In einer Berliner Kita gibt es ohne Zusatzzahlung weder Frühstück noch Nachtisch

Eine Berliner Kita fordert von Eltern, einem Förderverein beizutreten und dafür 120 Euro monatlich zu zahlen. Wer sich weigert, muss mit Konsequenzen rechnen.

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Musikkurse, Frühstück und Nachtisch gibt es nur für die Kinder, deren Eltern im Förderverein sind. Foto: Hal Gatewood / Unsplash | CC0

In Berlin ist der Besuch einer Kita seit August eigentlich komplett kostenlos. Doch eine Kindertagesstätte in Charlottenburg setzte nun Eltern unter Druck. Die Kita forderte sie in einem Schreiben dazu auf, dem Förderverein der Kita beizutreten. Die Kosten: 120 Euro im Monat. Eltern, die sich dies nicht leisten können oder nicht bereit sind, diese Summe zu zahlen, müssten damit rechnen, dass ihre Kinder in Zukunft weniger umfassend betreut werden, hieß es in dem Brief.

Normalerweise beinhaltet die Betreuung in der Kita Girasoles-Sonnenblume frisch zubereitete Mahlzeiten, außerdem werden Handtücher, Zahnputzbecher und Bettlaken gestellt. Kinder, deren Eltern keine zahlenden Förderverein-Mitglieder sind, würden in Zukunft allerdings „weder Frühstück noch Nachtisch, Vesper und Nachmittagssnack“ erhalten, hieß es in dem Brief an die Eltern. Außerdem würden die Kinder in Zukunft in gesonderten Räumen betreut, zum Beispiel im Sportraum oder in der Bibliothek. Sollte eine*r der zugewiesenen Erzieher*innen krank werden, würde die Kita keinen Ersatz bereitstellen. Die Kinder könnten in dem Fall gar nicht mehr betreut werden.

Wer Förderung möchte, muss zahlen

Auch die Förderangebote, wie Sport- oder Musikkurse, könnten nur für Kinder angeboten werden, deren Eltern zusätzlich zahlen. Die betroffenen Eltern wehrten sich gegen die Forderungen der Kita und leiteten den Brief an verschiedene Medien, darunter die B.Z., und die Senatsbildungsverwaltung weiter. Dort zeigte man sich schockiert. Iris Brennberger, Sprecherin des Senats für den Bereich Jugend und Familie, erklärte, die Auflagen seien nicht akzeptabel. Außerdem sei die Mitgliedschaft in einem Förderverein immer freiwillig. Die Behandlung von Kindern könne nicht davon abhängen, ob deren Eltern Mitglieder in einem Förderverein seien. „Es dürfen den Eltern, die sich nicht beteiligen, keine Nachteile entstehen. Das ist eine Zweiklassengesellschaft“, sagte sie der WELT.

Das ist eine Zweiklassengesellschaft.

Iris Brennberger, Sprecherin des Senats für Jugend und Familie

Man denke nun darüber nach, ob Sanktionen gegen die Kita verhängt werden sollen. Erst einmal wolle man aber das Gespräch mit der Kita-Leitung suchen. Seit Kitaplätze in Berlin kostenlos sind, sind Zuzahlungen der Eltern nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig. Sie dürfen in bestimmten Fällen für Extraleistungen wie Sportkurse oder Bio-Essen auf freiwilliger Basis erhoben werden und 90 Euro nicht übersteigen.