Ist Mary Poppins eine Feministin, Frau Blunt?

In der Fortsetzung von Mary Poppins spielt Emily Blunt das strenge, aber liebevolle Kindermädchen. Wie aktuell ist das Frauenbild in dem Film noch? Wir haben mit Blunt über Kinder, Feminismus und den Coolness-Faktor als Mutter gesprochen.

Emily Blunt spielt in der Fortsetzung von Disneys erfolgreichem Film das Kindermädchen Mary Poppins.

Emily Blunt spielt in der Fortsetzung von Disneys erfolgreichem Film das Kindermädchen Mary Poppins. Foto: © 2018 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Mary Poppins sorgte 1964 erstmals für leuchtende Kinderaugen. Eltern und Kinder sehnten sich nach einer Nanny wie ihr. Jetzt, 54 Jahre später, kehrt Mary zurück und soll erneut mit charmanter Autorität die Kinogänger*innen verzaubern.

Dabei stellt sich automatisch die Frage, ob Mary Poppins, ihre Geschichte und ihre Figur noch zeitgemäß sind. Taugt sie noch als Vorbild? Zwar spielt der Film wenige Jahrzehnte nach dem ersten Teil, welcher in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg eingebettet ist, aber Emily Blunt findet, dass die Botschaft des Films universell und somit auch heute noch gültig ist: Bring Freude in dein Leben und in das von anderen Menschen. Häng dich nicht an Kleinigkeiten auf und hör auf zu grübeln.

Die Botschaft ist selbstverständlich noch aktuell, aber ist es der autoritäre Erziehungsstil einer Nanny aus einem Londoner Nobelviertel im frühen zwanzigsten Jahrhundert auch noch? Natürlich nicht, aber Emily Blunt hat das Gefühl, dass „viele Eltern heutzutage Grenzen als etwas absolut Negatives ansehen.“ Als sie das sagt, muss sie lachen, denn sie fügt noch hinzu, dass der Erziehungsstil ohne Grenzen bei ihren beiden Töchtern (zwei und vier Jahre alt) nicht funktioniert.

Man fühlt einfach, dass sie weiß, was sie tut, und dazu gehört es eben auch, Kindern Grenzen aufzuzeigen.

Emily Blunt über ihre Figur Mary Poppins

Kinder brauchen Regeln und Grenzen. Deswegen hatte Mary Poppins‘ Erziehungsstruktur etwas, was essenziell wichtig war und immer noch, zumindest ein Stück weit, ist: „Meine erste Erinnerung an Mary Poppins ist eher ein Gefühl. Ein Gefühl der Sicherheit, dass gerade durch ihre disziplinäre Erziehungsweise Bestand hatte. Es vermittelte mir den Eindruck, dass ich bei ihr in sicheren Händen gewesen wäre. Gerade durch ihre Mischung aus Autorität und Liebe. Man fühlt einfach, dass sie weiß, was sie tut, und dazu gehört es eben auch, Kindern Grenzen aufzuzeigen“, sagt Blunt.

Mary Poppins kommt alleine klar

„Heute würde man Mary Poppins wahrscheinlich als starke Frau bezeichnen“, sagt Blunt. „Aber ich finde, dass der Begriff ,stark‘ mittlerweile viel zu verschwenderisch eingesetzt wird und damit an Bedeutung verliert. Vor allem in Bezug auf Frauen. Niemand kommt auf die Idee zu fragen, ob beispielsweise Bruce Willis in einem seiner Filme einen starken Charakter spielt. Für mich ist Mary Poppins hauptsächlich eine Frau, die anpackt und ihre Unabhängigkeit vermittelt.“

Ist Mary Poppins somit eine Feministin? Auf der einen Seite erfüllt sie, zumindest im Ansatz, das Rollenklischee eines Kindermädchens zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Doch bereits im ersten Teil sympathisiert sie mit Winifred Banks, der Mutter von Jane und Michael und eine Suffragette, eine Frauenrechtlerin. Und auch in Mary Poppins‘ Rückkehr steht sie Jane Banks, die mittlerweile selbst eine Feministin und Aktivistin für Arbeiterrechte ist, zur Seite.

Sie macht immer klar, dass sie keinen Mann für die wunderbaren Dinge, die sie vollbringt, braucht.

Emily Blunt

Emily Blunt ist sich sicher, dass Mary eine Feministin ist: „Allein schon dadurch, dass sie unabhängig und nicht auf einen Mann angewiesen ist, macht sie für mich zur Feministin. Gerade mit Blick auf die Zeit, in der der Film spielt. Für sie ist nahezu alles möglich, ohne, dass sie und ihr Handeln von jemandem abhängig ist. Natürlich genießt sie die Aufmerksamkeit von Männern, flirtet gerne und ist kokett. Aber sie macht immer klar, dass sie keinen Mann für die wunderbaren Dinge, die sie vollbringt, braucht.“

Heute ist das eigentlich selbstverständlich, aber für das Rollen- und Geschlechterverhältnis vor dem ersten Weltkrieg war das geradezu revolutionär. Und auch für die frühen Sechziger, in denen Mary Poppins zum ersten Mal über die Kinoleinwand schwebte, war das zauberhafte Kindermädchen eine Feministin, die durch ihre Unabhängigkeit hervorstach. Vielleicht wäre Mary Poppins heute aber eher eine Superheldin. „Eine Powerfrau, die fliegen kann und Kinder mithilfe von Delfinen in der Badewanne zum Baden bewegt.“

Zwar war Blunts Tochter Hazel etwas enttäuscht, als ihr klar wurde, dass ihre Mutter nur schnödes Badewasser einlassen konnte, aber für ihre Töchter ist ihre Mutter natürlich trotzdem eine Superheldin. „Noch bin ich cool – bis zur Pubertät. Da werde ich dann lame und danach hoffentlich wieder cool.“

Egal ob zauberhafte Nanny, Feministin oder Superheldin – Mary Poppins ist eine Ikone, die durchaus hinterfragt werden darf. Aber trotz ihrer Verwurzelung in den Anfängen des vergangenen Jahrhunderts, sind einige Elemente ihrer Erziehungsmethoden und Mary Poppins feministische Ansätze heute noch aktuell.