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Ist Umweltschutz nur etwas für Privilegierte, Marteria?

Der Rapper Marteria bringt eine nachhaltige Modekollektion auf den Markt. Im Interview verrät er, warum das nichts mit Greenwashing zu tun hat und wie sich jede*r für den Umweltschutz engagieren kann.

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Rapper Marteria: There’s only one Earth. Foto: Green Berlin

„Mama Erde trägt Klunker, schmückt sich mit Brillanten. Wir rauben sie aus und bestimmen einen Preis“, singt Marten Laciny alias Marteria in seinem 2014 veröffentlichten Track Welt der Wunder. Es ist nicht das einzige Mal, dass sich der gebürtige Rostocker direkt zu dem Zustand unserer Erde äußert. Auch in anderen Texten verweist Marteria darauf, wie wichtig es ist, unseren Planeten zu schützen.

Nun hat der Rapper seine erste nachhaltige Modekollektion Back2Green gelauncht –

– die Klamotten bestehen aus Bio-Baumwolle und recyceltem Ozeanplastik. Aber wie öko sind die Produkte wirklich? Können sich die Produkte nur Privilegierte leisten? Und steckt dahinter letztlich nicht mehr als Marketing mit dem guten Gefühl, etwas für die Umwelt getan zu haben?

ze.tt: Marteria, du hast eine Modelinie angekündigt, die komplett öko sein soll. Wie kam es zu der Idee?

Marteria: Wir wollten mit Green Berlin immer schon mehr als eine Hip-Hop-Crew und ein kleines Plattenlabel sein. Der Name steht für Hip-Hop, Style und Glaubwürdigkeit. Die Idee einer eigenen Modemarke kam immer wieder mal auf, aber uns war klar, dass die Welt nicht noch einen bedruckten Standard-Hoodie braucht. Darüber kam die Auseinandersetzung mit den Fragen, was man anders machen könnte, was der Mehrwert ist und wie man mit Mode auch ein Statement setzen kann.

Wie sieht der Produktionsprozess aus?

Wir arbeiten mit der Initiative Seaqual und verschiedenen anderen Partnern, die alle das Seaqual-Siegel haben, zusammen. Der Plastikmüll wird zuerst gesammelt, dann zu Granulat verarbeitet. Das wiederum wird zu Garn und dann zu neuen Stoffbahnen verarbeitet. Im letzten Schritt werden dann daraus die einzelnen Teile geschneidert.

Die Ökobilanz recycelter Produkte ist Gegenstand von Diskussionen, wie nachhaltig sind deine Klamotten wirklich?

Sehr nachhaltig, aber natürlich nicht zu hundert Prozent. Dafür müsste man seine eigenen Baumwollpflanzen haben und den Stoff selbst weben. Mann kann auch nicht jedes Detail wie beispielsweise einen Reissverschluss nachhaltig produzieren oder einkaufen.

Fakt ist aber auch, dass wir kein großer Modekonzern sind, der eine nachhaltige Kollektion macht und die restlichen Produkte produziert wie immer. Wir sind ganz klein und haben nur eine Kollektion. Und bei dieser Kollektion haben wir bei jedem einzelnen Teil auf maximale Nachhaltigkeit geachtet – bis hin zu nachhaltigen Hangtags und Polybags. Zudem arbeiten wir mit Climate Partner, um die CO2-Emissionen der Produktion und des Transports zu bemessen und auszugleichen. Dadurch produzieren wir zusätzlich zum Recycling auch klimaneutral.

Ich hoffe natürlich, dass ein Bewusstsein für die Umwelt und unsere Erde ‚cool‘ wird.

Marteria

Immer mehr populäre Musiker*innen setzen sich für Umweltschutz ein. Was würdest du Menschen sagen, die dir vorwerfen, Greenwashing zu betreiben?

Was hat der Umstand, dass Künstler sich für Umweltschutz einsetzen, mit dem Vorwurf des Greenwashings zu tun? Greenwashing verstehe ich so, dass man mit dem Argument der Nachhaltigkeit Marketing betreibt, aber in der eigentlichen Produktion nicht danach handelt. Das ist bei uns nicht der Fall.

Sollten andere Musiker*innen deinem Beispiel folgen und ihre Reichweite besser für Themen wie den Umweltschutz nutzen?

Absolut. Genauso wie jeder andere Mensch in seinem persönlichen Umfeld oder auch sonst jeder, der viele Menschen erreicht. There’s only one Earth.

Naturschutz ist öfters Gegenstand in deinen Texten. Im Track Links rappst du etwa „Fahr‘ vor mit’m Fahrrad, fahr‘ vor im Jeep. Vollkomm’n egal, heut gibt’s Beef mit Veganern. Kommst du mit Carhartt oder Louis V“. Marken spielen eine immens große Rolle im Deutschrap. Wird die Jugend der Umwelt zuliebe auf ihre Balenciagas verzichten?

Die Frage kann ich nicht beantworten. Ich würde es mir wünschen und irgendwann wird die Jugend nicht mehr drum herum kommen. Aber ich hoffe natürlich, dass ein Bewusstsein für die Umwelt und unsere Erde “cool” wird.

Braucht man deiner Meinung nach Markenklamotten für einen coolen Style?

Nein. Es gibt natürlich coole und schöne Markenklamotten, aber die alleine machen keinen coolen Style. Den Style erfindet man selbst und das geht problemlos ohne Markenklamotten.

Und wie ist es bei dir?

Wie in der letzen Frage beschrieben. Mit Green Berlin habe ich nun natürlich das Glück, mir nicht nur meine Klamotten zusammenzustellen, sondern sie auch mit zu designen.

Ein T-Shirt kostet auf deiner Merch-Seite zwischen 20 und 30 Euro. Das kann sich nicht jede*r leisten. Ist Umweltschutz etwas für Privilegierte?

Das ist eine sehr schwierige Frage und wirft auch zu viele Dinge in einen Topf. Man kann nicht nur Umweltschutz betreiben, indem man ein T-Shirt von mir oder Green Berlin trägt. Egal ob Müll trennen oder Fahrrad fahren – etwas tun kann jeder. Das hat absolut nichts mit Privilegien zu tun.

Wir merken aber mit Green Berlin, dass eine nachhaltige Produktion um ein Vielfaches teurer ist und wir mit H&M und Primark preislich natürlich nicht mithalten können. Aber die produzieren auch nur sehr bedingt bis gar nicht nachhaltig. Grundsätzlich bestimmt die Nachfrage das Angebot und je mehr Menschen nachhaltige Produkte nachfragen, desto mehr wird produziert und umso günstiger wird es auch werden. Auch für uns in der Produktion.

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