Impact Management: Mit dieser Methode kannst du dein nachhaltiges Leben planen

In nur drei Schritten lässt sich planen, wie nachhaltig du sein möchtest, wen du dabei miteinbeziehen solltest und überprüfen, ob dein Engagement dich zu deinem Ziel bringt.

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Mit Impact Management kannst du auch kleine Nachhaltigkeitsprojekte planen und bewerten. Foto: Hannah Olinger / Unsplash | CC0

Weniger Müll produzieren, Bahn fahren statt fliegen, für soziale Projekte spenden: Es gibt vielzählige Möglichkeiten, sich für Nachhaltigkeit stark zu machen. Jede Einzelne davon ist wichtig und macht auf das Thema aufmerksam.

Doch wenn dein Wunsch darüber hinausgeht, hin und wieder etwas Nachhaltiges zu bewirken und stattdessen im Vordergrund steht, dass du ein ganz konkretes Ziel verfolgen willst, solltest du darüber nachdenken, ob du dein Engagement strukturierter verfolgen willst. Das sogenannte Impact Management ist ein nützliches Werkzeug, um dein Handeln zu planen und deinen Fortschritt zu messen.

In drei Etappen ordnest du mit Impact Management dein Wirken: Zunächst legst du fest, was deine Mission sein soll. Dann prüfst du, welche Unterstützung du brauchst, um sie zu erfüllen. Und schließlich wertest du die Ergebnisse aus und beurteilst, inwiefern du dein Engagement verbessern kannst.

Dabei steht immer die Wirkung im Vordergrund. Es geht bei dieser Methode also nicht darum, wie oft du zum Beispiel bei Fridays for Future demonstriert hast, sondern wie viele Menschen du davon überzeugen konntest, selbst nachhaltig(er) zu leben.

Was ist Impact Management?

Impact Management ist eine Technik aus der Wirtschaft, die auch in der Sozialhilfe und Entwicklungszusammenarbeit eingesetzt wird. Generell dient sie zur Festlegung von Zielen und Messung, inwiefern diese erreicht wurden.

So kann eine Kinderhilfsorganisation zum Beispiel beschließen, dass sie ab sofort obdachlose Kinder in sichere Unterkünfte vermitteln möchte. Anhand ihrer Definition von sicher und der Festlegung einer Anzahl von Kindern, die sie mindestens einquartieren möchte, kann das Team am Ende eines zuvor festgelegten Zeitraums ermitteln, ob die Mission erfolgreich war. Mit dem Nachweis für gelungenes Engagement können Nichtregierungsorganisationen nicht nur ihren Nutzen feststellen, sondern zudem Fremdgelder für ihre Einsätze gewinnen. Der Erfolg dient als Sicherheit für die Investor*innen.

Auch für Firmen ist Impact Management eine geeignete Methode, um erfolgreicher nachhaltig zu handeln und transparente Berichte für ihre Projekte zu erstellen. Seit 2017 müssen kapitalmarktorientierte Unternehmen, Finanzinstitute und Versicherungen mit mehr als 500 Mitarbeiter*innen ihre Nachhaltigkeit im CSR-Bericht oder der nicht-finanziellen Erklärung offenlegen. Neben der reinen Aufstellung von Fakten wie dem Frauenanteil im Unternehmen oder dem internen Papierverbrauch können sie mit Impact Management zudem hervorheben, was die positiven und negativen Auswirkungen der Firma sind und wie sie plant, diese zu verändern.

Wie kann dir diese Methode bei deinen Plänen nützen?

Der Ansatz ist nicht nur kommerziell, etwa für Unternehmen, sondern auch für deine privaten Ziele vorteilhaft. Denn in unserem Alltag ist Nachhaltigkeit schon lange angekommen. Eine Glasflasche hat die vielen Einweg-Plastikflaschen aus dem Supermarkt ersetzt. Die Zähne putzt jetzt eine Bürste aus Bambus und das Badezimmer ist eine mikroplastikfreie Zone. Doch auf dem Weg zum 1,5-Grad-Celsius-Ziel oder im Bestreben gegen moderne Sklaverei im Lebensmittel- und Textilhandel ist nicht immer eindeutig, wie wirksam das eigene Engagement wirklich ist.

Um genauer zu prüfen, wie nachhaltig dein Leben ist, kann dir Impact Management helfen. Durch den Fokus auf ein konkretes Ziel kannst du dir deine Handlungen noch bewusster machen sowie sie besser kontrollieren. Dafür brauchst du nicht viel. Schnapp dir einfach einen Stift und Papier oder die Notizenapp auf dem Handy und bringt deine Ideen, egal wo du gerade bist, selbst in Form.

