In ihrem Video zu „The Man“ zeigt Taylor Swift, welche Privilegien Männer haben

Männer werden für Selbstverständliches gefeiert und für Machogehabe belohnt. Taylor Swift zeigt in ihrem neuen Musikvideo, welche Möglichkeiten sie als Mann hätte – und wie satt sie es hat, sich als Frau für Gleiches mehr anstrengen zu müssen.

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Taylor Swift hat es satt. Screenshots: © Taylor Swift / Youtube, Bearbeitung: ze.tt

Von hinten sehen wir einen Mann im Anzug, wie er aus dem Fenster eines Büros in die imaginäre Skyline einer Stadt blickt. Dann setzt der Beat ein. Der Mann dreht sich um, läuft durch die Tür hinaus ins Großraumbüro, wo ihn männliche Mitarbeiter feiern und weibliche Angestellte anhimmeln. So beginnt Taylor Swifts neues Musikvideo The Man. In ihm zeigt die Musikerin, was sie tun würde, wenn sie ein Mann wäre – und wie die Gesellschaft das sehen würde. Das Video zeigt viele Gegebenheiten, in denen es für Männer in Ordnung ist, sich daneben- oder prollig zu benehmen und sie sogar dafür gefeiert werden.

In einer Szene sieht man beispielsweise The Man mit seiner Tochter in einem Park. Als er sie in den Arm nimmt, sind alle Frauen in der näheren Umgebung völlig aus dem Häuschen und im Hintergrund erscheint ein Banner mit der Aufschrift „World’s Greatest Dad“. Die Szene zeigt, wie etwas, was bei Frauen als völlig selbstverständlich angesehen wird, bei Männern als Höchstleistung gilt. In manchen Szenen überzieht Taylor Swift dieses Narrativ: Wie wahrscheinlich ist es, dass es einem Mann nachgesehen werden würde, wenn er in der U-Bahn anderen in die Handtasche ascht?

Taylor Swift singt: „Ich hab’s so satt, so schnell zu rennen, wie ich kann, und mich dabei zu fragen, ob ich schneller dorthin komme [wo Männer bereits sind, Anm. d. Red.].“

„Könntest du versuchen, sexyer zu sein?“

Zur finalen Rollenumkehr kommt es schließlich in der letzten Szene des Videos. The Man, den Taylor Swift selbst spielt, kommt aus einem Fernsehset, das aus einem Tennisfeld besteht, zum Regiestuhl gelaufen. In ihm sitzt Taylor Swift. The Man fragt sie: „Hey, ich wollte nur wissen: Ging die letzte Aufnahme mehr in die Richtung, wie du es dir vorstellst?“ Taylor Swift antwortet: „Ziemlich gut, aber könntest du versuchen, sexyer zu sein; liebenswerter?“ Ein Spruch, der ihn ähnlicher Form vermutlich an vielen Sets rund um den Globus von männlichen Regisseuren an ihre weiblichen Darstellerin gerichtet wird.

Man kann natürlich die Frage stellen, ob nicht auch Taylor Swift sehr viele Privilegien genießt: Sie ist weiß, stammt aus der oberen Mittelschicht und hat ein geschätztes Vermögen von 360 Millionen US-Dollar. Trotz allem wird sie es in vielen Situationen jedoch schwerer haben als ein männliches Pendant mit ähnlichem sozialen Status. Einfach, weil sie eine Frau ist.

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