„Ich kann das nicht besser, ich habe Legasthenie“

Ihr habt uns erzählt, wie sich eure Lese-Rechtschreib- oder Rechenstörung auf euren Alltag auswirkt.

legasthenie-dyskalkulie

Viele Menschen, die Legasthenie oder Dyskalkulie haben, leiden unter Diskriminierungserfahrungen. Foto: Unsplash/CC0

Jedes zehnte Kind in Deutschland ist von einer Lese-Rechtschreib- oder Rechenstörung betroffen. Dies geht aus Zahlen des Bundesverbands Legasthenie und Dyskalkulie e.V. (BVL) hervor. Betroffenen von Dyskalkulie fällt es oft schwer, die Bedeutung von Zahlen und Mengen zu verstehen und daraus folgend die Grundrechenarten zu erlernen. Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung lesen häufig langsamer, lassen dabei Wörter aus, können das Gelesene nur mangelhaft wiedergeben und machen auffallend viele Fehler in der Grammatik und der Zeichensetzung. Schulkinder mit Legasthenie können so ohne Förderung nicht in der üblichen Art und Geschwindigkeit Schreiben und Lesen lernen.

Um darauf aufmerksam zu machen, dass die Probleme, mit denen Betroffene bis heute zu kämpfen haben, nicht gelöst sind, findet seit drei Jahren am 30. September der bundesweite Tag der Legasthenie und Dyskalkulie statt. Ziel des BVL, der jährlich zu dem Aktionstag aufruft, ist, dass künftig alle Schüler*innen frühzeitig und begabungsgerecht gefördert werden. Ein wichtiges Anliegen des Verbands ist es außerdem, die Gesellschaft aufzuklären und so mehr Akzeptanz und Toleranz für Betroffene zu schaffen.

Anlässlich des bundesweiten Aktionstags wollten wir von unseren Leser*innen wissen, wie sie im Alltag von Legasthenie und Dyskalkulie betroffen sind. Die anonymen Antworten zeigen, dass viele bis heute mit den Folgen von Ausgrenzung und Diskriminierung, die sie bereits zu Schulzeiten erlebt haben, zu kämpfen haben.

Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie geht davon aus, dass in Deutschland vier Prozent der Schüler*innen von…

Gepostet von ze.tt am Montag, 30. September 2019

So schreibt ein*e Leser*in, dass Geburtstage bis heute Horror für sie*ihn seien. Der Grund dafür: die Geburtstagskarte. Man stehe zwischen Freund*innen und alle beobachten erwartungsvoll das Öffnen und Lesen der Karte. „In meinem Kopf kreist nur der Gedanke: Wie viel Zeit braucht jemand ohne Legasthenie, um diese Karte zu lesen?“, schreibt der*die Leser*in. In der Schule wurde der*die Leser*in jahrelang als „dumm“ beschimpft.

Ein*e weitere*r Leser*in berichtet von dem Grauen, das eine Restaurantrechnung bei ihm*ihr auslöst: „Regelmäßige Schweißausbrüche, wenn die Bedienung mit der Rechnung kommt. Stimmt die Rechnung? Wie viel bekomme ich zurück? Wie viel Trinkgeld ist angemessen?“

Mehr Berichte von Menschen, die eine Lese-Rechtschreib- oder Rechenstörung haben, lest ihr hier: