In Chemnitz gibt es bald eine Antifa-Ausstellung

Im Rahmen der Chemnitzer Kunstausstellung Gegenwarten/Presences zeigt das Kollektiv Peng! Objekte, die im Kampf gegen Rassismus eingesetzt wurden.

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Was hat Protest mit Kunst zu tun? Die Ausstellung der Antifa versucht, diese Frage zu beantworten. Screenshot: © Antifa.de

Mitte August eröffnet in Chemnitz eine Kunstausstellung im öffentlichen Raum. Projekte von 20 Künstler*innen und Kollektiven sollen unter dem Titel Gegenwarten/Presences gezeigt werden. Unter den Aussteller*innen ist auch das Berliner Kunst- und Aktivist*innenkollektiv Peng!.

Peng! will Gegenstände ausstellen, die den Kampf gegen Rassismus dokumentieren: Bierkisten, Anstecknadeln, Banner – Dinge, mit deren Hilfe „Geschichten des Protests erzählt und die Vielfalt antifaschistischer Strategien gezeigt werden“, sagt Nika Blum, Peng!-Mitglied und Pressesprecherin für das Projekt in Chemnitz.

Spraydosen, Anklageschriften und Einkaufswagen

Darunter ist zum Beispiel eine Spraydose der Menschenrechtsaktivistin Irmela Mensah-Schramm. Sie übersprayte mit ihr im Fußgängertunnel am Kornmarkt in Bautzen das Graffito  „Demokratie = Volkstod“ mit einem roten Herz und machte daraus „Demokratie = Liebe“. Sie wurde für die Aktion angezeigt. Die 75-Jährige ist dafür bekannt, im ganzen Land Nazi-Aufkleber und Hassbotschaften zu entfernen oder zu übermalen.

Teil der Ausstellung wird auch die erste gebundene Ausgabe der Anklageschrift NSU-Komplex auflösen des Aktionsbündnis NSU-Tribunal sein. Auf 330 Seiten werden 120 Personen aufgelistet, die laut den Verfasser*innen eine Mitschuld an den Terroranschlägen tragen.

Antifaschistischer Kampf ist nicht zwingend mit dem Tragen von schwarzer Kleidung und dem Werfen von Ziegelsteinen verbunden.

Nika Blum, Peng!

Nicht alle Exponate sind Originale. Der Einkaufswagen aus der Silvesternacht in Leipzig-Connewitz zum Beispiel, der angeblich brennend auf Polizist*innen zugeschoben wurde: „Den Einkaufswagen mussten wir nachbauen, das Original hat die Polizei sichergestellt“, sagt Blum.

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Foto: © Peng!

Mit der Auswahl der Gegenstände wolle man nicht nur ein Stück linker Geschichte zeigen, sondern auch das Klischee von antifaschistischen Strategien aufbrechen, das oftmals von der medialen Berichterstattung gestützt wird, so Blum. „Antifaschistischer Kampf ist nicht zwingend mit dem Tragen von schwarzer Kleidung und dem Werfen von Ziegelsteinen verbunden“, sagt sie. „Es gibt so viele verschiedenen Formen von antifaschistischem Engagement. Damit wollen wir die Menschen konfrontieren, gerade auch in einer konservativen Stadt wie Chemnitz.“

Jedes Objekt wurde den Besitzer*innen zum Preis von 1.000 Euro abgekauft. Das Geld, das Peng! aus dem Ausstellungsbudget zur Verfügung stand, konnte das Kollektiv somit direkt an Gruppen, die antifaschistische Arbeit leisten, weiterleiten. Alle Gegenstände sollen nach Ende der Ausstellung versteigert werden. Mit den Erlösen will Peng! das Alternative Jugendzentrum Chemnitz unterstützen.

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Peng! beschreibt sich selbst als „Meister des zivilen Ungehorsams“. Das Kollektiv ist bekannt für seine satirischen Aktionen und Werbekampagnen, mit denen es die Bevölkerung auf soziale Missstände aufmerksam machen will.

Die Ausstellung in Chemnitz läuft vom 15. August bis 25. Oktober. Alle ausgestellten Kunstprojekte haben gemein, dass sie sich auf die eine oder andere Weise mit der Stadt Chemnitz, ihrer Geschichte und ihren Bewohner*innen beschäftigen. „Das Ausstellungsprojekt setzt sich mit den spezifischen gesellschaftlichen, politischen und urbanen Fragen der Stadt Chemnitz auseinander“, heißt es in der Pressemitteilung zur Ausstellung.

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Foto: © Peng!