Wie legt man Nachhaltigkeitsziele fest?

Das ist die wichtige Frage, die sich auch professionelle Impact-Manager*innen genau überlegen müssen. Zum Erreichen der eigenen Vorsätze musst du Nachhaltigkeit zuerst definieren. Du siehst Klima als wichtigsten Punkt in deinem Leben? Dann kannst du deinen CO2-Haushalt, deine toxische Umweltbelastung durch Chemikalien und Plastik sowie deinen Lebensmittelkonsum anpassen. Möchtest du dich lieber für soziale Nachhaltigkeit einsetzen? Dann kann es dein Ziel sein, dass du die Arbeit von gesellschaftlich benachteiligten Menschen unterstützt und dich für Diversity in deinem Umfeld einsetzt.

Dein Nachhaltigkeitsziel kann auch ein übergeordneter Plan sein. Nachhaltigkeit selbst ist schließlich komplex und setzt sich zusammen aus den drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales. Am umfangreichsten werden diese Punkte aktuell in den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen festgehalten (UN SDG). In 17 Punkten stellen sie dar, welche Maßnahmen notwendig sind, um eine globale Nachhaltigkeit zu erreichen. Dazu gehören unter anderem Bestrebungen wie die Eliminierung von Hunger und Ungleichheiten sowie der Schutz des Klimas, des Wassers und des Landes. Ist dein Ziel, eine umfassende Nachhaltigkeit zu leben, können die UN SDGs ein guter Wegweiser sein.

Aus den 17 Punkten der UN SDG kannst du je Aspekt mehrere konkrete Teilziele für deinen Alltag formulieren. Eine Option ist, du überlegst sie dir selbst; dann kannst du beispielsweise festlegen, dass du ab sofort grüne Energie unterstützen willst. Ein konkretes Teilziel wäre, den Stromanbieter zu wechseln, aber auch bei gekauften Artikeln darauf zu achten, dass Hersteller, Vertrieb und Transport auf grüner Energie beruhen. Andererseits kannst du aber auch Teilziele von den Vereinten Nationen übernehmen. In 169 Punkten bietet das Programm konkrete Vorschläge. Unter dem Überziel Bildung nennt es die Steigerung der Alphabetisierung unter Erwachsenen und Jugendlichen. Möchtest du dieses Ziel auf deinen Impact Plan übernehmen, kannst du es erfüllen, indem du dich zum Beispiel bei einer lokalen Hilfsorganisation als Deutschlehrer*in engagierst.

Egal wie breit oder fokussiert dein Vorsatz am Ende ist, um ins Impact Management zu passen, muss er überprüfbar und nach außen gerichtet sein: Selbstverständlich ist es auch ein nachhaltiger Erfolg, wenn du ab sofort pro Monat den Verbrauch von zehn Wattestäbchen eliminiert hast. Damit erkennst du aber noch keine Außenwirkung. Deshalb überlege dir lieber Ziele wie „Ich möchte die Plastikverschmutzung der Erde vermindern“. Zur Erreichung dieses Überziels legst du Schritte fest. Einer dieser Schritte könnte es auch sein, dass du in Zukunft Plastik-Wattestäbchen nicht mehr oder nicht mehr so häufig verwenden willst. Es kommen dann aber noch mehr Punkte aus deinem Alltag dazu – wie der Verzicht auf Plastikverpackung, -flaschen und Mikroplastik in den Produkten selbst. Impact Management ermöglicht dir also nicht nur eine nachhaltige Handlung auszuführen, sondern ein nachhaltiges Ziel mit vielen Unterpunkten anzupeilen.

Wen brauchst du, um das Ziel zu erreichen?

Auf dem Weg zum nachhaltigeren Leben ist Unterstützung ein wichtiger Aspekt. Der Blick ins eigene Umfeld heißt im Impact Management Interessensgruppenanalyse. Wenn du dir klar machst, wer zu den Interessensgruppen deiner Zielsetzung gehört, hilft dir das, eventuelle Hilfs-, aber auch Störfaktoren in deine Planung miteinzubeziehen.

Denn selten sind wir komplett alleine involviert in unseren Haushalt, unseren Konsum und unser Verhalten. Wenn du beispielsweise das Ziel hast, zum Tierwohl und dem Umweltschutz beizutragen und deshalb auf Fleisch zu Hause verzichtest, kann es hinderlich sein, wenn deine Freund*innen oder Mitbewohner*innen dich am Abend mit einer selbstgekochten Bolognese-Lasagne überraschen. Hast du ihnen noch nicht über deinen Wandel Bescheid gegeben, isst du wahrscheinlich einfach mit. Erwähnst du es während des Essens nur flüchtig am Rand oder machst ihnen Vorwürfe, kann es bis zum Konflikt kommen.

