle als Meth-Junkie

In seiner Autobiographie 9 Tage wach erzählt der Autor und Schauspieler Eric Stehfest von seiner Drogensucht. Nun wurde das Buch verfilmt – mit Jannik Schümann in der Hauptrolle. Ein Interview

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Jannik Schümann spielt Eric Stehfest, der seine Drogenabhängigkeit in dem Bestseller 9 Tage wach verarbeitete. Foto: © ProSieben / Stephanie Kulbach

„Wenn ich es nehme, fühle ich mich wie Jesus und der Terminator gleichzeitig“, beschreibt Eric das Gefühl, das Crystal Meth bei ihm auslöst. 9 Tage wach ist die Verfilmung des gleichnamigen autobiographischen Bestsellers von Eric Stehfest, der 2017 erschien und seine jahrelange Drogensucht thematisiert.

Im Film wird Stehfest von dem 28-jährigen Schauspieler Jannik Schümann verkörpert, der durch seine überzeugende Performance als manischer Meth-Junkie beeindruckt. Wir haben mit ihm über seine Vorliebe für extreme Rollen gesprochen.

ze.tt: Jannik, in 9 Jahre wach spielst du Eric Stehfests Buchfigur. Stehfest ist selbst auch Schauspieler (GZSZ). Warum hat er sich eigentlich nicht selbst gespielt?

Das weiß ich nicht ganz genau. Er meinte, am Ende wurde ihm davon abgeraten, damit er sich nicht überarbeitet. Er hat ja die Buchvorlage geschrieben und auch am Drehbuch mitgeschrieben – das war dann schon ziemlich viel Arbeit.

Jetzt gibst du in dem Film den Crystal-Meth-Junkie. Wie stehst du zu Drogenkonsum?

Ich bin noch Drogen-Jungfrau und hatte deswegen auch große Sorge, diesen Film zu drehen und das nicht realistisch rüberbringen zu können. Ich dachte, die Leute werden doch sehen, dass ich das noch nie gemacht habe. Ich wollte aber ernstgenommen werden und keine Karikatur von jemandem sein, der so tut, als wäre er auf Crystal. Deswegen hatte ich da besonders Angst vor.

Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?

Intensiv mit dem Regisseur und Eric selbst. Ich habe mir aber auch einen Coach an die Seite genommen. Der arbeitet sehr körperlich – das war die beste Vorbereitung, die ich haben konnte.

Hast du viel Zeit mit Eric verbracht?

Ich habe mich mit ihm getroffen und er hat mir angeboten, ihm alle Fragen zu stellen, die ich hatte. Er war sehr ehrlich und offen.

Das Buch 9 Tage wach wird mittlerweile als Schullektüre behandelt. Glaubst du, der Film hat auch das Potenzial dafür?

Ich hoffe. Ich hab damals in der Schule Die Kinder vom Bahnhof Zoo gelesen – Heroin und Crystal Meth würde ich jetzt mal auf eine Stufe der harten Drogen stellen – und es ist wahnsinnig wichtig, darüber aufzuklären. Ich glaube, Film ist ein gutes Medium dafür. Für Schulfilme ist es halt geil, wenn sie von der Ästhetik her auch Jugendliche ansprechen. Visuell kann unser 9 Tage wach da auf jeden Fall mithalten. Ich finde, wenn man einen entsprechenden Film liefert, den junge Menschen cool finden, dann ist die Bereitschaft, über gewisse Themen zu reden und Fragen zu stellen auch gleich viel größer.

Du wurdest von Mit Vergnügen zweimal hintereinander zum bestaussehenden Berliner gekürt. Schmeichelt dir das oder nervt es dich, so auf dein Aussehen reduziert zu werden?

Zuallererst schmeichelt es natürlich. Ich finde das sehr süß und freue mich darüber. Trotzdem muss man sehen, dass viele in Schubladen denken und ich hoffe, den Leuten mit den anderen Rollen, die ich spielen darf zu zeigen, dass noch mehr dahintersteckt. Ich hoffe, das wird vor allem durch 9 Tage wach nochmal deutlich.

Die spannenden Parts sind doch vor allem die Täter. Ich würde immer lieber in die Rolle eines Psychopathen schlüpfen.

Ich habe letztens die Krimiverfilmung Tage des letzten Schnees mit dir gesehen: Könntest du dir vorstellen, mal in die Rolle eines Tatort-Kommissars zu schlüpfen?

Das steht tatsächlich nicht auf meiner Agenda. Es wäre natürlich großartig, weil der Tatort ein enormes Standing in Deutschland hat. Wenn mir die Rolle angeboten werden würde, müsste ich schon darüber nachdenken. Aber die spannenden Parts sind doch sowieso vor allem die Täter. Ich würde immer lieber in die Rolle eines Psychopathen schlüpfen, als zu fragen: „Wo waren Sie letzte Nacht?“

Welche Rolle würdest du denn gern mal spielen?

Ich hatte schon oft das Glück, Psychopathen spielen zu dürfen. Es gab da mal eine Schlagzeile: „Wenn Sie Schümann im Krimi sehen, wissen Sie, wer der Täter ist.“ Ich habe tatsächlich erst vergangenes Jahr zum ersten Mal in einem Liebesfilm das klassische Love Interest gespielt, bei Dem Horizont so nah. Das habe jetzt also auch durch. Ich hätte aber mal richtig Lust auf einen guten Tanzfilm – ein deutsches Step Up sozusagen. Das Genre haben wir in Deutschland noch nicht wirklich bedient.

Also kannst du auch tanzen?

Sagen wir es mal so: Ich mag es sehr, zu tanzen.


9 Tage wach ist ab sofort auf Joyn abrufbar.

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