Jugendliche beißen jetzt auf Waschmittelkapseln und denken, es sei lustig

Die sogenannte Tide Pod Challenge ist die neue Mutprobe der Social-Media-Kinder. Das ist nicht nur dämlich, sondern kann sogar lebensgefährlich sein.

*Augenrollen*

*Augenrollen* Screenshot: Rafael Hernandez/Youtube

Die Banana Peel Challenge war schon dumm. In Stummfilmmanier sollten Jugendliche dabei versuchen, auf einer Bananenschale auszurutschen und hinzuknallen. Die Cinnamon Challenge war mindestens genauso dumm. Um sie zu bestehen, sollten YouTuber*innen einen ganzen Esslöffel Zimt schlucken, was quasi unmöglich ist. Stattdessen bekamen sie regelmäßig hysterische Hustenanfälle.

[Außerdem auf ze.tt: Planking ist sooo 2009. Jetzt gibt’s Extreme Phone Pinching]

Seit einigen Tagen treibt eine neue Internet-Herausforderung ihr Unwesen, und diese erreicht auf der Idiotie-Skala wohl das äußerste dunkelrote Ende. Bei der Tide Pod Challenge ist die Aufgabe: eine Waschmittelkapsel essen. Ja, richtig gelesen. Und noch einmal: eine Waschmittelkapsel essen. Es gilt, entweder mutig hineinzubeißen oder, wer auf den Nervenkitzel steht, einfach im Mund zergehen zu lassen bis die Gelhaut platzt. Das dauert ein paar Sekunden länger und macht es auch nicht besser. Auch noch ganz wichtig: Sich selbst dabei filmen, wie man vor Ekel würgt, reckt, schreit während einem blaue Chemie aus dem Mund fließt, die nicht nur ungesund, sondern tatsächlich giftig ist, und das Video davon auf YouTube stellen. Was für Held*innen.

Idiotie mit Nebenfolgen

Nach Angaben des Verbands der Giftnotrufzentralen wurden in Notaufnahmen in den USA seit Jahresbeginn bereits 86 „absichtliche Kontakte“ von Jugendlichen mit ihrem Lieblingswaschmittel festgestellt, 39 mussten aufgrund schwerer Vergiftungen behandelt werden. „Wir können nicht oft genug sagen, wie gefährlich das für die Gesundheit ist“, warnte der Verband. Wer Waschmittel isst, müsse mit schweren Verätzungen, Anfällen, Lungenödemen, Atemstillstand oder Koma rechnen. Unter Umständen kann der Konsum auch zum Tod führen.

Alfred Aleguas, Experte für Vergiftungen am Poison Information Center in Tampa in Florida, bezeichnet diese Mutprobe nicht nur als gefährlich, sondern als ziemlich bescheuert. „Die Jugendlichen riskieren ihr Leben. Und wofür? Für ein paar Klicks im Internet.“

Sagt euren Kindern, dass ihr Leben und ihre Gesundheit wichtiger sind als Klicks, Zuschauerzahlen und Likes.“ – David Tayler, Procter & Gamble

YouTube und Facebook haben unterdessen angekündigt, derartige Videos auf ihren Plattformen zu sperren. Auch David Taylor, Chef des Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble (P&G), Hersteller des plötzlich zur Trendspeise gewordenen Waschmittels Tide, veröffentlichte kürzlich ein Statement. Die absichtliche und falsche Nutzung seiner Produkte würden ihn zutiefst beunruhigen: „Sagt euren Kindern, dass ihr Leben und ihre Gesundheit wichtiger sind als Klicks, Zuschauerzahlen und Likes.“

Um diese Nachricht auch der jungen Generation verständlich zu machen, engagierte P&G den American-Football-Spieler Rob Gronkowski. Er fragt die Zuseher*innen in einem kurzen Clip: „Was zur Hölle ist mir euch los, Leute? Nehmt die Tide Pods zum Waschen, nicht zum Essen!“

Während sich das Wissen um die Gefahr von Waschmittelverzehr nur langsam in den winzigen Gehirnen der Social-Media-Kinder festsetzt, reagiert die Nahrungsmittelindustrie mit entsprechenden Ideen. Sie kapitalisiert den Wahn, indem sie nun echtes Essen produziert, das aussieht wie eine Waschmittelkapsel von Tide: Pizza, Donuts, Sushi, Bonbons und mehr. Was vielen vielleicht nicht bewusst ist: Wir brauchen keine essbare Alternative zu Wachmittelkapseln, weil sie ohnehin eigentlich niemand hätte essen sollen. Stop!

I thought this might clear up any confusion there might have been but now adults are throwing donuts in the washer.

Posted by Hurts Donut – Springfield MO on Mittwoch, 17. Januar 2018