Rede mit ihnen also frühestmöglich und erkläre ihnen dein Ziel und warum du es erreichen möchtest. Höre dir auch ihre Meinung zum Thema an und findet einen Weg, der für euch alle umsetzbar ist. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du deinen Plan verwirklichen kannst, am höchsten und vielleicht möchten sie sogar mitmachen.

Darüber hinaus sind Strategien für dein Einkaufsverhalten und deine Essensplanung sinnvoll. Eine Ernährungsumstellung erfordert zu Beginn immer Organisation. Such dir also beispielsweise leckere Rezepte raus, die du kochen möchtest, prüfe, wo du besondere vegane Zutaten in der Nähe bekommst und wie du deine Einkaufsroute optimierst, also vielleicht ohne gleich in der Anfangsphase an deinem Lieblingsstand für Döner vorbei zu kommen.

Wie misst und bewertet man das Ergebnis?

Wie erfolgreich ihr in eurem Bestreben sein werdet, könnt ihr gemeinsam oder du für dich alleine überprüfen. Impact Management entscheidet sich dadurch von anderem Nachhaltigkeitsverhalten, dass du bewusst und kalkuliert Veränderungen an deiner Umwelt mit beeinflusst. Die kannst du aber nur einschätzen und kontrollieren, wenn du sie quantifizierst.

Ist dein Ziel beispielsweise, dass du zur Bienenanzahl in deiner Umgebung beitragen möchtest, kannst du einen einfachen Vorher-Nachher-Vergleich für deine Berechnung nutzen. Wie oft siehst du Bienen aktuell auf deinem Balkon oder im Vorgarten und ungefähr in deiner Nachbarschaft? Nachdem du Töpfe mit Bienenblumen gepflanzt und Insektenhotels aufgehängt hast, wiederholst du deine Beobachtungen. Hat sich an der Anzahl und Häufigkeit der Bienenbesuche etwas geändert? Und wenn ja, in welchem Maß?

Vielleicht hast du einen ungünstigen Standort für Bienenblumen gewählt oder der Plan hat aufgrund eines anderen Aspekts nicht funktioniert. Bei jedem Nachhaltigkeitsengagement kann es zu unvorhergesehenen Geschehnissen kommen. Das können unkooperative Menschen im Umfeld sein, Fehlannahmen bei der Strategiefestlegung oder sogar Missverständnisse in der Definition des Ziels. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Nachhaltigkeit ist ein Prozess und braucht manchmal etwas mehr Zeit.

Es ist nicht schlimm, wenn du nach der ersten Impact-Messung feststellst, dass deine bisherige Strategie verbesserungsbedürftig ist. Dann fängt der Prozess einfach wieder beim ersten Schritt an – und entsprechend der neuen Erkenntnisse passt du das Ziel an.

Sollten die Maßnahmen schon ans gewünschte Ende geführt haben, herzlichen Glückwunsch. Nun kannst du dir überlegen, ob du deinen Plan ambitionierter festsetzen möchtest oder dich einem neuen Punkt widmen willst. Vorwärts geht es mit der Methode auf jeden Fall.

Gibt es eine Möglichkeit, die Nachhaltigkeit schneller zu ermitteln?

Impact Management strukturiert den eigenen Weg ins bewusstere Verhalten. Manchmal möchte man aber einfach nur wissen, wo man in seinem Engagement schon steht.

Eine Status-Quo-Abfrage kannst du über Fußabdruck-Messungen im Internet stellen. In der Box am Ende haben wir dir ein paar Seiten dafür zusammengefasst. Die Nutzung der Tools beinhaltet in Bezug auf Nachhaltigkeitsauswirkungen jedoch ein paar Nachteile. So sind die Berechnungen sehr allgemein. Je nach Fokus der dahinter stehenden Organisation kommen unterschiedliche Ergebnisse heraus. Das steht im Gegensatz zu Impact-Messungen, mit denen du deine direkte Wirkung der von dir festgelegten Maßnahmen auf dein Ziel ermittelst.

Dennoch können Fußabdruck-Messungen auch für dein persönliches Impact Management sehr nützlich sein. Möchtest du dein Verhalten in einen größeren, vor allem ökologischen, Nachhaltigkeitskontext setzen, ist das mit solchen Tools gut möglich. Sie zeigen dir, wo du dich bisher noch wenig engagiert hast und in welchem Bereich dein nächstes Ziel liegen könnte.