„Antiflirting“ macht sexuelle Übergriffe im Internet sichtbar

Schon mal ungefragt ein Dickpic oder eine anzügliche Nachricht zugeschickt bekommen? Der Instagram-Account Antiflirting zeigt, dass sexuelle Belästigung online leider keine Seltenheit ist.

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Welche Nachricht sie wohl gerade bekommen hat? Foto: Becca Tapert | Unsplash | CC0

Trigger-Warnung: Im Text tauchen Inhalte auf, die Traumata im Bereich sexualisierter Gewalt triggern können.

„Na, du kleiner Blasehase, alles klar“ oder „Bist leckbar, Süße“ – solche und ähnliche Nachrichten werden im Internet täglich ungefragt versendet, ebenso wie Dickpics oder vulgäre Beleidigungen. Gegen dieses übergriffige Verhalten und sexuelle Belästigungen wollen Kim und Caro, die Betreiber*innen des Instagram-Accounts Antiflirting, kämpfen – indem sie Screenshots von ebensolchen Gesprächen teilen.

Die beiden Frauen aus Wien starteten den Account im vergangenen Sommer, nachdem sie selbst viel zu häufig online belästigt wurden. „Ich habe auf fast allen Social-Media-Plattformen so Nachrichten bekommen. Das hat sich so angesammelt, dass ich dachte: Nein, das können wir nicht so stehen lassen“, erzählt Kim im funk-Format TRU DOKU.

Auf Antiflirting teilen sie aber nicht nur anonymisierte Nachrichten, die sie selbst erhalten haben. Sie fordern ihre Follower*innen auch dazu auf, eigene Erfahrungen einzureichen. Bis zu 200 Nachrichtenmitschnitte am Tag bekommen Kim und Caro zugeschickt. Die Gespräche stammen von unterschiedlichen Plattformen wie Tinder, WhatsApp oder Facebook Messenger. Inhaltlich ähneln sie sich jedoch alle. Die Absender*innen überschreiten klar Grenzen, beleidigen, sind übergriffig. Das Gegenteil von einvernehmlichem Flirten.

Dass es einen Account, der Alltagssexismus aufdeckt, braucht, zeigen die vielen Rückmeldungen, die Kim und Caro erhalten. „Irgendwann haben wir Nachrichten bekommen von Menschen, die noch nie darüber geredet haben, was ihnen passiert ist. Sie verstehen das jetzt zum ersten Mal“, berichtet Kim in der Doku von funk. Auch Täter*innen hätten ihnen geschrieben, dass sie durch Antiflirting erst erkannt hätten, dass ihr Verhalten falsch war.

Plötzlich offline

Im Dezember 2019 sperrte Instagram den Account. Begründung: Verstoß gegen die Richtlinien. Für Kim und Caro kam das überraschend. Den genauen Grund für die Sperre kannten sie erstmal nicht. Da sie das Thema sexuelle Belästigung jedoch weiter beschäftigte, gingen sie acht Wochen später mit einem neuen Account online: „Wir können leider nicht davon ausgehen, dass wir den Original-Account zurückbekommen“, schrieben sie dazu in einem Post.

Um eine erneute Sperre zu verhindern, achten sie auf Antiflirting2, dem Nachfolgekanal, nun noch mehr darauf, Nacktbilder zu verpixeln, setzten Trigger-Warnungen vor bestimmte Inhalte, (möglicherweise) anzügliche und beleidigende Sprache schwärzen sie, damit sie der Instagram-Algorithmus nicht erkennt. Aus Penis wird P*nis, aus ficken f*cken.

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Anfang Februar meldete sich schließlich Instagram bei Kim und Caro zurück. Auf dem ersten Account hätten sie „mit einem zu geringen Zensieren der Bilder von nackten Personen“ zu oft gegen die Richtlinien verstoßen. Für Antiflirting2 sei, so wie sie dort aktuell zensierten, eine Sperre aber ausgeschlossen.