In Tschechien müssen Supermärkte jetzt alte Lebensmittel für den guten Zweck spenden

Schluss mit Verschwendung: Große Supermärkte in Tschechien müssen künftig Lebensmittel, die nicht verkauft wurden, kostenfrei an Hilfsorganisationen abgeben. Das hat das dortige Verfassungsgericht erklärt. 

Das tschechische Verfassungsgericht erklärt ein neues Gesetz für rechtsgültig, wonach große Supermärkte Lebensmittel, die nicht verkauft wurden, kostenfrei an Hilfsorganisationen abgeben müssen.

Lebensmittel für die Tonne? In Tschechien soll damit Schluss sein. Foto: NeONBRAND / Unsplash | CC0

Jeden Tag werden große Mengen an Lebensmitteln einfach entsorgt, obwohl sie teils noch vollkommen genießbar wären. Laut einer Studie der Universität Stuttgart entstehen allein in Deutschland jährlich knapp elf Millionen Tonnen Lebensmittelabfall. Über die Hälfte davon fällt bei den Verbrauchenden an: Haushalte in Deutschland schmeißen im Jahr etwa 6.670.000 Kilogramm Lebensmittel in die Tonne. Und auch der Handel, also Supermärkte, Discounter und Co., werfen knapp 550.000 Kilogramm Lebensmittel in den Müll. Kein Wunder: Die Kund*innen erwarten eine große Auswahl an unterschiedlichen Lebensmitteln, stets gut gefüllte Regale und lange Ladenöffnungszeiten.

Um die Lebensmittelverschwendung und den Abfall zu vermeiden oder zumindest einzugrenzen, hat das tschechische Verfassungsgericht in Brünn nun ein neues Gesetz für rechtens erklärt, welches Supermärkte dazu verpflichtet, Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können, an Hilfsorganisationen kostenfrei abzugeben, statt sie zu entsorgen. In ihrer Entscheidung beziehen sich die Richter*innen des Verfassungsgerichts auf die tschechische Grundrechte-Charta, in der es heißt, dass Eigentum verpflichtet. Zudem trage das neue Gesetz zur „schwerwiegenden Frage der Lebensmittelverschwendung“ bei, heißt es weiter. Zunächst hatten 25 tschechische Senatsabgeordnete gegen das neue Gesetz Klage eingereicht, da sie darin einen Eingriff in das Eigentumsgesetz und eine Rückkehr zu kommunistischen Praktiken sahen.

Bei Verstoß droht eine hohe Geldstrafe

Das neue Gesetz betrifft allerdings nicht alle Supermärkte: Erst ab einer Verkaufsfläche von 400 Quadratmetern oder größer sind die Händler*innen zur kostenlosen Abgabe der Lebensmittel verpflichtet. Tun sie das jedoch nicht, droht eine hohe Geldstrafe von umgerechnet bis zu 390.000 Euro. Auch einige Lebensmittelläden, die in Deutschland beliebt sind, werden künftig Hilfsorganisationen mit unverkäuflichen Lebensmitteln versorgen müssen: Lidl, Penny und Kaufland haben Filialen in Tschechien.