In diesen Momenten wurde Frauen klar, dass sie keine Mädchen mehr sind

„Ich konnte endlich selbst entscheiden, was ich wann, wo, wie und mit wem tue.“ ze.tt-Leserinnen haben uns anonym erzählt, wann sie vom Mädchen zur Frau wurden.

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Ich bin eine Frau. Foto: Prince Akachi / Unsplash / CC0

Wenn sich in jungen Jahren alles langsam ändert, unsere Körper, unsere Gedanken, unser Leben, dann sind wir dabei, erwachsen zu werden. Es ist ein Prozess, den wir in dieser Phase selbst gar nicht so bewusst wahrnehmen.

Und selbst wenn es so weit ist, fällt es uns schwer, zu begreifen, dass wir erwachsen sind. Das ist auch durch die Art verschuldet, wie wir von anderen angesprochen werden. Frauen etwa werden häufig bis in die späten Zwanziger Mädchen genannt, ob sie selbst das nun möchten oder nicht.

Wir haben Frauen darum gebeten, sich an den Moment zu erinnern, an dem sie selbst gemerkt haben, dass sie keine Mädchen mehr sind.

Zum Weltmädchentag haben wir eine Frage an euch: http://bit.ly/2CA4t8x

Gepostet von ze.tt am Donnerstag, 11. Oktober 2018

Das sind ihre Antworten:

„Es war, als ältere (oft unbekannte) Frauen mir sagten, ich solle mich nicht so freizügig kleiden oder ich sähe wie eine Schlampe aus im Minirock. Dann bemerkte ich die Blicke der Männer um mich herum und den Hass ihrer Frauen. Ich wurde mir meiner Ausstrahlung bewusst und fing an, mit ihr zu spielen. In diesem Moment ließ ich das Mädchen zurück und machte meinen Weg zur Frau.“

Als ich die ersten Male von Kindern gesiezt wurde.“

„Als ich nach Monaten tiefster Krise und Verzweiflung zu meinen Vorgesetzten ging und trotz alledem voller Hoffnung auf einen Neubeginn von meinem hohen Posten zurücktrat.“

„Als ein Freund von meinem Vater mich angestarrt hat wie ein Raubtier seine Beute.“

„Als ich 14-jährige Jungs über mich als Dame reden hörte und danach von ihnen mit Sie angesprochen wurde.“

Als ich meinen Exfreund, der mich schlecht behandelt hat, verlassen habe und angefangen habe mich selbst zu lieben.“

„Vielleicht, als ich am letzten Schultag zu meinem Hausarzt gefahren bin, um mir von ihm eine depressive Verstimmung diagnostizieren und Psychotherapie verschreiben zu lassen.“

„Ich konnte endlich selbst entscheiden, was ich wann, wo, wie und mit wem tue. Das ganze ohne Welpenschutz. Etwas Angst vor ungeahnten Konsequenzen hatte ich schon.“

„Als mir das erste Mal klar wurde, dass ich für mich und meine Bedürfnisse einstehe und mich selbst nicht mehr als Kind in meinem Körper fühle.“

„Leider habe ich persönlich aufgrund dessen, dass ich eine schwer depressive Mutter mit Abhängigkeitsproblemen hatte, die mich stark vernachlässig hat und ich mit zehn Jahren eine Schwester bekam, für die ich ein Mutterrolle übernommen habe, diesen Prozess nicht bewusst wahrgenommen. Wenn es um das sexuelle Erwachsenwerden geht, kann ich leider auch nichts dazu sagen, da ich seit dem Kleinkindalter über viele Jahre hinweg sexuell missbraucht wurde.“

Mit meiner ersten Arbeitsstelle und dem damit verbundenen Status sowie der finanziellen Unabhängigkeit.“

„Ältere Herren sagen nicht mehr Fräulein zu mir.“

„Als ich akzeptiert habe, dass man nicht alleine vom Küssen schwanger werden kann und Sex damit nicht mehr eklig war.“

„Als ich zum ersten Mal meine Tage bekam. Als ich zum ersten Mal einen Orgasmus bei der Selbstbefriedigung hatte. Als mir auf einmal meine Mitschüler auf die Brüste schauten. Als ich das erste mal gesiezt wurde. Und dann wirklich: Als ich keine Zweifel mehr an meinem Körper hatte und mir es grundsätzlich egal war, was andere denken. Da war ich dann wirklich erwachsen.“

Als meine Mutter mit mir kuschelte und meine wachsenden Brüste berührte und sagte, tut mir leid, ich vergesse es immer wieder, dass du kein Kind mehr bist, Schatz.“

„Selbst gefühlt habe ich es nicht. Es wurde mir von außen herangetragen. Als mein Onkel zu mir sagte, dass ich jetzt den Hintern einer Frau habe mit 14 Jahren. Als ich im Sommer kurze Hosen getragen habe und die alten Männer mich plötzlich anders ansahen. Ich war im Kopf noch ein Kind, aber wurde anders behandelt. Trotz allem wollte ich noch Kind sein, nicht so angeschaut werden. Es war mir so unangenehm.“

„Mit 31, als meine wunderbare Tochter geboren wurde.“

„Als ich 13 war, sang ich immer ehrfürchtig mit, wenn Britney Spears‘ I’m not a girl, not yet a woman lief. Ich verstand zwar die Worte des Songs, jedoch nicht deren Bedeutung. Seitdem werden Frauen in meinem Alter (28) immer noch als Mädchen bezeichnet. Sei es im Fernsehen, auf der Straße im Vorbeigehen oder im direkten Kontakt mit Mitmenschen. Ich habe mir auch darüber keine Gedanken gemacht. Gestern war ich joggen; als ich an einer Vierjährigen in Begleitung ihrer Großeltern vorbeilief, hörte ich, wie die Oma sagte: ,Ja, genau. Die Frau läuft ganz schnell.‘ Das war das erste Mal, dass ich als Frau bezeichnet wurde. In diesem Moment war ich selbst davon geschockt, wie ungewohnt sich das anfühlte. Ich überlegte. Wann bin ich zur Frau geworden? Bestimmt nicht von heute auf morgen. Ich denke, wie alles im Leben geschieht es schleichend. Der einen früher, der anderen später. In unserer Gesellschaft werden Frauen eher als Mädchen bezeichnet. Das macht es wohl leichter. Aber am Ende geht es vielleicht genau darum: sich der eigenen Kraft als Frau bewusst zu werden und nicht darauf zu warten, es von jemandem gesagt zu bekommen.“

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